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Nach dem ESC-Vorentscheid : Helene Nissen setzt jetzt ganz auf ihre Musik

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Von der Schule freigestellt, Umzug nach Kiel geplant – die Sängerin aus Hollingstedt arbeitet an ihrem ersten Album.

von
erstellt am 01.Apr.2017 | 07:51 Uhr

Hollingstedt | Der große Auftritt liegt nun schon sieben Wochen zurück. Am 9. Februar stand Helene Nissen aus Hollingstedt beim Vorentscheid des Eurovision Song Contest in Köln auf der Bühne. Bis zu vier Millionen Zuschauer verfolgten die Live-Übertragung im Fernsehen und sahen ein Temperamentsbündel aus dem Norden, das mit Stimme und Fröhlichkeit begeisterte. Letztlich bekam Helene Nissen aber nicht genügend Stimmen, um Deutschland beim Finale in Kiew vertreten zu dürfen. Mit ihrem dritten Platz aber war sie hochzufrieden. „Ich bin dankbar, dass ich dabei sein konnte“, sagte sie nach ihrem großen Abend.

Sie nutzte zudem die Gelegenheit, um Kontakte zu knüpfen – denn der Traum, beruflich Musik machen zu können, hatte die 20-Jährige trotz des dritten Platzes noch längst nicht aufgegeben. Im Gegenteil – Helene Nissen will den Schwung ihrer Popularität nutzen und setzt inzwischen ganz auf Musik. „Das ist es, was ich wirklich will“, sagte sie im Gespräch mit shz.de.

Und das ist es auch, was sie nun tut. Vom Berufsbildungszentrum hat sie sich beurlauben lassen, um wirklich freie Hand für ihre Musik zu haben. Den Weg zurück zum Abitur hat sie sich zwar formal offen gelassen, Helene Nissen klingt aber nicht so, als wenn sie das noch ernsthaft in Erwägung zieht.

Stattdessen macht sie Nägel mit Köpfen: Noch sind ihr Name und ihr sympathischer Auftritt nicht vergessen. Das nutzt sie zu vielen Auftritten. Es sind nicht die großen Bühnen, die sie erobert – sie hat als Gaststar in Jagel gesungen, in einer Neumünsteraner Musikkneipe und in Bad Segeberg. Am 4. April ist sie an ihrer alten Schule in Schleswig zu hören. Leben kann sie von diesen Engagements nicht. „Aber es macht mir super viel Spaß“, sagt sie. Im Gespräch mit der Sängerin fällt immer wie das Wort „Freiheit“. Gemeint ist die Freiheit, die sich Helene Nissen jetzt nimmt, um ihren Traum von der Musik zu verwirklichen. Dazu gehört die Freistellung von der Schule, aber auch der geplante Umzug aus dem beschaulichen Hollingstedt nach Kiel. Aus dem Haus der Eltern in die Eigenständigkeit. „In Kiel ist die Musikszene“, sagt sie. „Und außerdem bin ich ja schon 20.“

Hinzu kommt, dass sie in Kiel auch an einem Projekt arbeitet, das ihr sehr wichtig ist – ihrem ersten eigenen Album. Unterstützung erhält sie dabei von einem Freund, Tobias Ahmed, dem Gitarristen der Kieler Rockband „Diebesgut“. Zu der Platte will und kann Helene Nissen noch nicht allzu viel Genaues sagen. Nur so viel: „Es geht sicher in die Richtung Singer/Songwriter. Wir probieren im Moment viel aus und lassen uns Zeit. Schließlich soll es ja auch gut werden“, sagt Nissen. „So richtig weiß ich eigentlich gar nicht, was genau meine Musik ist. Wir schauen einfach, was sich ergibt.“ Diese Freiheit kann sie sich nehmen, weil hinter dem Projekt keine Plattenfirma steckt – und damit auch nicht der Druck, möglichst schnell zu produzieren, um die Popularität des ESC-Vorentscheids zu nutzen. „Wir lassen uns Zeit. Schließlich soll es ja auch gut werden. Richtig ausproduziert, mit Percussion und vielleicht auch Streichern.“ Aber noch ist alles in Planung, einen Erscheinungstermin für das Album gibt es deshalb auch noch nicht.

Den großen Auftritt in Köln hat Helene Nissen immer noch in bester Erinnerung. Und die Tage rund um dieses Ereignis haben ihr auch einige Kontakte beschert, die ihr noch nützlich werden können. Die Juroren Tim Bendzko, Lena und Florian Silbereisen, der sich während der Show als Helene-Fan outete, gehören nicht dazu. „Die haben wohl zu viel zu tun“, vermutet die Noch-Hollingstedterin. Die Verbindung zu ihren Mitbewerbern aber ist nicht abgerissen. Axel Feige, der in Köln den zweiten Platz belegte, hat sogar zugesagt, an dem Album von Helene Nissen mitzuwirken.

Die kleineren Auftritte im Lande empfindet Helene Nissen nicht als Rückschritt gegenüber der riesigen Aufmerksamkeit, die ihr in Köln entgegengebracht wurde. „Ich genieße jeden einzelnen Termin“, sagt sie. Begeistert ist die junge Frau auch darüber, dass sie immer noch täglich Fanpost erhält. „Ich bekomme selbstgeschriebene Lieder zugeschickt, gute Wünsche und Autogramm-Anfragen. Das alles freut mich total. Das zeigt ja auch, dass ich immer noch wahrgenommen werde.“

Die Fanpost kommt fast ausschließlich ganz altmodisch per Brief. Und es reicht inzwischen völlig aus, wenn als Adresse die Worte „Helene“ und „Hollingstedt“ auf den Umschlag geschrieben werden. Das nennt man wohl Popularität. Ob das nach dem Umzug in die Großstadt Kiel immer noch so problemlos möglich ist, muss sich allerdings erst noch zeigen.

 
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