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KOnzert im BBZ Schleswig : Helene Nissen auf dem Sprung

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die 20-jährige Helene Nissen aus Hollingstedt überzeugt mit einem eineinhalbstündigen Konzert am BBZ – und nimmt Abschied von Schleswig.

Es war ein Abschied – auf Zeit oder auch für länger? Auf diese Frage konnte Helene Nissen am späten Dienstagabend noch keine Antwort geben. Eineinhalb Stunden lang hatte die 20-jährige Hollingstedterin ihr Publikum am BBZ in Schleswig unterhalten. An ihrer Schule, die sie nun verlassen wird, um die Bühnen zu erobern. Noch nicht die Bühnen der Welt, aber zumindest größere Bühnen als die in diesem etwas kühlen Foyer. Von der jedoch gelang es der jungen Musikerin spielend, ihr Publikum für sich einzunehmen. Daran, dass ihr das auch in ihrer neuen Heimat Kiel gelingen kann, wird nach dem Abschiedskonzert niemand ernsthaft zweifeln. Die rund 60 Besucher jedenfalls waren nach Helenes Ritt durch die Singer-Songwriter-Welt begeistert.

Es ist keine große Stimme, mit der die zierliche junge Frau zu ihrem Publikum durchdringt, aber eine, mit der sie eine beeindruckende Klaviatur abzudecken vermag, vom langsamen Folksong bis zum rockigen Blues. Und selbst, wenn sie stimmlich Höhen erklimmen muss, die ihr nicht mehr so sehr liegen, trifft sie doch den richtigen Ton. Kommen wieder leisere Passagen, dann ist es zum Dahinschmelzen. Auch, weil die zierliche Blondine in ihren schwarzen Klamotten und den knallroten Lederstiefeln dabei so viel jugendlichen Charme versprüht, dass es das Publikum bis in die letzte Reihe anzustecken scheint. Sie lächelt, strahlt bis über beide Ohren unter den großen runden Gläsern ihrer Brille hervor und scheint sich über jeden Song, den sie ansagt, zu freuen, als wäre er das schönste Geschenk unter dem Weihnachtsbaum. Das Publikum nimmt es ihr ab. Helene Nissen versprüht auf der Bühne pure Lebensfreude.

Anders als auf der TV-Bühne des ESC-Vorentscheids am 9. Februar war sie dabei nicht allein. Ihr 14-jähriger Bruder Kjell bildete mit ihr bei einigen Stücken ein harmonisches Gesangsduo, später gesellte sich der Kieler Musiker Tobias Ahmed zu ihr und begleitete sie mit der Gitarre. Mit ihm arbeitet Helene Nissen in Kiel an ihrem ersten offiziellen Album, für das sie derzeit Stücke schreibt. Einige eigene Lieder präsentierte sie aber auch schon jetzt, zum Auftakt einen Song mit dem Titel „Positive Welt“, später ein Stück, das sie vor einigen Jahren für ein Schulmusical in Dänisch geschrieben hatte – beide über Menschen auf der Suche nach dem eigenen Weg. Als beschriebe die 20-Jährige das, was sie selbst gerade bewegt.

Es sind die Großen der Singer-Songwriter-Zunft, die Helene an diesem Abend covert. Wie Bob Dylan, dessen „Knockin On Heavens Door“, sie wunderbar zart präsentiert und das das Publikum zunächst zögerlich, dann aber kraftvoll mitsingt. Mit James Bays „Move Together“ – ihrem erklärten Lieblingslied – überzeugt die zierliche Sängerin mühelos. Und Helene hatte auch eine Botschaft im Gepäck. „Born This Way“ (Lady Gaga) singe sie, weil jeder so leben solle, wie er ist – „egal ob schwul, lesbisch, dick oder dünn“. Selbst an die Titanic-Hymne „My Heart Will Go On“ traut sie sich heran. Eine Stimme wie Celine Dion wird sie nie haben, aber sie schafft es, auch diesem Lied einen eigenen Stempel aufzudrücken. Ebenso übrigens wie dem ESC-Song „Perfect Life“, den Helene beim Vorentscheid nicht mehr singen durfte, weil sie ausgeschieden war. Die für sie vorgesehene Version habe ihr ohnehin nicht so sehr gefallen, sagte sie mit breitem Grinsen, deshalb habe sie den Song mit Tobias Ahmed umgeschrieben. Mit so respektablem Ergebnis, dass man geneigt ist zu sagen: Schade ESC, da ist euch was entgangen.

 

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erstellt am 06.Apr.2017 | 07:44 Uhr

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