ESC 2017 in Kiew : Helene Nissen: Aus Hollingstedt zum Song Contest

<p>Helene Nissen nimmt am 9. Februar beim Vorentscheid des Eurovision Song Contest teil.</p>

Helene Nissen nimmt am 9. Februar beim Vorentscheid des Eurovision Song Contest teil.

Helene Nissen aus der Nähe von Schleswig will für Deutschland zum ESC-Finale – am 9. Februar singt sie im Vorentscheid.

shz.de von
07. Januar 2017, 08:00 Uhr

Hollingstedt | Sie hat nicht damit gerechnet, deshalb war die Überraschung und die Freude umso größer: Die 20-jährige Helene Nissen aus Hollingstedt ist eine von fünf Kandidaten, die am 9. Februar beim Vorentscheid für den Eurovision Song Contest (ESC) 2017 in Köln antreten. Der Künstler mit den meisten Zuschauerstimmen vertritt Deutschland am 13. Mai beim ESC in Kiew (Ukraine).

Helene Nissen hat sich schon in den vergangenen Jahren für den ESC-Vorentscheid beworben, doch erst in diesem Jahr hat sie es ins „kleine Finale“ geschafft. Gegen knapp 2000 junge Bewerber hat sie sich in mehreren Runden durchgesetzt. „Es waren so viele gute Kandidaten dabei, und ich hätte nie gedacht, dass ich es schaffe“, erzählt sie erfreut. Doch bis zur guten Nachricht war es ein langer Weg. Helene Nissen musste in einer ersten Castingrunde ein Bewerbungsvideo mit einem Song sowie ein Vorstellungsvideo einreichen. Mit 29 weiteren Bewerbern wurde sie in die zweite Castingrunde eingeladen. Dort sang sie fünf Lieder, darunter „Valerie“ von Amy Winehouse und „Mercy“ von Duffy, und machte ein Speed-Dating mit Bürger Lars Dietrich, der ihr Fragen rund um ihre Person stellte.

In der Grundschule fing alles an

Für die freundliche Hollingstedterin bedeuten Musik und Singen alles. Schon in der Grundschule hat sie bei einem musikalischen Theater gemerkt, dass ihr das Singen Spaß macht. Seit ihrem zwölften Lebensjahr schreibt sie eigene Songs. Als sie 14 Jahre alt war, meldeten ihre Eltern sie zum Gesangsunterricht in einer Schleswiger Musikschule an. Ihre Lehrerin erzählte damals, dass sie schnell Fortschritte gemacht hat. Um zu zeigen, was sie kann, nahm Helene Nissen am Casting zur RTL-Sendung „Supertalent“ teil und wurde ein Jahr später vom Internet-Radio „KeyFM“ als „Musiktalent 2012“ ausgezeichnet. 2013 belegte sie den dritten Platz beim Bundeswettbewerb „Jugend Musiziert“ in Nürnberg und wurde Erste beim Regionalwettbewerb „Das Musiktalent“. Außerdem bewarb sie sich bei der Casting-Show „The Voice“, wurde aber abgelehnt. „Die haben gesagt, dass ich kein Talent habe“, erinnert sich die 20-Jährige, die zum Berufsbildungszentrum (BBZ) in Schleswig geht.

Helene mag Johnny Cash

Davon hat sich die junge Frau aber nicht entmutigen lassen. Im Gegenteil: „Sie hat sich ihren Weg selbst ausgesucht und ihn hervorragend gemeistert“, sagt Vater Holger Nissen über seine Tochter. Seitdem sie vor vier Jahren mit dem Gesangsunterricht aufgehört hat, singt sie zu Hause Karaoke zu Youtube-Videos oder zusammen mit ihrem jüngeren Bruder Kjell. Die beiden begleiten sich dann auf der Gitarre. In ihrer Freizeit hört sie Blues, Soul und Pop, besonders gerne von Johnny Cash und der britischen Singer-Songwriterin Gabrielle Aplin.

Nun geht sie den nächsten Schritt in ihrer Karriere. Den ESC kennt sie sehr gut, sie sieht ihn sich jedes Jahr an und freut sich unheimlich darauf, Lena Meyer-Landrut, die den Song Contest 2010 gewann und nun mit Tim Bendzko und Florian Silbereisen beim Vorentscheid in der Jury sitzt, zu treffen. „Ich bin ein großer Fan von Lena und habe damals für sie angerufen“, verrät die Hollingstedterin. Nervös sei sie fast gar nicht, sondern habe richtig Lust, vor allen zu singen.

Die Vorbereitungen laufen – Songs sind noch nicht bekannt

Bis zur Live-Show am 9. Februar werden aber noch anstrengende Wochen vergehen. Um alles zu bewältigen, ist sie vom BBZ freigestellt worden. Helene Nissen muss viel proben und die Songs einsingen, die national und international erfolgreiche Produzenten speziell für den ESC 2017 vorgeschlagen haben. Welche das sind, weiß die 20-Jährige noch nicht.

Falls sie es zum ESC nach Kiew schafft, würde für sie „ein Traum in Erfüllung gehen“, erklärt sie strahlend. „Es ist toll, neben so vielen internationalen Künstlern zu singen.“ Nur noch der Vorentscheid steht diesem Ziel im Weg. Helene Nissen hofft, dass „ganz viele Leute für mich anrufen“. Aber auch, wenn es nicht klappt, gehe die Welt für sie nicht unter. „Klar werde ich enttäuscht sein, aber ich werde nicht in Trauer versinken“, betont die ehrgeizige junge Frau.

Ihre Eltern und ihr Bruder sind jedenfalls schon jetzt stolz auf sie. „Man kann sich das noch gar nicht vorstellen“, sagt Holger Nissen begeistert. Eins ist deshalb sicher: Wenn Helene Nissen wirklich in Kiew auf der Bühne steht, werden ihre Eltern dabei sein und ihrer Tochter die Daumen drücken, wenn sie vor einem Millionen-Publikum ihr Lied für Deutschland singt.

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