Aktion aus Grossenwiehe : Handwerk hilft, wo Kinder leiden

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Der Glaser und Maler Norman Mittwoch aus Großenwiehe will eine Hilfsaktion für Familien in Not ins Rollen bringen. Sie soll sich fest im Kreis Schleswig-Flensburg etablieren.

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10. November 2013, 07:45 Uhr

Was von Hand gemacht wird, ist nicht billig. Das weiß Norman Mittwoch nur zu gut. Denn er ist Handwerker. Mitte 2006 hat er die über 100 Jahre alte Malerei und Glaserei Mittwoch in Großenwiehe von seinem Vater Eggert übernommen, gerade macht er seinen Meister. Viele Menschen, sagt der 36-Jährige, schimpfen darüber, was es kostet, wenn Handwerker anrücken, in seinem Fall, wenn Bodenbeläge oder Fassaden erneuert, Wände gestaltet oder Scheiben repariert werden müssen. „Aber wir sind nun mal Fachleute, haben jahrelang gelernt, was wir machen“, betont er.

Mit seinem Betrieb will er jedoch nicht zur seine Kunden glücklich machen – er will mehr. Norman Mittwoch, der mit seiner Lebensgefährtin und einer zweijährigen Tochter in Flensburg lebt, will für den Kreis Schleswig-Flensburg eine Hilfsaktion auf die Beine stellen, von der vor allem Kinder profitieren sollen. Getreu dem Motto „Handwerk hilft“ – ein bisschen so, wie man es von Sendungen wie „Zuhause im Glück – Unser Einzug in ein neues Leben“ aus dem Fernsehen kennt – will er einer Familie das Leben zumindest ein wenig schöner machen. „Ich denke da zum Beispiel an ein Kind, das gesundheitlich eh schon angeschlagen ist, an einer schweren Krankheit leidet, und dessen wohnliches Umfeld ihm einfach nicht gut tut, weil es zum Beispiel in einem feuchten Keller leben muss – die Eltern aber keine Möglichkeit haben, dies zu ändern, weil ihnen das Geld fehlt“, erklärt er, und fügt schnell hinzu: „Und natürlich sollte die Familie unverschuldet in Not geraten sein.“

Konkret schwebt ihm vor, ein Kinderzimmer komplett neu herzurichten. „Eine ganze Wohnung, das wäre für den Anfang zu viel. Erstmal soll die Aktion bekannt werden und anlaufen“, sagt Mittwoch. Sie solle aber keine einmalige Sache sein, sondern sich fest im Kreis etablieren. Über 40 Firmen aus der Umgebung hat Mittwoch angerufen, mehrere haben bereits signalisiert, dass sie seine Aktion unterstützen wollen, Material, Gerätschaften oder Manpower zur Verfügung stellen, vom Großhändler bis zum kleinen Betrieb. Die Inhaber des „Hostel Flensburg“ würden die Familie kostenlos aufzunehmen, falls diese während der Arbeiten die Wohnung verlassen muss. Bernd Grabert, Techniker für Raumgestaltung und Innenausbau aus Großenwiehe, sponsert für die Aktion das Raumkonzept, und auch „Fenster Kontor“ oder Karstadt in Flensburg wollen sich beteiligen. Mittwoch, der sechs Angestellte hat, will das Projekt koordinieren, mit Arbeitskraft unterstützen und auch Material stellen. „Das wird neben der eigentlichen Arbeit ein kleiner Spagat, aber das ist es mir wert.“

Bis zum 30. November will er „Bewerbungen“ entgegennehmen, ob von Betroffenen selbst, deren Familienangehörigen, Freunden oder Nachbarn. Die sollten kurz aber genau schildern, inwiefern Hilfe notwendig ist. „Die zehn härtesten Fälle gucken wir uns genau an, und dann entscheiden wir. Alles muss natürlich gut überprüft werden.“ Mittwoch rechnet damit, dass der Andrang groß sein wird. „Meine Partnerin arbeitet in einem Jugendzentrum, und was man allein dort mitbekommt, da schaudert’s einen manchmal.“

Eine solche Aktion ist nicht neu, das weiß Mittwoch. „Ein Malerkollege von mir macht bei einer karitativen Sache in Kiel mit. Dieses Jahr ist er mit seinem Betrieb an der Reihe, macht eine ganze Wohnung neu. Die Idee gibt es schon länger, aber ich habe sie sozusagen für diese Region maßgeschneidert“, erklärt er. Immer mehr Kinder müssten heute in Armut leben. Wenn er sehe, wie gut es seiner Tochter geht, fühle er sich einfach dazu angespornt, wenigstens einen kleinen Beitrag dafür zu leisten, dass es anderen Kindern auch gut geht. „Es tut mir im Herzen weh, wenn ich sehe, wie einige Kinder leben müssen.“ Mittwoch, der vor seiner Malerlehre ein Freiwilliges Soziales Jahr im Franziskus Hospital in Flensburg geleistet hat, betont: „Ich will wirklich den Ärmsten der Armen helfen, denke da an die Opfer unserer Gesellschaft.“

Er macht kein Geheimnis daraus, dass man mit einer solchen Aktion auch zeigen kann, wozu das Handwerk heute fähig ist, dass oft mit Hightech-Materialien gearbeitet wird. „Ich finde diese Aktionen immer sehr gut“, sagt auch der Obermeister der Maler- und Lackierer-Innung Flensburg-Schleswig, Jörg Jensen. „Wenn die Bedürftigkeit wirklich gegeben ist, finde ich es toll, wenn dort geholfen wird.“ Dem Image des Handwerks könnten solche Projekte nicht schaden – ganz im Gegenteil. Norman Mittwoch sagt, man solle nicht nur reden, sondern Taten sprechen lassen. „Ich will zeigen: Egal, wie tief man gesunken ist – es gibt irgendwo immer eine helfende Hand.“

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