Hartes Training für das "Cyrano"-Schlachtgetümmel

Christian Köllmann (links) probt hier den Ernstfall mit Atef Vogel. Foto: Kahl (2)
Christian Köllmann (links) probt hier den Ernstfall mit Atef Vogel. Foto: Kahl (2)

Kampfchoreograf und Schauspieler Atef Vogel trainiert Amateure für den "Ernstfall" Sommerfestspiele

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21. Mai 2011, 07:08 Uhr

Schleswig | Atef Vogel wirkt sofort sympathisch. Er schüttelt zur Begrüßung freundlich die Hand, um seine grün blitzenden Augen bilden sich nette Lachfältchen und ein Teil seiner braunen Haare steht lustig vom Kopf ab. Aber er ist nicht zum Spaß ins Theater geradelt: Auf der großen Bühne warten drei Schüler darauf, vom Kampfchoreografen für die Inszenierung von "Cyrano von Bergerac" in die Kunst des Stockkampfes eingewiesen zu werden - und so geschickt wie Vogel ist darin in Schleswig-Holstein kaum jemand. Denn der heute 34-Jährige war schon als Jugendlicher Deutscher Judo-Meister und erlernte über die Jahre viele weitere Kampfkünste. Darunter die Verteidigungstechnik Aikido, der Schwertkampf Kendo und der Lanzenkampf Naginatajitsu. Was treibt Vogel an? "Ich finde es faszinierend, die Ausübung all dieser Künste zu vervollkommnen."

Als Trainer im Unterricht ist das 1,76 Meter große Kraftpaket hoch konzentriert. Die Waffe ist eine rund zwei Meter lange, ein Kilo schwere Alu-Stange. Vogel führt sie mit muskulösen Armen und fließenden Bewegungen kontrolliert um den eigenen Körper. In der Partnerübung mit Christian Köllmann kommen seine Schläge dann schnell, kraftvoll und millimetergenau - erst aus dem Stand, dann aus einer tiefen Hocke und dann sogar aus dem Sprung. Köllmann bewegt sich abwehrend zurück. Vogel kommt mit energischen Schritten und ermahnt seinen Schüler freundlich, aber ernst: "Achte auf den Abstand, immer genau eine Waffenlänge." Eine wichtige Korrektur, denn die Kampfszenen im "Cyrano" - neben "Hamlet" und "Romeo und Julia" eines von nur drei großen Dramen mit bedeutenden Kampfszenen - sollen möglichst echt und packend wirken. "Wir wollen dem Thema Krieg gerecht werden und deswegen brutal aussehen und dynamisch und realistisch kämpfen", erklärt Vogel. Und: "Wir kämpfen auf der Bühne auch deswegen mit Metallstangen, weil der laute Klang ihres Aneinander-Knallens das Kampfgefühl bis in die letzte Reihe transportieren wird." Mit rund 30 Darstellern choreografiert Vogel die Schlachten, die auf der Bühne toben werden, während Cyrano feststellen muss, zu hässlich zu sein, um die geliebte Roxane für sich gewinnen zu können.

Vogel, der auch den Cyrano intensiv auf seine Kampfszenen vorbereitet, ist ebenfalls als Schauspieler an dem Stück beteiligt. Als Christian entwickelt er schnell einen sehr guten Draht zu Roxane, muss als Verführer aber unreif, unpoetisch und uncharmant wirken. Eine schauspielerische Aufgabe, der Vogel gewachsen sein wird, denn zahlreiche Engagements an renommierten Schauspielhäusern, Filmaufnahmen und eine Dozenten-Tätigkeit in Bewegungskunde haben den gebürtigen Hannoveraner und Wahl-Bochumer zu einem Vollprofi gemacht.

Seine Erfahrungen und sein Wissen gibt er im Training gerne auch an die jugendlichen Amateure weiter: "Es ist einfach immer schön, mit jungen Leuten zusammenzuarbeiten."

Irgendwie ist er also doch zum Spaß ins Theater gekommen.

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