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Schleswiger Nachrichten

22. September 2017 | 15:43 Uhr

Schleswig : Hass auf Ausländer war das Motiv

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Nach Brandanschlag auf Flüchtlingsfamilie im Friedrichsberg: Polizei fasst drei Männer im Alter von 18 bis 24 Jahren.

von
erstellt am 14.Mai.2016 | 07:15 Uhr

Hinweise aus der Bevölkerung führten die Ermittler zum Erfolg: Mehr als zwei Monate nach dem Brandanschlag auf ein von syrischen Flüchtlingen bewohntes Haus im Friedrichsberg hat die Polizei die Täter jetzt gefasst. Wie Polizeisprecher Matthias Glamann gestern mitteilte, schlugen Beamte des Spezialeinsatzkommandos (SEK) am Dienstagmorgen zeitgleich in Wohnungen im Friedrichsberg sowie im Schleswiger Umland zu und nahmen zwei 19 und 24 Jahre alte Männer fest. „In der Vernehmung waren beide geständig“, so Glamann. Zudem konnte ein 18-Jähriger Schleswiger als weiterer Tatverdächtiger identifiziert werden. Einer der Männer habe angegeben, aus Hass auf Ausländer gehandelt zu haben. Die beiden anderen hätten sich nicht zum Motiv geäußert.

Die jungen Männer hatten am späten Abend des 3. März eine brennbare Flüssigkeit gegen das Wohnzimmerfenster im Erdgeschoss eines Mehrfamilienhauses in der Bahnhofstraße gespritzt und angezündet. Ziel des Angriff war eine neunköpfige syrische Flüchtlingsfamilie. Der Vater der Familie konnte das Feuer mit einer Decke löschen. Die Syrer leben seit Ende November in Schleswig.

Der Anschlag hatte Bestürzung in der Bevölkerung ausgelöst. Umso erleichterter zeigte sich Bürgermeister Arthur Christiansen, als er gestern vom Fahndungserfolg der Polizei erfuhr. „Mir ist es unverständlich, dass es Menschen gibt, die aus dem angegebenen Motiv heraus Straftaten begehen und Leib und Leben von Mitmenschen gefährden“, sagte er gegenüber den SN. „Der Polizei gehören mein Dank, meine Anerkennung und mein Respekt, dass sie am Ball geblieben sind und den Fall erfolgreich abgeschlossen haben.“

Beamte des Staatsschutzes der Bezirkskriminalinspektion Flensburg hatten gemeinsam mit Kollegen der Schleswiger Kripo in dem Fall ermittelt und auch ein Phantombild von einem der Täter veröffentlicht. Etwa 50 Zeugenhinweise wurden ausgewertet. Offenbar brachten Tipps aus dem engeren Umfeld der Täter die Polizei auf die richtige Spur. Mathias Engelmann, Leiter der Bezirkskriminalinspektion, sagte: „Diesen jungen Menschen gebührt Respekt dafür, dass sie ihr Wissen der Polizei offenbart haben.“

Nach Angaben von Sprecher Glamann war einer der Täter der Polizei wegen kleinerer Delikte bereits bekannt. Unklar sei, ob sich die jungen Männer der Dimension ihrer Tat bewusst gewesen sind. Alle drei hätten zudem gestanden, in der Zeit vor dem Anschlag in unterschiedlicher Form für weitere Übergriffe gegen die syrische Familie verantwortlich gewesen zu sein. In einem Fall hatten sie einen Böller durch ein Fenster geworfen, der in der Wohnung explodierte. Ein anderes Mal hatten sie lautstark gegen eine Scheibe geklopft.

Die drei jungen Männer wurden nach Vernehmung und erkennungsdienstlicher Behandlung wieder auf freien Fuß gesetzt. Da keine Fluchtgefahr bestehe und keiner der drei einschlägig vorbestraft sei, lagen für die Staatsanwaltschaft keine Gründe für eine Untersuchungshaft vor.

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