Wikingermuseum : Haithabu feiert den Sommer

Während sich Mara und Karin Peters von Tobias Höfs erklären ließen, was man alles aus Knochen und Geweihe bauen kann (Foto l.), zeigte Jannis Scholz (r.), wie man Eisen herstellt.
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Während sich Mara und Karin Peters von Tobias Höfs erklären ließen, was man alles aus Knochen und Geweihe bauen kann (Foto l.), zeigte Jannis Scholz (r.), wie man Eisen herstellt.

Mehr als 7000 Besucher strömten am Wochenende ans Ufer des Haddebyer Noores. Fahrten auf der „Erik Steuermann“ waren dabei ein besonderes Highlight.

shz.de von
13. Juli 2015, 07:27 Uhr

„Die angebotenen Fahrten mit dem Wikingerschiff wurden unwahrscheinlich gut angenommen. Das freut mich natürlich besonders“, sagte Ute Drews, Leiterin des Wikingermuseums stolz. Sie meinte damit die „Erik Steuermann“, die Bootsbauer Kai Zausch im vergangenen Jahr mit seinen eigenen Händen am Ufer des Haddebyer Noors zusammengezimmert hatte – und die inzwischen zum fahrenden Aushängeschild Haithabus geworden ist. Dorthin waren von Donnerstag bis gestern mehr als 7000 Besucher zum siebten Sommermarkt gekommen, um sich von rund 100 Händlern und Ausstellern aus verschiedenen Ländern zeigen zu lassen, wie die Menschen vor 1000 Jahren lebten.

Mara und Benno Peters aus Hamburg zum Beispiel waren fasziniert von Tobias Höfs und seiner Arbeit mit Knochen und Geweihen. Der Vegetarier aus der Nähe von Oldenburg in Niedersachsen war mit seiner jungen Familie angereist. „Wir übernachten hier im Zelt und leben an diesem Wochenende wie zu Wikingerzeiten: ohne Telefon, Strom und fließendes Wasser. Bei unserem zehn Monate alten Sohn Hakon gibt es eine klitzekleine Ausnahme, denn er trägt eine handelsübliche Windel.“ Höfs stellt aus Knochen unter anderem Haarnadeln und Kämme her. Für eine Haarnadel benötigt er etwa 50 Stunden, denn zum Bearbeiten nutzt er nur nach Originalfunden nachgebaute Feilen und Messer, wie sie schon die Wikinger verwendeten. „Ich stelle meine Produkte nicht in erster Linie her, um sie zu verkaufen, sondern auch, um mit anderen Händlern hier zu tauschen. Auch das war damals üblich“, erzählte er. Mit seinem Zeltnachbarn Oliver Pentzsch tauschte Höfs zum Beispiel einen Satz Pfeile aus Knochen gegen eine Kette. Gleich daneben zeigten Jannis Scholz und Timm Esemann, wie man in einem Rennofen (nicht Brennofen!) Eisen herstellt. Auch sie tauschen das hergestellte Rohmaterial häufig ein, erst kürzlich etwa gegen einen geschmiedeten Grill.

Wenn man den weiten Weg vom Parkplatz zu den Wikingerhäusern erst einmal geschafft hatte, gab es auch für die kleinen Besucher unglaublich viel zu entdecken und auszuprobieren. Lee und Sha’uri Pinnow stellten zusammen mit Matthias Freese aus dem Emsland Kettenanhänger aus reinem Zinn her. Dazu wurde der Rohling zunächst eingeschmolzen und dann in eine Form aus Stein gegeben, die dem ausgesuchten Anhängermotiv entsprach. Anschließend feilten die Beiden die scharfen Kanten glatt. „Ich fand es unglaublich interessant zu sehen, wie damals Glasperlen und anderes hergestellt wurden“, sagte Karla Unmack aus Neustrelitz, die zurzeit zu Besuch bei ihrem Sohn in Fahrdorf ist. Für ihre Enkelin Lana war dagegen das Bogenschießen auf eine Wildschweinattrappe der Renner.

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