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Schleswig : Haftstrafe für den „Humpel-Räuber“

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Nach Überfällen am Gallberg: Das Landgericht verurteilt einen 33-jährigen Schleswiger und ordnet eine zweijährige Drogentherapie an.

Der Mann, der im Februar am Gallberg zwei Raubüberfälle verübt hat, wird wohl demnächst aus dem Flensburger Gefängnis umziehen in eine geschlossene Entzugsklinik. Das Landgericht verurteilte ihn gestern zu einer Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren und ordnete zugleich eine Drogentherapie an.

Die Beweislage war klar. Der 33-jährige Schleswiger, der wegen seiner Beinprothese als „Humpel-Räuber“ bekannt geworden war, hatte ein umfassendes Geständnis abgelegt. Seine Reue sei glaubhaft, befand der Vorsitzende Richter in seiner Urteilsbegründung. Gleichwohl bleibe der Mann gefährlich, wenn seine Drogenabhängigkeit nicht therapiert werde. Die Wahrscheinlichkeit sei groß, dass er wieder Straftaten begehen werde, um sich Geld für Heroin und Kokain zu beschaffen. So wie an jenen zwei Tagen im Februar dieses Jahres. Damals hatte er nach mehreren Jahren, in denen er mit Hilfe von ärztlich verschriebenen Ersatzdrogen ein mehr oder weniger geregeltes Leben geführt hatte, einen Rückfall erlitten. Um an Geld zu kommen, überfiel er erst nächtens eine Spielhalle in der Mönchenbrückstraße und am Abend des folgenden Tages den Sky-Markt am Gallberg. Die Beute: einmal 486 Euro und einmal 250 Euro. Für eine lange Zeit mit intensivem Drogenkonsum hätte das kaum gereicht. Deshalb ging die Staatsanwaltschaft davon aus, dass der Mann in den folgenden Tagen weitere Überfälle verübt hätte, wäre die Polizei ihm nicht schnell auf die Spur gekommen.

Dem widersprach Verteidiger Thomas Goede: „Als ich ihn nach seiner Festnahme in der Haftzelle traf, war er in einem körperlichen Zustand, der daran zweifeln lässt, ob er zu einer dritten Tat überhaupt in der Lage gewesen wäre.“ Auch widersprach Goede der Einschätzung der Anklage, sein Mandant sei zielgerichtet vorgegangen. „Es waren sehr spontane Taten aus dem Suchtdruck heraus.“ So habe er sich für seine zweite Tat ausgerechnet den Supermarkt ausgesucht, in dem er tagtäglich einkaufte und wo ihn der Marktleiter trotz Maskierung an seinem humpelnden Gang sofort erkannte. Der Verteidiger sprach deshalb von einem minder schweren Fall des schweren Raubes und beantragte eine Haftstrafe von zwei Jahren und zwei Monaten. Die Staatsanwaltschaft hatte vier Jahre gefordert. Das genaue Strafmaß, betonte der Vorsitzende Richter, werde für den Verurteilten gar keine so große Rolle spielen. Denn für die Drogentherapie seien auf jeden Fall zwei Jahre erforderlich. Bei Anrechnung der fünf Monate Untersuchungshaft seit Februar habe der Verurteilte gute Aussichten, auf Bewährung freigelassen zu werden, wenn er die Therapie erfolgreich beendet habe.

Bei der Zumessung des Strafmaßes von dreieinhalb Jahren sei strafmildernd unter anderem die verminderte Schuldfähigkeit und die relativ kleine Beute eingeflossen, so das Gericht. Jedoch seien auch die schweren psychischen Folgen für die Opfer der Überfälle zu berücksichtigen. Insbesondere der Spielhallen-Mitarbeiter, für den es bereits der zweite Überfall war, litt stark unter dem Erlebten. Dass er später erfuhr, dass die Waffe, mit der er bedroht wurde, lediglich eine Gaspistole war, änderte daran nichts. Auch der Supermarkt-Kassierer, ein 20-jähriger Zwölftklässler, musste sich einer Therapie unterziehen.

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erstellt am 13.Jul.2017 | 07:54 Uhr

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