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Verletzter Landwirt : Handy-Notruf landet in Dänemark

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Kein Einzelfall: Wer im deutsch-dänischen Grenzgebiet Hilfe rufen will, gerät häufig an die Leitstelle im Nachbarland. In Weesby (Kreis Schleswig-Flensburg) ging die Sache gerade noch glimpflich aus.

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erstellt am 14.Aug.2014 | 17:20 Uhr

Weesby | Für Touristen mag es ein nordisches Kuriosum sein, dass sie noch weit von der dänischen Grenze entfernt auf ihrem Handy durch eine SMS von dänischen Mobilfunkanbietern begrüßt werden. Die starke Reichweite der dänischen Funknetze in Richtung Süden aber beschert unbedachten Telefonierern nicht nur ärgerliche Zusatzkosten, sie kann auch zu gefährlichen, wenn nicht gar lebensbedrohlichen Verzögerungen im Rettungsdienst führen.

Es ist kein Einzelfall: Vor wenigen Tagen verletzte sich ein Bauer in Weesby (Kreis Schleswig-Flensburg) bei nächtlichen Arbeiten auf dem Feld schwer. Ehefrau Andrea Lorenzen versuchte, sofort Hilfe für ihren Mann herbeizurufen und wählte auf ihrem Handy die Notrufnummer 112. Was sonst schnelle Hilfe garantiert, klappte hier nicht: Sie landete bei einer dänischen Leitstelle. Eine Verständigung war wegen der schlechten Verbindung nicht möglich. So musste sie den zeitraubenden Weg zum nächsten Haus auf sich nehmen, um es noch einmal vom Festnetz zu probieren. Diesmal landete sie in der Leitstelle in Harrislee – die Sache ging glimpflich aus.

Als Mitte Juli ein Autofahrer bei Jardelund verunglückte, ergab sich ein ähnliches Problem: Hilfe konnte wegen der Telefonprobleme erst mit Verzögerung gerufen werden. Der Autofahrer erlag letztlich seinen Verletzungen. Ob er durch schnelleres Eingreifen hätte gerettet werden können, wird sich wohl nie klären lassen.

Bei der Leitstelle in Harrislee ist das Problem bekannt. Leiter Achim Eckstein rät deshalb allen Grenzbewohnern die Nummer 004946199930530 im Handy abzuspeichern – die Festnetznummer der Leitstelle mit deutscher Landesvorwahl. Hackstein betont allerdings, dass Anrufer möglicherweise ein wenig Geduld haben müssen – der Notruf 112 habe immer Vorrang.

Eine Patentlösung hat auch Lothar Gahrmann, der Pressesprecher der Landespolizei in Kiel, nicht zu bieten. Er weist sogar noch auf ein zusätzliches Problem hin: „In Dänemark sind alle Leitstellen miteinander verbunden. Ist eine besetzt, wird der Anrufer an die nächste weitergeleitet. So ist es theoretisch möglich, dass ein Hilfesuchender vom Strand in Holnis letztlich in Kopenhagen landet.“ Und dass dort jemand deutsch spricht und sich am südlichen Ufer der Flensburger Förde auskennt, ist zumindest fraglich.

Eine befriedigende Situation sei das nicht, bekennt Gahrmann, aber es sei kaum zu erreichen, dass Mobilfunkwellen an der Grenze Halt machen. Und dass im Grenzbereich die dänischen Sender offenbar wesentlich stärker sind, wollte der Polizeisprecher nicht kommentieren. Er rät, die automatische Netzsuche und das Roaming am Mobiltelefon auszustellen. Damit bleibe der Anrufer immer in dem von ihm gewählten Netz und verhindere Auslandstelefonie.

Dass diese Lösungsvorschläge ein wenig hilflos klingen, wissen die Experten selbst. Aber noch gibt es kein Rezept für die gefährliche Situation im Grenzgebiet.

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