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Schleswiger Nachrichten

18. Oktober 2017 | 19:19 Uhr

Klinik-Keime : Helios will alle Patienten testen

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Bisher hat das Helios-Klinikum Schleswig nur Risikopatienten auf gefährliche Erreger untersucht – künftig gibt es bei jeder Klinik-Neuaufnahme ein Screening

von
erstellt am 26.Mär.2015 | 12:38 Uhr

Es lief anders als geplant in der Gewerkschaftsveranstaltung am Dienstagabend, in der das Thema Krankenhaus-Keime angepackt werden sollte. Eingeladen hatten Verdi-Bezirksgeschäftsführerin Ute Dirks und Susanne Uhl vom DGB Nordwest. Doch gleich zu Beginn kam die ungewöhnliche Mitteilung: „Leider sind unsere Referenten weggeblieben.“ Vorgesehen war, dass vier Hygiene-Fachkräfte vom Schleswiger Helios-Klinikum in das Thema einführen sollten, doch diese hätten kurzfristig ihre Teilnahme abgesagt, erklärte Dirks. Eine offizielle Begründung habe es dabei nicht gegeben. Jedoch wurde hinter vorgehaltener Hand während der Veranstaltung die Vermutung laut, dass die Helios-Mitarbeiter sich offensichtlich mit Blick auf ihren Arbeitgeber zu dieser Entscheidung genötigt gesehen hätten. Ute Dirks: „Dabei sollte es doch gar nicht speziell um Helios und seine Kliniken gehen, sondern generell um Hygienebedingungen in Krankenhäusern.“ Man werde aber an dem Thema dranbleiben und im Mai zur nächsten Informationsveranstaltung einladen, und zwar mit Hygiene-Fachleuten aus anderen Kliniken im Lande, kündigte Verdi an. Auch vor dem Hintergrund, dass sich erst Anfang des Jahres an der Kieler Uniklinik 31 Patienten mit einem tödlichen multiresistenten Keim infiziert hatten.

Nachdem nun in dieser Woche Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) einen Zehn-Punkte-Plan präsentiert hat, um gefährliche Infektionen in deutschen Kliniken einzudämmen und auch die Bundesärztekammer dieses Vorgehen ausdrücklich lobte, stellt sich die Frage: Auf welchem Hygiene-Stand befindet sich das Schleswiger Krankenhaus? Die SN hakten nach bei Helios – beim Regional-Krankenhaushygieniker Michael Borg, Facharzt für Anästhesie und Intensivmedizin.

Von ihm gab es eine überraschende Ankündigung gegenüber den SN: „Künftig sollen alle Patienten im Helios-Klinikum bei der Aufnahme gescreent werden, um mögliche gefährliche Erreger herauszufinden.“ Das ist neu und geht über die Vorschläge des Gesundheitsministeriums hinaus. Bisher wurden auch im Schleswiger Krankenhaus lediglich Abstriche bei Risiko-Patienten sowie in Verdachtsfällen gemacht, um diese auf multiresistente Keime hin zu untersuchen.

Die Entscheidung zum strikteren Vorgehen hätten Helios-Verantwortliche bereits vor der Initiative des Gesundheitsministeriums getroffen, erläuterte Borg. Der Grund sei: Man wolle sich umfassender als zuvor in jeder Helios-Klinik einen Überblick über das Ausmaß der multiresistenten Erreger verschaffen. „Wir wollen exakte Daten sammeln, um wegzukommen vom bloßen Bauchgefühl, ob jemand betroffen sein könnte.“ Ob denn auch bei gefährliche Viren, etwa dem Noro-Virus, konsequente Maßnahmen wie eine Isolierung des betroffenen Patienten in der Klinik erfolgen sollten, meinte Borg: „Selbstverständlich. Es ist extrem wichtig, dass ein Patient, der dieses Virus hat, sofort isoliert untergebracht wird.“

Er betonte, dass die Hygiene-Regelung auf den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts basiere und für alle Mitarbeiter verbindlich sei. Intensiv verfolge man beispielsweise, dass die Hände-Desinfektion bei Ärzten und Pflegern stets eingehalten werde. Hygiene habe im Schleswiger Klinikum durch Helios einen hohen Stellenwert bekommen. Borg: „Wir haben zehn ärztliche Hygiene-Beauftragte sowie zwei Fachkräfte auf Vollzeitstellen eingeführt.“

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