zur Navigation springen

Varieté „Heimat“ in Gefahr : Harte Bandagen auf der Schleswiger Freiheit

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Team Vivendi stellt den Fortbestand des Varietés „Heimat“ auf der Freiheit in Frage – falls Binnenhafen und Seniorenanlage nicht zügig genehmigt werden.

shz.de von
erstellt am 26.Jun.2015 | 12:15 Uhr

Jürgen von der Lippe, Fips Asmussen und Mary Roos sind hier vor Hunderten von Fans aufgetreten. Im Herbst kommen unter anderem der TV-Moderator Götz Alsmann mit seiner Band und der Bestseller-Autor Jan Weiler. Die „Heimat“ auf der Freiheit ist innerhalb von wenigen Jahren zur Top-Adresse für massentaugliche Kulturveranstaltungen in Schleswig geworden.

Doch damit könnte bald Schluss sein. Der Gebäude-Eigentümer Team Vivendi – die Entwicklungsgesellschaft, die das ehemalige Kasernengelände vermarktet – stellt den Fortbestand in Frage. Das haben Geschäftsführer Volker Schlüschen und der neue Generalbevollmächtigte Thorsten Rupp in einem vierseitigen offenen Brief mitgeteilt. Darin beklagen sie sich über mangelnde Unterstützung seitens der Stadt Schleswig und verknüpfen die Zukunft der „Heimat“ mit der Genehmigung des geplanten Binnenhafens und der Seniorenwohnanlage auf der Freiheit und bringen die „Heimat“ außerdem als neue Spielstätte für das Landestheater ins Spiel. Adressiert ist der Brief an Bürgermeister Arthur Christiansen, Bürgervorsteher Eckhard Haeger, die Mitglieder der Ratsversammlung, Landestheater-Intendant Peter Grisebach und die „Bürgerinnen und Bürger der Stadt Schleswig“.

Die Team-Vivendi-Verantwortlichen äußern ihre „große Sorge um das kulturelle Profil der Stadt Schleswig“, begrüßen das Votum des Hauptausschusses für einen Verbleib der Stadt in der Landestheater GmbH, kritisieren aber die Entscheidung, den Mietvertrag für die derzeitige Spielstätte im Slesvighus der dänischen Minderheit zu verlängern: „Wir schließen nicht aus, dass die Mietzahlungen der Stadt [...] noch oberhalb der jetzt bekannt gewordenen 175  000 Euro pro Jahr liegen werden.“

Stattdessen schlagen Schlüschen und Rupp vor, das Theater im Gebäude der „Heimat“ unterzubringen, das sie als viel besser geeignet bezeichnen. Wenn das Landestheater seinen Sitz in der „Heimat“ nähme, könnte „auch die existenzielle Gefährdung des beliebten Varietétheaters abgewendet werden“.

Schlüschen und Rupp stellen die „Heimat“ auch noch aus einem anderen Grund zur Disposition: Die Ratsversammlung hat bisher den Bebauungsplan für zwei Großprojekte auf der Freiheit nicht beschlossen, und zwar unter anderem deshalb, weil der dänische Schulverein als Träger der benachbarten A.P.-Møller-Schule Bedenken geäußert hatte. Die Vertreter der dänischen Minderheit möchten verhindern, dass aus Gründen des Lärmschutzes für das Seniorenheim die Zahl der Abendveranstaltungen an der Schule stark begrenzt wird. Außerdem wollen sie gutachterlich geklärt wissen, ob der Bodenaushub für den Hafen die Standsicherheit ihres Schulgebäudes gefährdet.

„Ohne ein Aufheben dieser kleinkarierten Blockade-Politik, die insbesondere von dänischer Seite vorgetragen wird, kann Team Vivendi die ,Heimat‘ nicht länger finanziell unterstützen“, schreiben Schlüschen und Rupp. Team Vivendi stellt das frühere Unteroffiziersheim dem „Heimat“-Betreiber Mario Hoff bisher kostenlos zur Verfügung und hat nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr 60  000 Euro Energiekosten übernommen. Die Team-Vivendi-Vertreter lassen keinen Zweifel daran, dass es ihnen ernst ist, das Haus gegebenenfalls zu schließen. Sie verweisen darauf, dass Mario Hoff sein Programm für das kommende Jahr wegen der unsicheren Situation bereits deutlich reduziert habe. Hoff selbst wollte den offenen Brief nicht kommentieren.

Bürgermeister Arthur Christiansen und Bürgervorsteher Eckhard Haeger antworteten gestern Abend ihrerseits mit einem offenen Brief, in dem sie Unterstützung für die „Heimat“ anboten, jedoch den Vorschlag, das Landestheater dorthin zu verlegen, zurückwiesen. Sie bemerkten zudem, es erscheine „dringend angeraten, Ihrerseits darüber nachzudenken, wie die finanzielle Leistungsfähigkeit von Team Vivendi anders nachhaltig sichergestellt werden kann“.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen