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Jugendanstalt Schleswig : Häftlinge werden zu Schiedsrichtern

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Elf Insassen der Jugendanstalt schließen Lehrgang erfolgreich ab. Justizministerin Spoorendonk überreicht ihnen die Zertifikate.

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erstellt am 13.Mär.2015 | 07:23 Uhr

Allein das Ergebnis spricht für sich. Maximal 15 Punkte gab es bei der Prüfung zum Erlangen des Schiedsrichter-Zertifikats zu holen, für das elf Insassen der Jugendanstalt Schleswig wochenlang geübt hatten. Zehn von ihnen haben am Ende die Höchstpunktzahl erreicht, einer schaffte mit 14 Punkten nur unwesentlich weniger. „Das zeigt doch, mit wie viel Engagement die Jungs dabei waren. Ich halte dieses Projekt auch deswegen für eine echte Erfolgsstory“, erklärte gestern Schiedsrichterlehrwart Stefan Wiese bei der offiziellen Übergabe der schriftlichen Urkunden in der Sporthalle der Jugendanstalt am Königswiller Weg.

Welch hohen Stellenwert dieser Lehrgang auch über die Gefängnismauern hinaus genießt, zeigte sich daran, wer noch alles gekommen war, um den Jugendlichen zu ihrer Leistung zu gratulieren: Neben Justizministerin Anke Spoorendonk gehörte auch Hans-Ludwig Meyer, Präsident des Schleswig-Holsteinischen Fußballverbandes (SHFV), zu den zahlreichen Gästen, die Anstaltsleiterin Anne Damberg begrüßen konnte.

Mehrere Wochen lang hatten die elf Häftlinge in dem von Stefan Wiese geleiteten Lehrgang nicht nur die klassischen 17 Grundregeln des Deutschen Fußballbundes (DFB) gelernt. In Rollenspielen setzten sie sich dabei auch konkret mit diesen Regeln auseinander. Zudem wurde die Ausbildung durch ein Konfliktmanagement-Seminar abgerundet. „Ich halte solche Projekte für unheimlich wichtig. Wir wollen ja, dass diese jungen Menschen nach ihrer Haftstrafe wieder Teil unserer Gesellschaft werden. Als Schiedsrichter übernehmen sie Verantwortung. Und über den Sport funktioniert Integration bekanntlich ja am besten“, sagte Spoorendonk, die zudem das Engagement der vielen Partner lobte, die an der Realisierung des Ausbildungslehrganges beteiligt waren.

Neben dem SHFV war das in erster Linie die Sepp-Herberger-Stiftung, die den erfolgreichen Absolventen im Rahmen des Projektes „Anstoß für ein neues Leben“ jeweils ein Schiedsrichter-Paket, bestehend aus Pfeife, Notizblock sowie Roter und Gelber Karte, spendierte. Zudem engagiert sich auch Markus Nahs vom TSV Friedrichsberg-Busdorf für die jugendlichen Straftäter. Einmal pro Woche trainiert er ehrenamtlich die Anstaltsmannschaft, zu der auch die Absolventen des Schiedsrichter-Lehrgangs gehören. „Mein Ziel ist es, dass wir die Jugendlichen als Schiris an sämtliche Vereine in der Stadt vermitteln. Da laufen schon erste Gespräche“, sagte Nahs. Denn die Absolventen dürften nun offiziell Spiele von Jugendmannschaften und Mädchenteams leiten.

Dass sie dies auch tatsächlich eines Tages tun, würde auch SHFV-Präsident Meyer begrüßen. „Es ist doch immer toll, wenn aus solchen Projekten etwas Konkretes entsteht“, sagte er und appellierte gleichzeitig an die jungen Straftäter: „Sie alle haben in Ihrem Leben gegen Regeln verstoßen. Jetzt, als Schiedsrichter, sind Sie dafür da, dass Regeln eingehalten werden.“ Genau dieses Konzept („vom Regelbrecher zum Regelhüter“) betonte auch noch einmal Ausbilder Stefan Wiese. Er hält das Schiedsrichter-Projekt, das erst zum zweiten Mal angeboten wurde, für durchaus zukunftsträchtig. „Die Gruppe war sehr homogen und wissbegierig und die Jungs haben diszipliniert mitgearbeitet. Ich denke, es hat nicht nur mir Spaß gemacht, sondern auch ihnen“, sagte Wiese.

Tatsächlich haben alle elf Teilnehmer den Lehrgang von Anfang bis Ende durchgezogen. „Das war eine runde Sache. Wir haben uns alle gut verstanden und dabei auch was gelernt, aber ohne Druck“, erzählte einer der Teilnehmer (17), der wegen schweren Raubes verurteilt wurde, bald aber entlassen wird. Ein gleichaltriger Mitstreiter, der noch drei Jahre wegen versuchten Totschlages vor sich hat, bestätigte dieses positive Feedback. „Das hat uns auch persönlich viel gebracht“, meinte er mit Blick etwa auf die Fairness-Regeln des Fußballs.

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