Uelsby : Helfer gegen Abschiebung nach Afghanistan

Vorsitzender Michael Goos (rechts) und seine Stellvertreterin Anke Greve-Jessen (links) haben auch diese drei jungen Afghaninnen unter ihre Fittiche genommen.
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Vorsitzender Michael Goos (rechts) und seine Stellvertreterin Anke Greve-Jessen (links) haben auch diese drei jungen Afghaninnen unter ihre Fittiche genommen.

In einem „Offenen Brief auf Angeln“ melden sich die Mitglieder des Vereins „Miteinander“ zu einem kontroversen Thema zu Wort.

shz.de von
23. März 2017, 07:42 Uhr

Der erst vor anderthalb Jahren gegründete Verein „Miteinander“, der sich engagiert der Aufgabe der Integration von Flüchtlingen und Vertriebenen widmet, hat in seiner ersten Jahresversammlung eine positive Arbeitsbilanz vorgelegt. Nach den Worten des Vorsitzenden Michael Goos kommt das umfangreiche Betreuungsprogramm vor Ort derzeit 39 Schutzsuchenden aus Afghanistan, Syrien, dem Irak und dem Iran zugute. Dabei fungieren die Uelsbyer sozusagen als Schaltstelle der guten Taten, denn ihr Einsatz reicht über die Gemeindegrenzen hinaus, vor allem bis nach Struxdorf und Schnarup-Thumby.

Der inzwischen 70 Mitglieder zählende Verein hat längst den Status der Gemeinnützigkeit erreicht und kann sich dank Spenden, eigener Initiativen und kommunaler Zuschüsse einer soliden Finanzlage erfreuen. Wie Kassenwartin Ronja Lund erläuterte, wurden im vergangenen Jahr bereits über 10  800 Euro aufgewendet, darunter fast 3900 Euro für Aktionen und Veranstaltungen. Laut Vorstandsbericht spannte sich der Bogen von der beratenden Hilfe der Flüchtlinge bei der Asylverfahren bis zu Unternehmungen wie Paddeln auf der Treene.

Das Uelsbyer Steuerungs-Team eröffnete für die Geflüchteten eine Kleiderkammer, bewilligte einen monatlichen Zuschuss von 15 Euro pro Kopf für jene, die in Sportvereinen aktiv werden wollten, veranstaltete mit ihnen das jährliche Dorffest und lud sie sogar zum Wattwandern ein. Finanzielle Hilfe gewährte der Verein auch Zugewanderten, die bei ihren Unternehmungen auf die Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln angewiesen sind.

„Wir sind eine Unterstützergruppe für Asylsuchende aus verschiedenen Ländern und haben das Mögliche getan, um Flüchtlinge bei uns willkommen zu heißen.“ Mit diesem Satz beginnt ein „offener Brief aus Angeln“, in dem in moderater Formulierung von den politisch Verantwortlichen ein Verbot von Abschiebungen nach Afghanistan gefordert wird. In der einmütig von den Mitgliedern verabschiedeten Resolution, die den Landtagsfraktionen sowie der Landesregierung und dem Bundesinnenminister zugeleitet werden soll, pochen die Verfasser auf die im Grundgesetz festgeschriebene Unantastbarkeit der Würde des Menschen und erklären, dass Afghanistan ein von Terrororganisationen heimgesuchtes und damit gefährliches Land sei, in dem brutale Gewalt herrsche.

Im Abschnitt „Integration in Deutschland“ heißt es wörtlich: „Einige der afghanischen Flüchtlinge haben – bei uns – das erste Mal in ihrem Leben keine Angst, fühlen sich sicher und wundern sich, dass sie keine Albträume mehr haben.“ Alle Betreuten erlernten die deutsche Sprache, viele absolvierten Betriebspraktika seien und längst fest in ihre Nachbarschaft eingebunden, beispielsweise bei der Feuerwehr und in Musikgruppen. „Sie möchten dem Staat nicht auf der Tasche liegen, sondern möglichst bald eine Ausbildung beginnen oder arbeiten.“

Das gute menschliche Miteinander im Uelsbyer Verein wurde dadurch unterstrichen, dass die Mitglieder die Afghanin Poja Kharabanor zur neuen Revisorin bestimmten. Wiedergewählt wurde der Beisitzer Helmer Jelden. Geplant ist ein Projekt für Asylbewerber, die das Rüstzeug für die Führerscheinprüfung erwerben wollen.

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