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Schleswiger Nachrichten

24. September 2017 | 03:26 Uhr

Nübel : „Heimatmuseen dürfen nicht sterben“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Den kleinen Sammlungen im Kreis fehlen die Nachfolger. Eine neu gegründete Projektgruppe will für den Erhalt der Einrichtungen sorgen.

shz.de von
erstellt am 24.Mai.2016 | 11:37 Uhr

Nübel | Berndt Lassen hat eine Leidenschaft für alte Steine. Schon auf seiner Hofauffahrt in Nübel ist das nicht zu übersehen. Es sind jedoch nicht irgendwelche Steine. Sie erzählen Geschichten aus vergangenen Zeiten, von ehemaligen Grenzen sowie längst verstorbenen Adeligen – und Berndt Lassen kennt sie alle. Gerne teilt er sein Wissen mit Besuchern. Der gelernte Landschaftsgärtner ist Besitzer von einem von rund 30 kleinen Museen im Kreis Schleswig-Flensburg.

Der 56-Jährige engagiert sich seit einiger Zeit in der Arbeitsgemeinschaft Volkskundliche Sammlungen, zu der sich die Dorfmuseen vor rund 40 Jahren zusammengeschlossen haben. Den Mitgliedern geht es um Erfahrungsaustausch und Zusammenarbeit. Sie treffen sich einmal im Monat und schauen sich eine Sammlung an. „Da wird kein Blatt vor dem Mund genommen und auch darüber gesprochen, wo der Schuh drückt“, sagt Lassen.

Den Museen gehe es zwar überwiegend gut, Lassen hat jedoch in den letzten Jahren einen Wandel festgestellt: „Wenn jemand nicht mehr kann, dann springt oft die Gemeinde ein, oder es gründet sich ein ehrenamtlicher Förderverein, der die Trägerschaft für das Museum übernimmt“, erzählt er.

Viele Gemeinden hätten den Wert der Einrichtungen inzwischen erkannt, findet auch Johannes Callsen, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft: „Die Gemeinden sind in der Pflicht, die gewachsenen Strukturen vor Ort zu erhalten“, sagt er. 13 der rund 30 Museen werden inzwischen unter dem Dach einer Gemeinde oder eines Vereins geführt. Elf sind in Privatbesitz. Die Anzahl der Besucher wird auf rund 25  000 im Jahr geschätzt.

„Die Zukunft macht uns trotzdem Sorgen“, sagt Lassen. Bei manchen Sammlungen sei schon in Sicht, dass der Inhaber bald aufhören muss, ohne dass es einen Nachfolger gibt. „Das Ausstellen der alten Sachen ist für viele von uns ein Hobby. Wer schöne Dinge hat, der möchte sie natürlich auch zeigen“, sagt Berndt Lassen. Da muss man erst einmal jemanden finden, der dasInteresse teilt.

„Der demografische Wandel macht vor den Museen nicht halt“, sagt Johannes Callsen. Dieser Meinung stimmt Berndt Lassen zu: Wo früher die Kinder die Aufgaben der Eltern übernommen haben, fehlten sie heute. Viele von ihnen blieben eben nicht im Dorf, sagt er.

Wenn ein Museumsbesitzer ohne Nachfolger stirbt, springt das Landschaftsmuseum in Unewatt als Auffangstation ein. Dort besteht die Möglichkeit, die Exponate unterzubringen, wenn ein Museum vor Ort nicht mehr erhalten werden kann. So wird es auch der Sammlung von Berndt Lassen ergehe, da ist er sich sicher: „Ich weiß jetzt schon, dass meine Ausstellung später in Unewatt landet.“

Die Magazierung der Dinge kann aber nicht Sinn der Sache sein, findet Johannes Callsen. Mit dem Verschwinden der Sammlungen würde jedem Ort ein Stück Identität und Geschichte verloren gehen. Die Museen dürften nicht sterben.

Diese Entwicklung macht nicht nur dem Landtagsabgeordneten, sondern auch allen anderen Mitgliedern der Arbeitsgemeinschaft große Sorgen. Daher hat sich vor Kurzem eine Projektgruppe im Rahmen der Aktivregion Schlei-Ostsee gegründet. Die Mitglieder arbeiten daran, die Zukunftsaussichten der Heimatmuseen im Kreis zu verbessern.

„Es gibt Überlegungen, wie man diese einmalige Struktur in Deutschland stärken und attraktiver machen kann“, sagt Callsen. Ein Konzept dafür ist zurzeit in Arbeit. Im Moment befindet sich die Gruppe aber noch in der Phase der Meinungsbildung. „Wir erhoffen uns neue Impulse durch diese Zusammenarbeit“, sagt Callsen. Den Vorsitz der Projektgruppe hat Professor Claus von Carnap-Bornheim, leitender Direktor der Landesmuseen übernommen.

„Der Wegfall der Volkskunde ist für die Region ein schwerer Verlust. Jetzt muss der Bestand gesichert werden. Wir wollen dafür Hilfestellung leisten“, erklärt Callsen die Ziele. Zudem sollen die Heimatmuseen besser vernetzt sowie stärker in den Tourismus eingebunden werden. „Jede Sammlung hat ihren ganz eigenen Charme. Den gilt es zu erhalten.“

Wenn Johannes Callsen in die Zukunft blickt, macht der ihm jetzt eingeschlagene Weg Hoffnung auf den Erhalt der Museen. „Wenn die Rahmenbedingungen stimmen, dann kann das kulturelle Erbe unserer Region bewahrt werden“, ist er sicher.

>Eine Liste aller Museen gibt es im Internet unter www.kiek-an.com

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