Kabarettist Abdelkarim in Schleswig : Heimatfreund Nr. 1

Der Saal sah dann doch ganz anders aus als erwartet: „,Heimat‘, ‚Freiheit‘… als ich das hörte, dachte ich schon, ich bin hier beim AfD-Parteitag gelandet“, begrüßte Abdelkarim sein Schleswiger Publikum.
Der Saal sah dann doch ganz anders aus als erwartet: „,Heimat‘, ‚Freiheit‘… als ich das hörte, dachte ich schon, ich bin hier beim AfD-Parteitag gelandet“, begrüßte Abdelkarim sein Schleswiger Publikum.

Der ZDF-Kabarettist Abdelkarim begeisterte auf der Freiheit sein Publikum – und war auch selbst begeistert.

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09. Dezember 2017, 07:32 Uhr

Die „Heimat“ auf der Freiheit war am Donnerstagabend wieder einmal erste Wahl für Comedy- und Kabarettbegeisterte. Abdelkarim (36), den meisten Besuchern vor allem aus den ZDF-Sendungen „heute show“ und „Die Anstalt“ bekannt, war mit seinem aktuellen Bühnenprogramm „Staatsfreund Nr. 1“ zu Gast. Der Kabarettist mit marokkanischen Wurzeln sorgte bei den Besuchern im Saal für hervorragende Stimmung. „,Heimat‘, ‚Freiheit‘…als ich das hörte, dachte ich schon, ich bin hier beim AfD-Parteitag gelandet“, begrüßte der Künstler aus Bielefeld die rund 200 Gäste. Auch der Autor dieses Artikels wurde während des Programmstarts unfreiwillig Teil des Auftritts: „Schleswiger Nachrichten? Das hast Du Dir doch gerade ausgedacht, oder?“, entgegnete der Comedian dem Fotografierenden auf die Antwort, für welche Zeitung er denn schreibe.

Das Publikum einzubeziehen, war den ganzen Abend über ein fester Bestandteil des Programms. Doch auch die umliegenden Ortschaften bezog Abdelkarim immer mal wieder mit ein. So wurde zum Beispiel aus der von ihm mit dem Zug durchquerten Ortschaft Owschlag „Anschlag“ („Ihr Norddeutschen habt auf jeden Fall Humor“). Der Comedian beschäftigte sich vorwiegend jedoch mit seinem Leben als Marokkaner und Muslim in Deutschland. Humoristisch beschrieb er dabei seine Kindheit in der „Bielefelder Bronx“, seine Beobachtungen der heutigen Jugendkultur und das große Thema der letzten Jahre: Migration, Flüchtlinge und Islam. Dabei wechselte er immer wieder zwischen leichten, witzigen Geschichten und bitterbösem Kabarett. Aus zunächst harmlosen Alltagssituationen – wie beispielsweise dem Mieten eines Fahrzeugs für den Wohnungsumzug – wurden immer wieder unerwartete Bezüge zu Ereignissen wie der Silvesternacht in Köln oder dem Anschlag am Breitscheidplatz hergestellt: „Es ist derzeit sehr schwer, als Muslim einen Lkw zu mieten.“

Auch solche „bösen“ Wendungen wurden von ihm stets humorvoll eingebettet. Durch seinen Auftritt allgemein, aber auch durch explizite Worte am Ende der Veranstaltung warb Abdelkarim für mehr Humor, Selbstironie und Neugier im Umgang mit schwierigen Themen wie zum Beispiel Migration. Das Publikum war sichtlich angetan von diesem Mix: So gab es sowohl großes Gelächter bei lustigen Geschichten als auch anerkennenden Applaus bei ernsteren Themen. Für Karen (47) und Thorsten Hoffmann (51) aus Schleswig war bereits vor dem Auftritt die Erwartung groß. „Es war nicht nur Lustiges dabei, aber es ist gut, dass auch solche Themen von jemandem angesprochen werden“, bewerteten sie am Ende das Programm.

Carsten Richter (43) und Julia Weidemann (33) waren aus Flensburg angereist, um Abdelkarim zu sehen. „Wir waren schon einmal vor zwei Jahren in seinem alten Programm und wollten uns das hier auf keinen Fall entgehen lassen“, erzählten sie nach dem Auftritt. „Und es war wieder mal grandios! Zwar gab es einige Punkte, wo man auch zwei oder dreimal nachdenkt und auch nachdenken sollte“, sagte Richter, „aber genau das ist das Einzigartige an seinen Auftritten“.

Auch für Abdelkarim selbst war es ein gelungener Abend. „Schleswig ist mittlerweile ein richtiger Name in der Comedy-Szene und das merkt man auch daran, wie das Publikum mitmacht“, beurteilte er den Abend. Im Norden bereite es ihm deshalb immer wieder großen Spaß aufzutreten; ein Kompliment, welches das „Heimat“-Publikum offensichtlich gerne erwidert.

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