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Schleswiger Nachrichten

17. Oktober 2017 | 10:05 Uhr

Treia : Hassan hält die Tennisspieler auf Trab

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Der Marokkaner Hassan Azazoul ist zum ersten Mal in Deutschland und trainiert Kinder und Erwachsene des TSV Treia. Dem Afrikaner fehlt aufgrund eines Arbeitsunfalls die rechte Hand – deshalb spielt er mit der linken.

Als einen ganz besonderen Tennis-Sommer betrachten die Mitglieder der Tennissparte des TSV Treia ihre aktuelle Spielsaison schon jetzt. Denn als Gasttrainer konnten sie Hassan Azazoul aus Marokko begrüßen – er ist der Grund, warum sich viele der Sportler wohl noch lange an das Jahr 2014 zurückerinnern werden.

„Wer möchte in den Ferien sein Spiel verbessern und sich neue Impulse holen?“ – diesem Aufruf des Vorstands der Tennissparte waren viele Kinder, Jugendliche und Erwachsene aus dem Verein gefolgt, denn sie wollten wissen, wie ein Training mit dem afrikanischen Tennistrainer aussieht, der nun zum ersten Mal zu Besuch in Deutschland ist. Schnell zeigte sich: Mit großem Einsatz und Können weiß Hassan Azazoul zu überzeugen.

Den Kontakt hergestellt hatten Marianne und Gerhard Langer, die seit 15 Jahren regelmäßig nach Marokko reisen und seit langem ein freundschaftliches Verhältnis zu Hassan und seiner Familie pflegen. Angefangen hatte alles vor 14 Jahren mit einer Trainerstunde in einem Hotel in Agadir. Dort hatten die drei sich kennen und schätzen gelernt – und dort hörten die Langers auch die ungewöhnliche Geschichte des jungen Mannes. Bereits im Alter von 16 Jahren fiel er im „Royal Tennisclub“ in Agadir durch sein Talent auf. Er nahm an zahlreichen Turnieren, ob in Rabat oder Casablanca, teil, während er nebenbei den Beruf des Zimmermanns erlernte. Doch dann machte ein schwerer Arbeitsunfall den Traum einer Profikarriere zunichte.„Hassan verlor seine rechte Hand, nur das Handgelenk konnte erhalten werden“, berichtete Marianne Langer.

Auch Hassan Azazoul kann sich noch allzu gut an das Unglück und das Leben danach erinnern: „Für mich und meine Familie begann eine lange Leidenszeit, denn in Marokko gibt es kein Sozialsystem, das einen im Notfall auffängt“, sagt er. Mit großer Willenskraft jedoch erlernte er das Tennisspielen neu – und zwar mit links. Ein befreundeter Hotelchef ermöglichte es ihm sogar, als Trainer für ambitionierte Hotelgäste zu arbeiten. So konnte er sich eine neue Existenz aufbauen.

Die Langers sind beeindruckt von der Gastfreundschaft, die sie in Marokko erfahren. „Immer wird die ganze Familie zusammengerufen und wir sitzen dann bei einem köstlichen Tajine-Essen lange zusammen am Tisch“, berichtet Marianne Langer. Währenddessen entstand auch der Plan, Hassan Azazoul nach Deutschland einzuladen. „Nach mehreren vergeblichen Versuchen, ein Visum zu bekommen, hat es in diesem Jahr dann tatsächlich geklappt“, sagt ihr Mann.

Hassan Azazoul ist insgesamt vier Wochen Gast der Familie. Und währenddessen nutzen sämtliche Generationen die Gelegenheit, ob einzeln oder in kleinen Gruppen, ein Training mit Hassan, wie ihn alle einfach nennen, mitzuerleben. Die Technik und die Leichtigkeit des Spiels stehen für ihn im Vordergrund, wenn er anderen das Tennisspielen beibringt. Wichtig sind ihm aber auch die Gespräche, die auf und neben dem Platz geführt werden – und die führt er auf Deutsch, will seine guten Sprachkenntnisse in dieser Zeit noch etwas verbessern.

Natürlich unternimmt er mit seinen Gastgebern auch Ausflüge ins Umland und besuchte schon Hamburg, St. Peter-Ording oder Dänemark. „Ich staune immer wieder über so viel grüne Natur, und über so viel Regen“, sagt er. Doch auch über Politik, Gesellschaft und die Unterschiede der Kulturen findet ein reger Austausch statt. „Die Diskussionen werden auch mal kontrovers geführt, etwa wenn es um die Selbstbestimmung der Frauen in arabischen Ländern geht“, so Marianne Langer. Die Wogen würden sich aber immer schnell wieder glätten, wenn man bei einem „Lamm-Tajine“ gemütlich am Tisch sitze. Hassan kann übrigens nicht nur mit der gelben Filzkugel bestens umgehen – auch beim wöchentlichen Fußballspiel auf dem Sportplatz überzeugt der Marokkaner. Er versichert: „Das ist für mich die größte Entspannung nach einem langen Trainingstag.“

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