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Streunende Katzen : Hasenhabys sind leichte Beute

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Jäger klagen über streunende Katzen, denen bereits zehn Tierkinder zum Opfer gefallen sind. Sieben Langohren konnten bisher gerettet werden

shz.de von
erstellt am 07.Apr.2016 | 07:32 Uhr

Wenn sie Glück im Unglück haben kommen sie mit ihrem Leben davon – wenn auch arg ramponiert mit blutigem Näschen oder Kratzwunden. Doch im schlimmsten Fall überlebt der Nachwuchs von Feldhasen oder Wildkaninchen die Begegnung mit Hauskatzen, die jetzt während der Brut- und Setzzeit durch Feld und Mark streunen, nicht. Verspeist werden sie zwar selten, vielmehr lassen die meist gut genährten Stubentiger ihrem Spieltrieb freien Lauf.

Die Katzen spielten mit den Häschen, bis diese nicht mehr könnten, weiß Ruth Muschalla. Anschließend tragen sie ihre „Beute“ zu ihren Besitzern nach Hause. Die 82-Jährige betreibt gemeinsam mit ihrer Familie seit 1964 eine Wildtierauffangstation im Handewitter Ortsteil Hüllerup. Dort päppeln sie jedes Jahr junge, kranke oder verletzte Wildtiere auf, die – wann immer möglich –, wieder in die Freiheit entlassen werden.

Auch junge Hasen und Kaninchen, die von Katzenbesitzern aufgelesen werden, kommen dann in die Auffangstation. Derzeit befinden sich vier Wildkaninchen und sieben Hasen, davon zwei noch ganz kleine, in Ruth Muschallas Obhut. „Drei oder vier Tage alt waren sie, als sie zu uns kamen“, erinnert sich die Tierpflegerin, die eng mit Tierärzten und Wildparks zusammenarbeitet. In dem Alter sind die Hasen noch so klein, dass sie in eine offene Hand passen – und damit leichte Beute für Katzen.

Die arbeitsaufwendige Aufzucht erfordert viel Geduld, Sorgfalt und Zeit. „Die Junghasen werden alle zwei bis drei Stunden mit der Flasche gefüttert“, erklärt Rolf Grothkopf, Obmann für Öffentlichkeitsarbeit bei der Kreisjägerschaft Flensburg, die dies Phänomen ebenfalls beklagt. In demselben Rhythmus würden sie auch in der freien Natur von ihrer Mutter gesäugt, fährt er fort. Muttermilch hat Ruth Muschalla nicht im Angebot, stattdessen mischt sie Katzenmilch mit abgekochtem Wasser. Damit füttert sie den Hasennachwuchs dann mithilfe einer Babyflasche. Das funktioniere gut, erzählt sie. Später, wenn die Tiere etwas größer sind, gibt es Grünfutter.

Das Ehepaar Muschalla „bemüht sich nach Kräften“, freut sich Rolf Grothkopf über das große Engagement, das hauptsächlich durch Spenden finanziert wird. Und Ruth Muschalla betont: „Das ist meine Aufgabe seit 1964. Ich hab’ Spaß daran.“ Besonders dann, wenn all ihre Mühe belohnt wird und die aufgepäppelten Tiere wieder gesund ausgewildert werden können. Schwieriger sei es, wenn man nicht mehr helfen könne.

Denn bereits für zehn Hasenbabys kam in diesem Jahr jede Hilfe zu spät. Die Katzen hatten ihnen so zugesetzt, dass „ihre Lunge kaputt war“, berichtet die 82-Jährige. Untrügliches Zeichen seien nicht nur eine blutige Nase, sondern auch ein Knacken im kleinen Hasenkörper. „Das zu hören, macht mich ganz fertig. Traurig ist das“, sagt sie. In solchen Momenten sei ihr zum Heulen zumute.

Wie man verhindern könne, dass streunende Katzen junge Hasen, Kaninchen und Vögel jagen, weiß sie nicht. „Heute haben fast alle eine Katze“, sagt sie resignierend. Die Lösung von Rolf Grothkopf wäre ziemlich radikal: Ihm wäre am liebsten, Katzenbesitzer würden ihre Stubentiger im Frühjahr ganz im Haus lassen, um so Bodenbrüter wie Vogelbrut gleichermaßen zu schützen. Deren Aufzucht ziehe sich „weit in den Juni hinein“, meint er. Eine weitere Handhabe sieht er nicht. „Die Zeit, in der auf Katzen geschossen wurde, ist gewesen. Davon nehmen wir Abstand“, betont er. Schließlich wisse man, dass viele Menschen – gerade Kinder – sehr an den Tieren hängen.

Trotz der jagenden Katzen sei der Hasenbestand im Gebiet der Kreisjägerschaft „ganz gut“, urteilt der Jäger. Zweimal jährlich würde eine Zählung vorgenommen, und der Bestand sei über die letzten Jahre konstant geblieben. Zudem stünden die Langohren derzeit nicht auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten.


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