Deutschland-Frankreich : Heißt es heute Adieu oder Tschüs?

Michéle und Hans-Adolf Möller, seit 42 Jahren verheiratet, drücken bei der Fußball-WM  heute ihrem jeweiligen Heimatland die Daumen.
Michéle und Hans-Adolf Möller, seit 42 Jahren verheiratet, drücken bei der Fußball-WM heute ihrem jeweiligen Heimatland die Daumen.

Das Aufeinandertreffen ihrer Heimatländer heute bei der WM wird für das deutsch-französiche Paar Michéle und Hans-Adolf Möller zum Familien-Duell.

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04. Juli 2014, 07:17 Uhr

Schleswig | Bier gegen Rotwein. So könnte man das Duell der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen die französische Elf heute Abend bei der Weltmeisterschaft in Brasilien kurz und knapp zusammenfassen. Das meint zumindest Michéle Möller. Aber während die gebürtige Französin sich um 18 Uhr vor dem Fernseher tatsächlich einen Schluck guten Bordeaux-Wein gönnen will, setzt ihr Mann Hans-Adolf, gebürtiger Deutscher, zunächst auf Selter. „Aber mal sehen, wie es ausgeht. Vielleicht werde ich mir danach noch ein Bier gönnen.“

So oder so: Am Ende wird einer der beiden Grund zum Feiern haben – und den einen oder anderen Seitenhieb auf den Verlierer abfeuern. „Obwohl Fußball für uns eigentlich nur die schönste Nebensache der Welt ist. Wir nehmen es sportlich und freuen uns, wenn der Bessere gewinnt. Aber dieses Spiel ist für uns schon besonders“, sagt Hans-Adolf Möller.

Ende der 60er-Jahre hat sich das Paar in einer Disco in Schleswig kennen gelernt. Michéle, die aus der Partnerstadt Mantes-la-Jolie stammt, war damals zum zweiten Mal zu Gast an der Schlei. Bis sie hier allerdings sesshaft wurde, vergingen noch vier Jahre. „Ich wollte erst noch zu Ende studieren. Bis dahin haben wir uns immer nur in den Ferien gesehen“, erzählt sie.

Inzwischen sind die heute 64-Jährige und ihr ein Jahr älterer Mann seit 42 Jahren verheiratet – und führen seither eine „lebhafte Ehe“, wie sie sagen. Das wird auch heute Abend zu spüren sein, wenn sie sich das Spiel zwar gemeinsam, aber auf getrennten Sofas ansehen: er mit seinen Deutschland-Socken an den Füßen, sie im Frankreich-Trikot. „Ich habe bislang bei allen Spielen mit den Franzosen mitgefiebert. Sie spielen ja besser als erwartet. Deswegen denke ich auch, dass sie gewinnen“, sagt Michéle Möller, die zur Feier des Tages – wie bereits bei den anderen WM-Auftritten ihres Heimatlandes und am 14. Juli, dem französischen Nationalfeiertag – die Tricolore im Garten an ihrem Haus auf dem Holm hissen darf. Ob es Glück bringt, wird sich zeigen. Ein Erfolg ihrer Mannschaft würde nicht nur sie persönlich freuen, sondern das ganze Land, ist sie sich sicher: „Wegen der Krise in Frankreich strengen sich die Spieler bestimmt noch mehr an, um gegen die Deutschen zu gewinnen. Viele Franzosen sind gegen die Europapolitik von Merkel, deswegen ist für sie ein Sieg in diesem Spiel vielleicht noch wichtiger als sonst.“

Dass es am Ende so kommen wird, befürchtet auch ihr Mann Hans-Adolf. „Leider haben die Franzosen bisher ein besseres Bild abgeliefert als die deutsche Elf. 5:2 gegen die Schweiz, das schafft nicht jeder. Ich fürchte, wir ziehen den Kürzeren“, sagt er, hofft aber gleichzeitig, dass er sich irrt. „Auch wenn es dann morgen zur Strafe bestimmt kein leckeres Essen gibt. Aber dann koche ich halt selbst“, meint er mit einem Lächeln. „Typisch mein Mann und typisch deutsch“, entgegnet wiederum seine Frau. „Er muss immer penibel auf alles vorbereitet sein.“

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