zur Navigation springen

Schüler und politiker im gespräch : Gute Fragen, fragwürdige Antworten

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Rege Schülerbeteiligung bei Podiumsdiskussion in A.-P.- Møller-Schule. Politiker aus Jugendorganisationen der Parteien diskutierten

von
erstellt am 20.Sep.2013 | 07:45 Uhr

435 Stühle standen im Foyer der A. P.-Møller-Schule, weitere 200 Sitzplätze bot die Treppe in den ersten Stock, trotzdem standen auch Schüler im Hintergrund und auf der Empore. Sieben Politiker waren für eine Podiumsdiskussion angereist, die meisten von ihnen Vertreter von Jugendorganisationen der Parteien, die für den Bundestag kandidieren. Eineinhalb Stunden lang hörte das junge Publikum ihnen zu, und obwohl die Mehrheit der Oberstufenschüler von Dom- und A.-P.- Møller-Schule noch nicht wählen darf, war das Interesse groß. So groß, dass Moderator Alf Clasen, Politikredakteur des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlages, zur Halbzeit der Veranstaltung umdisponierte: Die Fragen aus dem Publikum waren so zahlreich und fundiert, dass er auf seine vorbereiteten Themen zu Gunsten der Schüler verzichtete.

Die erste Hälfte der Diskussion gestaltete Clasen jedoch selbst, sprach die Politiker auf Themen an, die von Seiten der Schüler an ihn herangetragen wurden. So zum Beispiel das Wahlrecht. In Schleswig-Holstein dürfen Jugendliche ab 16 Jahren seit 1998 auf kommunaler Ebene wählen, für Landtagswahlen gilt das seit April dieses Jahres. Daher lautete die Frage in die Runde: Sollen Jugendliche auch bei Bundestagswahlen mitbestimmen dürfen? Einzig Frederik Heinz, Landesvorsitzender der Jungen Union, sprach sich dagegen aus. Seine Begründung: Im Alter von 18 Jahren sei man in Deutschland geschäftsfähig. Das Wahlrecht mit 16 Jahren wäre eine Durchbrechung dieses Systems. Die Vertreter aller anderen Parteien sahen Grund genug für diese Durchbrechung, schließlich seien auch 16-Jährige von politischen Entscheidungen betroffen. Heinz-Werner Jezewski von den Linken, mit 55 Jahren der mit Abstand Älteste in der Runde, ging sogar noch einen Schritt weiter: Er sagte, es sei einen Versuch wert, 14-Jährige an der Kommunalwahl teilnehmen zu lassen und erntete überraschtes Gelächter aus dem Publikum.

Für deutlich mehr Gelächter sorgte allerdings im Laufe der Veranstaltung Jannick Joost, Kreissprecher der Alternative für Deutschland (AfD) in Neumünster. Besonders in der Diskussion um Europa und den Euro setzte er sich mit seiner Meinung von den anderen Diskussionsteilnehmern und der Mehrheit des Publikums ab. „Der Euro spaltet Europa. Wir Deutschen waren mal ein beliebtes Volk in Europa“, sagte er. In das schallende Gelächter aus dem Publikum rief er dann oberlehrerhaft: „Jetzt passen Sie mal auf“ und legte dar, dass Deutschlands Existenz durch die Eurorettung bedroht sei und dass mit seiner Partei mehr ökonomischer Sachverstand in den Bundestag einziehen würde, als dieser bisher vorzuweisen habe. Wieder Gelächter.

Nach der Diskussion resümierte die 15-jährige Laura Funke aus Jübek, dass sie viele neue Standpunkte gehört habe und gerne noch mehr Zeit für weitere Fragen gehabt hätte. Überrascht sei sie über den Vertreter der AfD gewesen. „Extremistisch und heftig geredet“ habe Joost. Domschüler Christoph Janke nannte dessen Auftreten populistisch. „Eine solche Art Politik zu machen und zu reden, der harte Ton und die einfachen Slogans, kenne ich sonst eher aus dem rechten Milieu.“

Sowohl Funke als auch Janke dürfen am Sonntag noch nicht wählen. „Aber dann bei der nächsten Bundestagswahl“, freut sich Funke und ergänzt: „Früh übt sich.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen