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Schleswig : Helios-Klinik: Käufer für das Krankenhaus gesucht

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

In zwei Jahren hat die Helios-Klinik an der Moltkestraße in Schleswig ausgedient. Investoren interessieren sich für die exponierte Lage – aber nicht fürs Gebäude.

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erstellt am 26.Apr.2014 | 12:30 Uhr

Schleswig | Es ist eines der größten Bauwerke der Stadt: Auf sechs Stockwerken arbeiten mehr als 700 Menschen. 15.000 Patienten werden hier jährlich stationär behandelt. In gut zwei Jahren wird die Helios-Klinik an der Moltkestraße leer stehen. Dann zieht die gesamte Belegschaft um in den Neubau an der St. Jürgener Straße. Was aus dem alten Gebäude wird, ist noch offen.

Dass jedoch eines Tages Unkraut aus zerborstenen Fenstern wuchern wird, erscheint eher unwahrscheinlich. Denn es gibt bereits Interessenten für die Immobilie. Sie sind nicht in der Helios-Konzernzentrale in Berlin vorstellig geworden und auch nicht beim örtlichen Klinik-Geschäftsführer Florian Friedel, sondern bei Landrat Wolfgang Buschmann in der Flensburger Straße. Denn die Immobilie gehört dem Kreis Schleswig-Flensburg.

Helios darf sie mietfrei nutzen. Im Gegenzug besitzt der Kreis einen kleinen Anteil an der Betreibergesellschaft. Dass das Unternehmen jetzt trotzdem freiwillig ausziehen will, liegt nicht nur an den hohen Unterhaltungskosten für das Gebäude, das 1960 in, wie es heißt, „billiger Bauweise“ hochgezogen wurde. Es liegt auch am Zuschnitt der Räume. Mehrbettzimmer ohne eigene Nasszelle gelten als nicht mehr zeitgemäß. Nur Nebengebäude wie das „Haus Katharina“ mit dem Schlaflabor und der Krebsambulanz würde Helios möglicherweise gern weiter nutzen. „Das prüfen wir zur Zeit“, bestätigt Kliniksprecherin Inke Asmussen. Eine Einigung mit dem Kreis Schleswig-Flensburg wäre die Voraussetzung.

Lässt sich für das alte Krankenhaus überhaupt eine sinnvolle Verwendung finden? „Das weiß ich nicht“, gibt Kreispräsident Ulrich Brüggemeier als oberster Repräsentant des Eigentümers zu. „Aber unabhängig von der Bebauung gilt: Die Lage des Grundstücks direkt an der Innenstadt ist hervorragend.“

So sehen es offenbar auch die potenziellen Käufer. Ein Interessent sitzt in Sichtweite des Krankenhauses in der Moltkestraße: Die Wohnungsbaugenossenschaft Gewoba Nord. „Wir beschäftigen uns mit dem Thema“, bestätigt Vorstand Dietmar Jonscher auf SN-Nachfrage. Dabei befinde man sich aber noch im Anfangsstadium. Konkrete Pläne gebe es noch nicht.

Das Haus ist zwar in einem intakten Zustand, dennoch scheint es vorstellbar, dass es abgerissen wird, um Platz zu machen für Wohnungen oder Büros. Es wäre eine Mammutaufgabe. Denn das Haus hat zahlreiche Besonderheiten. Unter der Klinik befindet sich zum Beispiel ein nur teilweise fertig gestellter Luftschutzbunker aus den Zeiten des Kalten Krieges. Hierhin hätte im Ernstfall der komplette Krankenhausbetrieb verlegt werden sollen.

Die Stadt bekommt die Hälfte
Wenn der Kreis Schleswig-Flensburg das Krankenhaus-Grundstück verkauft, muss er sich den Netto-Erlös  mit der Stadt Schleswig je zur Hälfte teilen. So ist es vertraglich festgelegt. Denn ursprünglich gehörte das Grundstück der Stadt. Sie errichtete hier 1890 den Vorgängerbau des heutigen Krankenhauses. Als in den 1950er Jahren der Neubau erforderlich wurde, stieg der damalige Kreis Schleswig mit ein und gründete gemeinsam mit der Stadt einen „Krankenhauszweckverband“, der das Grundstück von der Stadt kaufte. 1978 wurde der Zweckverband aufgelöst. Der Kreis war jetzt alleiniger Träger des Krankenhauses. Allerdings kaufte der Kreis der Stadt ihren Anteil nicht ab, sondern man vereinbarte, das Vermögen je zur Hälfte aufzuteilen, wenn der Kreis den Betrieb des Krankenhauses irgendwann ganz oder teilweise aufgeben sollte. Dazu ist es bis heute nicht gekommen. Der Kreis blieb stets Eigentümer der Immobilie, als 1985 die Diakonissenanstalt Flensburg die Mehrheit an der Klinik übernahm und auch als das Krankenhaus 2007 an die Damp AG verkauft wurde und 2012 an Helios.
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