Elisabethheim Havetoft : Happy End für Flüchtling Ali

Ali Amini in seinem Zimmer im Elisabethheim in Havetoft. Lange hatte er Angst, jetzt freut er sich auf seinen Umzug nach Flensburg.
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Ali Amini in seinem Zimmer im Elisabethheim in Havetoft. Lange hatte er Angst, jetzt freut er sich auf seinen Umzug nach Flensburg.

Das Flensburger Ausländeramt lehnte 18-Jährigen trotz vorbildlicher Integration ab. Jetzt aber darf er doch eine Ausbildung beginnen .

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04. Juli 2015, 12:15 Uhr

Ali Amini kam allein nach Deutschland, vor zweieinhalb Jahren nach langer Flucht im Alter von 16 Jahren. Schon als Kind musste er als Angehöriger der Hazara-Minderheit vor Terror und Diskriminierung aus Afghanistan nach Pakistan fliehen. Dort sind seine Mutter und seine Geschwister noch immer. Ali aber ist jetzt in Havetoft, im Elisabethheim, wo allein im vergangenen Jahr 213 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge strandeten, weil ihre Schleusung nach Skandinavien nicht gelang.

Dort wartet Ali seit seiner Ankunft darauf, in seinem Asylverfahren vom Flüchtlingsamt angehört zu werden. Eine lange Zeit quälender Ungewissheit, in der Zukunftsängste wachsen. Eine Zeit aber auch, die Ali genutzt hat. Er erlernte in kürzester Zeit die deutsche Sprache, legte am Donnerstag seinen Hauptschulabschluss (Note: 1,6) an der Eckener-Schule in Flensburg ab und hat bereits eine Ausbildungsstelle sicher. Für Elisabethheim-Leiter Christian Oehler ist der junge Mann aus Ghazni in Zentralafghanistan ein Musterbeispiel an Integration. Bis Donnerstagabend allerdings befürchtete er, dass alle bisherigen Erfolge des Jungen durch behördliches Handeln zunichte gemacht würden.

An diesem Abend aber klingelte im Elisabethheim das Telefon. Das Landesamt für Ausländerangelegenheiten in Neumünster teilte mit, Ali würde nach Flensburg zugewiesen, die schriftliche Bestätigung würde folgen. Endlich Klarheit für den Jungen, der in Tränen ausbrach. Denn bis zu diesem Zeitpunkt dachte er, er würde vom zuständigen Ausländeramt Flensburg in die Erstaufnahmeeinrichtung nach Neumünster zurückgeschickt. Eine begründete Angst, denn Ali ist kürzlich 18 Jahre alt geworden. Und weil er nach zweieinhalb Jahren noch immer keine Anhörung im Asylverfahren hatte, ist die rechtliche Lage für die Stadt Flensburg klar: keine Jugendhilfe mehr, zuständig für die Verteilung erwachsener Flüchtlinge ist Neumünster, und Flensburg hat seine Flüchtlingsquote bereits erfüllt. Basta. Ali hätte seinen Ausbildungsplatz und seine sozialen Kontakten verloren. Vollkommen unnötig, kritisierte Oehler am Donnerstag und verweist darauf, dass der Kreis in solchen Fällen die Flüchtlinge weiter betreue, um ihre Integration zu fördern.

Die Ausländerbehörde in Flensburg jedoch zunächst hart. Ali wurde aufgefordert, sich am 30. Juni beim Flüchtlingsamt in Neumünster zu melden – ausgerechnet am Tag seiner letzten mündlichen Prüfung. Das sei eben Pech, hieß es von der Ausländerbehörde auf den Hinweis, dann wäre der Schulabschluss in Gefahr. Das Jugendamt der Stadt wurde eingeschaltet und intervenierte. Die Jugendhilfe für Ali wurde um einen Monat verlängert, so war wenigstens der Schulabschluss gesichert. Die Angst, Freunde und Ausbildung zu verlieren, aber bliebt. Bis Donnerstagabend.

In der Zwischenzeit hatte es im Elisabethheim in Havetoft und im Haus Norderhofenden, einer Jugendhilfeeinrichtung in Flensburg politischen Besuch gegeben. Eka von Kalben, Fraktionschefin und flüchtlingspolitische Sprecherin der Grünen im Landtag, wollte sich eingehend über unbegleitete minderjährige Flüchtlinge informieren und traf dabei in Havetoft unter anderen auf Ali.

Dessen Situation hatte Oehler ihr zuvor erläutert, als „haarsträubend“ bezeichnete und hinzufügte, derzeit gebe es im Elisabethheim drei ähnlich gelagerte Fälle. Anschließend saß die Politikerin mit Ali und einigen weiteren Jugendlichen unter anderem aus Somalia und Eritrea zusammen, hörte von Hoffnung, traumatischen Fluchterlebnissen, der großen Akzeptanz in der Bevölkerung und eben der Unsicherheit, wie es weitergehen wird in ihrem Leben. Sie alle haben sich entschieden, hier bleiben zu wollen. „Und wir brauchen diese jungen Menschen“, betonten von Kalben. Der Integrationserfolg sei wichtiger als die Frage, ob ein Jugendlicher 17, 18 oder 19 Jahre alt sei, sagte sie und versprach, sich der Sache anzunehmen. Ihre Gespräche setzte die Politikerin in Flensburg fort, dort mit am Tisch: das Jugendamt der Stadt.

Nur wenige Stunden später kam der erlösende Anruf aus Neumünster. Zufall oder politischer Druck? Ali ist es egal. Er freut sich auf seinen Umzug nach Flensburg und darauf, bald seine Ausbildung zum Elektriker zu beginnen.  

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