Schleswig : Hausverbot für Blindenhund

Abgewiesen: Gabriele und Johannes Unrau mit Führhund „Shadow“ vor dem Restaurant „Riva“ an der Schleipromenade.
Abgewiesen: Gabriele und Johannes Unrau mit Führhund „Shadow“ vor dem Restaurant „Riva“ an der Schleipromenade.

Gabriele und Johannes Unrau sind empört: „Riva“-Chef lässt ihren „Shadow“ nicht in sein Restaurant.

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20. Juni 2015, 08:40 Uhr

Der Tisch war vorbestellt, die Freude auf ein leckeres Essen groß – doch dann folgte die Ernüchterung. Als Gabriele und Johannes Unrau neulich mit ihrem Blindenführhund „Shadow“ sowie zwei Freunden das „Riva“ in Schleswig betraten, wurden sie vom Restaurant-Chef barsch zurückgewiesen. „Er sagte uns, seine Gäste hätten Angst vor großen Hunden. Er lasse nur noch maximal kniehohe Hunde ins Lokal“, berichtet Gabriele Unrau im Gespräch mit den SN. Daraufhin habe sie ihm versucht klarzumachen, dass sie auf den Führhund angewiesen sei und ihm den entsprechenden Ausweis gezeigt. Ohne Erfolg. „Er ist richtig laut geworden. Ich fand das echt unverschämt“, echauffiert sich die bald 51-Jährige.

Gabriele Unrau ist seit Geburt auf einem Auge blind. Das andere Auge verfügt nur über eine minimale Sehkraft. Ihr Mann Johannes (53) ist seit zehn Jahren voll erblindet – ein Unfall. Beim Überqueren einer Straße war er von einem Lkw erfasst worden. „Es war der 8. September 1995, Viertel vor zwölf“, erinnert der gelernte Baggerfahrer an den Zeitpunkt, der sein Leben von der einen auf die andere Sekunde radikal veränderte. Nach dem schweren Unfall lag er 18 Monate lang im Krankenhaus. „Die wollten mir erst sogar die Beine abnehmen.“ In der Blindenschule fand der der Schleswiger später neue Lebenskraft – und lernte seine Frau kennen.

Gabriele Unrau ist froh, sich mit „Shadow“, einem fünf Jahre alten Flat-Coated Retriever, gefahrlos durch die Stadt bewegen zu können. „Ich falle weniger mit Hund“, sagt sie. Für ihren Mann allerdings kommt wegen seiner Gehbehinderung ein Blindenhund nicht in Frage. Doch der pflichtbewusste „Shadow“ führt letztlich beide, wenn Johannes Unrau beim Spaziergang seine Hand auf die Schulter seiner Frau legt.

Das Ehepaar aus dem Friedrichsberg will so weit wie möglich am normalen Leben teilhaben. Kochen, bügeln, nähen oder auch verreisen – „warum soll man das alles nicht können, nur weil man sehbehindert ist?“ Ihr Mann, sagt Gabriele Unrau stolz, baue zu Hause sogar Schränke alleine auf. Und zur Teilhabe gehörten für sie eben auch Restaurantbesuche.

Rifat Feiler, Inhaber des „Riva“, will von Diskriminierung allerdings nichts wissen. Mit der Beschwerde der Unraus konfrontiert, zeigt er sich auf SN-Nachfrage unnachgiebig. „Keiner kann mich zwingen, dass ich diesen Hund reinlasse. Ich muss auf die Hygiene in meinem Restaurant achten“, sagt er. „Ich habe der Frau mit diesem Hund Hausverbot erteilt. Das weiß sie ganz genau.“ Feiler beruft sich auf einen etwa zwei Jahre zurückliegenden Vorfall. „Dieser Hund hat im Restaurant gespuckt. Der Geruch war so unangenehm.“ Und überhaupt: Die blinden Gäste seien mit Freunden gekommen, die ihnen hätten helfen können. „Es ist nicht lebensnotwendig, dass dieser Hund mit reinkommt“, betont Feiler.

Aus Sicht der Unraus stellt sich der unappetitliche Vorfall ganz anders da. Tatsächlich habe der Hund von Freunden damals zu viel getrunken und sich erbrochen. „Das war nur Wasser, und wir haben es selber wieder weggewischt. Von den anderen Gäste hat das kaum jemand mitbekommen“, erinnert sich Gabriele Unrau. Vor allem aber sei es nicht „Shadow“ gewesen. „Er kann mir doch nicht ankreiden, was andere Hunde machen“, kritisiert sie den „Riva“-Chef. Auch sei „Shadow“ alles andere als aggressiv, auch anderen Hunden gegenüber nicht. „Führhunde werden so erzogen“, sagt die derzeit arbeitslose Telekommunikations-Operatorin.

„Shadow“ beim nächsten Mal vielleicht vor der Tür zu lassen, kommt für Gabriele Unrau nicht in Frage. „Ich werde einen Teufel tun und einen 30  000-Euro-Hund draußen anbinden.“ Stattdessen würden sie nur noch Lokale aufsuchen, in denen ihr Führhund willkommen sei. Johannes Unrau sagt: „Dabei ist das ‚Riva‘ eigentlich ein schönes Restaurant mit einer guten Küche. Wir sind da immer gerne hingegangen.“

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