zur Navigation springen
Schleswiger Nachrichten

23. Oktober 2017 | 04:39 Uhr

Schleswig : Heimweh nach dem kleinen Sohn

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

22 junge Männer aus Syrien haben im ehemaligen Kasernengebäude auf der Freiheit eine Zuflucht gefunden.

von
erstellt am 18.Okt.2014 | 19:47 Uhr

Sie haben Unmenschliches durchlebt. So schlimm, dass einer von ihnen in Tränen ausbricht, wenn er davon erzählt, was er auf seiner Flucht aus Syrien gesehen und durchgemacht hat. Obwohl die 22 Männer Glück hatten, in Deutschland aufgenommen und jetzt in den ehemaligen Kasernengebäuden in Schleswig untergekommen zu sein, steht ihnen die Sorge um ihre Angehörigen wie auch vor der eigenen Zukunft ins Gesicht geschrieben. Einer von ihnen, ein junger Mann von Anfang 20, will der Gesprächsrunde mit den SN fernbleiben. „Er hat in diesen Tagen erfahren, dass seine Eltern in Syrien getötet wurden. Er möchte allein sein“, sagt Dolmetscher Mohamed Kerim. Ein anderer junger Syrer hat als politisch Verfolgter seine Familie zurücklassen müssen. Er sagt: „Mein kleiner Sohn ist jetzt fünf Monate alt, seit vier Monaten habe ich mein Baby nicht mehr gesehen.“ Er habe großes Heimweh nach dem Jungen und nach seiner Frau.

22 Männer in jüngerem Alter wohnen seit Mai in einigen der ausgedienten Kasernenräumen, die das Freie Kultur- und Kommunikationszentrum (FKKZ) unter Leitung von Arne Olaf Jöhnk nutzt. Durch viel Eigenarbeit von Mitgliedern des FKKZ waren die Räume für die Flüchtlinge wohnlich hergerichtet worden, gerade ist man auf der Suche nach einer gut erhaltenen Küche.

Die meisten Männer aus Syrien sind allein stehend und zum Teil noch in der Ausbildung – doch offensichtlich ist: Sie stehen nicht allein da in Schleswig. Die Hilfsbereitschaft und Unterstützung von Privatpersonen und Vereinen in Stadt und Kreis scheint gut zu funktionieren. Gestern etwa kamen Arne Eggert und Clemens Winter vom Round Table, um dem Freien Kommunikationszentrum einen Spendenscheck in Höhe von beachtlichen 4000 Euro zu überreichen. Spenden, die kürzlich zusammengekommen waren beim Oktoberfest des Serviceclubs im Ela-Ela. Das Geld soll den syrischen Flüchtlingen zugute kommen, erklärte Eggert. Er kündigte an, dass man weitere Events mit Spendencharakter organisieren werde, das nächste auf dem Weihnachtsmarkt.

Auch die Haddebyer Initiative mit 40 ehrenamtlichen Helfern um Rüdiger Tietz und die Kirchengemeinde Haddeby arbeitet partnerschaftlich mit dem FKKZ zusammen. Sie stellen sich als Lotsen zur Verfügung, etwa um Behörden- und Arztbesuche zu begleiten, sie geben Deutschkurse in den ehemaligen Kasernenräumen und organisieren Sport- und Freizeitangebote. Noch sprechen die syrischen Flüchtlinge nur Englisch, aber kein Deutsch. Doch je mehr sie neben ihren Sprachkursen in Kontakt mit der Bevölkerung treten, desto eher ändert sich dieser Zustand. So hatten einige Syrer auf Anregung von Rüdiger Tietz gemeinsam mit Lornsenschülern den Unterrichtsraum im alten Kasernengebäude selbst gestrichen und hergerichtet.

Auch von Schleswiger Sportvereinen kommen Anfragen, ob die Syrer bei ihnen mitmachen möchten. „Das hilft ihnen, sich im Alltag eines fremden Landes schneller zurecht zu finden“, sagt Dolmetscher Kerim, der selbst vor 15 Jahren als politischer Flüchtling aus dem Irak nach Schleswig kam. Ein berufliches Ziel vor Augen haben die beiden Brüder Achmed (20) und Mohammad (23): Der eine ist auf seinem Ausbildungsweg zum Bauingenieur durch das Flüchtlingsdrama in Syrien irgendwann steckengeblieben, der andere will Elektroniker werden. „Vielleicht könntet ihr ja später euren Studienweg an den Unis in Kiel oder Flensburg fortsetzen“, schlägt Arne Jöhnk ihnen vor. Er würde sich nach diesen Möglichkeiten gern für sie erkundigen. Beide nicken.

>Spendenkonto: Kulturnetz Schleswig e.V.; Stichwort: Flüchtlinge; IBAN: DE542169 0020 0011 4819 32.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen