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Schleswiger Nachrichten

17. Dezember 2017 | 17:32 Uhr

OBerlandesgericht : Heimsieg beim Poetry Slam

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Nachwuchs-Dichter aus Fleckeby, Fahrdorf und Jübek setzten sich gegen Konkurrenz aus dem ganzen Land durch. Der erste Preis ging an Quinn Christiansen. Er erzählte von seinem Leben als Waldorfschüler.

von
erstellt am 30.Okt.2013 | 22:45 Uhr

Der Zauber des Anfangs ist verflogen. Beim dritten Poetry Slam im erneut ausverkauften Plenarsaal des Oberlandesgerichts wirkte alles ein wenige routinierter als noch vor einem Jahr oder bei der Premiere 2011, als ein paar Schleswiger Schüler die Preise weitgehend unter sich ausmachten. Inzwischen reisen Slammer aus ganz Schleswig-Holstein an, wenn die Gesellschaft Justiz und Kultur einlädt. Einer nahm sich in Hamburg sogar ein Taxi, weil nach dem Orkan „Christian“ die Regionalbahn noch immer ausgefallen war.

Als erste von zehn Teilnehmern aber betrat eine alte Bekannte die Bühne: die 17-Jährige Anouk Stahnke. Die Domschülerin aus Fahrdorf hatte schon im vergangenen Jahr Platz zwei belegt. Dort landete sie diesmal wieder – mit einem frei vorgetragenen Sprechgesang über behütetes Erwachsenwerden mit Chips auf dem Couchtisch, wähend in den Fernsehnachrichten das unfassbare Leid in anderen Teilen der Welt läuft.

Übertroffen wurde Anouk nur von einem 21-jährigen angehenden Erzieher, der zuvor schon auf fast jeder anderen Poetry-Slam-Bühne im Lande gestanden und fünf von ihnen als Sieger verlassen hatte. Quinn Christiansen wohnt in Kiel. Mit etwas gutem Willen kann man ihn in Schleswig dennoch als Einheimischen durchgehen lassen. Er wuchs kurz hinter der Kreisgrenze in Fleckeby auf. Von dort aus fuhr er viele Jahre lang jeden Morgen nach Eckernförde in die Waldorfschule. Was er dort erlebte – und wie der Rest der Welt darauf reagierte – davon erzählte er im Stile eines Stand-up-Comedian: „Pflanzenkunde geht so: Rausgehen, Pflanze fragen, ob man sie abreißen darf, abreißen, reinbringen.“

Den acht Juroren, die Moderator Rasmus Blohm mehr oder weniger zufällig aus dem Publikum ausgewählt hatte, gefiel es. Vielleicht, weil sie ihre Vorurteile über Walldorfschulen bestätigt sahen. Vielleicht auch, weil Quinn Christiansen diese Vorurteile durch Übertreibung dekonstruierte. Das jedenfalls, sagte er, sei seine Absicht gewesen.

Dass Humor in Verbindung mit schauspielerischem Talent ein gutes Mittel ist, auf einem Poetry Slam einen Preis abzuräumen, das bewies auch die 15-jährige Domschülerin Laura Funke. „Mein Name ist Laura. Damit ist mein Leben eigentlich auch schon erzählt“, stellte sie sich dem Publikum vor und fragte: „Warum tut man seinem Kind sowas an als Eltern?“ Denn wo immer sie hinkommt, überall machen die Menschen ausgelutschte Witze über Laura aus „Lauras Stern“, der Kinderbuch- und Fernsehserie. Lauras Auftritt brachte ihr den dritten Platz ein. Aber was sagen eigentlich ihre Eltern dazu, die sich den Namen einst aussuchten? „Die kennen den Text noch gar nicht so richtig“, sagte Laura nach der Siegerehrung.

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