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ARte-Film „Die Frauen der Wikinger“ : Haithabus starke Frauen

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Auf Arte ist am Sonnabend um 20.15 Uhr das Doku-Drama „Die Frauen der Wikinger“ zu sehen – unter anderem mit Esther Schweins. Viele der Szenen wurden in Haithabu gedreht.

Ulf ist nicht unbedingt das, was man den Traum aller Schwiegermütter nennen würde. Er säuft, er hurt, er mordet und er schlägt seine Frau Sigrun. Die will daraufhin die Scheidung – und die Kinder. Nur die Sache mit dem Unterhalt ist schwierig, denn Sigrun und Ulf sind Wikinger, und bei denen durften Frauen zwar durchaus ihre Männer verlassen, aber nur wenn sie in das soziale Netz ihrer ursprünglichen Familien zurückkehren konnten. Der gemeinsame Besitz blieb bei den Ehemännern. Dass die Frauen der Wikinger es grundsätzlich nicht immer leicht gehabt haben dürften, hat man zwar schon immer geahnt, den Beleg liefert jetzt allerdings das zweiteilige Doku-Drama mit dem naheliegenden Titel „Die Frauen der Wikinger“. Die gemeinsame Produktion von NDR und Arte ist eine Mischung aus Fiktion und Dokumentarfilm, die Einblicke gewährt in einen Bereich des Wikingerlebens, der bislang in der Öffentlichkeit kaum bekannt war: Die Lebenswirklichkeit der Wikingerfrauen. Oder besser gesagt: Einen Ausschnitt davon, der historische Informationen bietet und trotzdem genug dramatisches Potenzial enthaltet, um die Zuschauer am Fernseh-Schirm zu halten.

Am Donnerstag wurde der erste Teil, der heute Abend um 20.15 Uhr auf Arte läuft, in Haithabu gezeigt. Wo sonst, wenn nicht an dem historischen Handelsplatz, könnte man sich dem Thema besser nähern? Der zweite Teil des Geschichts-Dramas, in dem ein Mädchen sich auf die Spuren ihres verschollen Vaters begibt, spielt zu einem guten Teil in Haithabu und nicht zuletzt, das verriet Regisseur Kai Christiansen, wäre der Zweiteiler ohne die Hilfe des Mitarbeiter des Wikinger-Museums nie zustande gekommen: „Hier war unsere Homebase“, sagte er in Richtung Ute Drews. Die ist Leiterin des Haithabu-Museums und demnach, wenn man so will, die derzeit wichtigste Frau der Wikinger.

Was Ute Drews zuvor eine knappe Stunde lang gesehen hatte, war die Geschichte von Sigruns Flucht vor ihrem Mann, der wenig Potenzial zum Publikumsliebling hatte. Weil er sie nicht gehen lassen will, flieht die Frau, die durchaus überzeugend von Esther Schweins gespielt wird, schließlich mit ihren Kindern und einem Teil der Hofsklaven nach Eisland (dem heutigen Island). Dort, so hat sie von einem Händler gehört, bekäme jeder ein Stück Land und könne ein freies Leben führen.

Erstaunlich an der Episode waren tatsächlich die vielen historischen Fakten, die der Fiktion als Basis dienten. Gerade die isländischen Sagas, alte Erzählungen, die von der Besiedlung Islands berichten und auch heute noch einen wesentlicher Teil des isländischen Selbstverständnisses ausmachen, waren die Grundlage von Sigruns Geschichte, die zwar so nie existiert hat – deren Figur aber viele überlieferte Eigenschaften und Taten von Wikingerfrauen in sich vereint.

Der Zuschauer kann also einiges lernen, wenn er die kurzweiligen Folgen anschaut. Das bestätigte auch die Kulturministerin des ehemaligen Wikingerreichs zwischen Nord- und Ostsee anschließend: „Die Serie verbindet drei Elemente miteinander: Spannung, Neugierde und Wissen“, sagte Anke Spoorendonk. Sie wolle jetzt allerdings noch einmal nachlesen, ob das Gesehene auch alles stimme.

Dass die Charaktere mitunter etwas eindimensional daherkommen, ist wohl die Folge des kleinen Formats. In rund 50 Minuten bleibt nicht viel Zeit für Figurenentwicklung. Ulf bleibt also Ulf – und wird deshalb auf seine alten Jahre kein Freund des Feminismus mehr. Sein Kommentar zu den Scheidungsplänen seiner Ehefrau ist so schlicht wie sein Gemüt: „Weiber!“, schnauft er und verdreht genervt die Augen.

Die Frauen der Wikinger: Beide Teile laufen heute abend ab 20.15 Uhr auf arte und am 17. und 24. September jeweils um 21 Uhr im NDR-Fernsehen.

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