zur Navigation springen

Immobilienpreise in Schleswig : Häuser um bis zu zehn Prozent teurer

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Immobilienmarkt an der Schlei profitiert vom niedrigen Zinsniveau. Zu wenig Angebote in der Preisklasse um 200 000 Euro.

Die Preise für Immobilien sind in Schleswig in den vergangenen zwei Jahren zwar gestiegen, aber bei weitem nicht in der Größenordnung wie an Nord- und Ostsee. Während für Immobilien direkt an der Küste bis zu 43 Prozent mehr bezahlt werden müssen, kletterten die Tarife in der Schleistadt nach Auskunft von Experten um fünf bis zehn Prozent in die Höhe. Den Anlass für die neue Debatte um die Preise für Einfamilienhäuser und Eigentumswohnungen hatte in dieser Woche die Landesbausparkasse angestoßen (wir berichteten). Im Auftrag der LBS hatte ein Hamburger Institut den Immobilienmarkt im Norden untersucht. Allein im Kreis Schleswig-Flensburg und der Stadt Flensburg flossen die Daten von 2000 Gebäuden in die Erhebung mit ein.

Wenn Makler nach den drei wichtigsten Kriterien zur Beurteilung einer Immobilie gefragt werden, lautet die Standardantwort: „Lage, Lage, Lage“. Am Beispiel eines Einfamilienhauses mit 150 Quadratmetern Wohnfläche lässt sich zeigen, dass das keine hohlen Worte sind. In Schleswig würde ein Haus dieser Größenordnung (durchschnittlicher Standard, inklusive Grundstück) zirka 210 000 Euro kosten. In Kampen auf Sylt hingegen müssten für eine vergleichbar dimensionierte Immobilie 2,7 Millionen Euro überwiesen werden. Kampen ist laut LBS-Studie Schleswig-Holsteins teuerster Immobilien-Markt.

Die Schleistadt steht hingegen am anderen Ende der Preisspirale, was ein Blick in die Anzeigenmärkte von Printmedien und Internetportalen bestätigt. Bruno Gudermann, seit drei Jahrzehnten in Schleswig als Makler tätig, sagt: „Der Markt in Schleswig ist eher Mittelklasse – das ist historisch gewachsen.“ Soll heißen: An der Schlei gibt es weder mondäne Villenviertel noch Armutsquartiere. Einfamilienhäuser aus dem Bestand kosten nach Gudermanns Einschätzung durchschnittlich um die 150 000 Euro. Zudem sei für Schleswig typisch, dass der Sanierungsbedarf nicht unerheblich sei.

Die LBS-Studie unterstreicht Gudermanns Preiseinschätzung. 1116 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche sind demnach in Schleswig für ein gebrauchtes Haus zu bezahlen. Für einen Neubau hingegen werden 1395 Euro kalkuliert, was wiederum ein Indikator dafür ist, dass die Ansprüche der Kunden heute höher sind. Auch Gudermann hat beobachtet, dass die Kunden auf Qualität achten und bereit sind, dafür tiefer in die Tasche zu greifen: „Es gibt in Schleswig eine große Nachfrage nach Häusern in der Kategorie 190 000 bis 200 000 Euro, aber davon ist nicht viel auf dem Markt.“ Bei den Eigentumswohnungen gibt es hingegen auffällige Ausschläge nach oben. Ihr Durchschnittskaufpreis wird mit 3105 Euro pro Quadratmeter angegeben, allerdings gibt es nicht wenige Objekte für 5500 Euro pro Quadratmeter direkt an der Schlei. Dabei dürfte es sich unter anderem um neue Luxus-Apartments im neuen Stadtteil auf der Freiheit handeln.

Die historisch niedrigen Zinsen für Immobilienkredite sind dabei Fluch und Segen zugleich. Zum einen machen sie das Baugeld billig, zum anderen die Häuser teurer. Die Preise folgen hierbei den marktwirtschaftlichen Gesetzen: Ist viel Geld im Umlauf, steigen die Preise. Gudermann geht davon aus, dass das Ende der Fahnenstange bei der Preisentwicklung noch nicht erreicht ist. Erst steigende Zinsen würden den Preisanstieg bremsen.

zur Startseite

von
erstellt am 18.Okt.2013 | 07:45 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen