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Sabine Sütterlin-Waack im Interview : Gut zuhören, viel lernen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Sie spricht über ihren Start als neue Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis 1 und Tipps ihres Vorgängers Wolfgang Börnsen: Ein Interview mit Sabine Sütterlin-Waack (CDU)

Frau Sütterlin-Waack,Sie waren am Wahlabend sehr zurückhaltend. Alle anderen im Kreishaus haben schon viel früher gesagt, die Wahl sei für Sie entschieden. Wie erleichtert waren Sie, als der Sieg feststand?
Sehr erleichtert, auch darüber, dass ich klar und deutlich gewonnen habe. Aber ich bin Realistin und weiß, dass dies nicht nur mein Verdienst ist, sondern auch viel mit dem Bundestrend zu tun hatte. Es gibt Erhebungen, die aussagen, dass der Einfluss der Direktkandidaten tatsächlich nur zwei bis drei Prozent vom Ergebnis ausmacht. Und wenn die FDP mehr Stimmen bekommen hätte, dann wäre es für uns auch enger geworden. Für Dirk Peddinghaus tat es mit fast leid. Es war wirklich ein fairer Wahlkampf mit ihm, und letztlich wäre ich ja sogar über die Liste in den Bundestag eingerückt.

Wie war am Dienstag nach der Wahl Ihr erster Tag in Berlin?

Zunächst gab es eine Sitzung der Landesgruppe. Das war ein tolles Gefühl, auf den Reichstag in dem Wissen zuzugehen, dass ich dazugehöre und dort für meinen Wahlkreis arbeiten darf. Hochgefühl und Realität liegen oft dicht beieinander. Ich wurde auch ganz schnell wieder auf den Boden der Tatsachen geholt, als ich nach der Landesgruppen-Sitzung in die Fraktion kam. Der Saal war zu klein, nicht jeder hatte einen Platz und es dauerte eine Viertelstunde, bis es losgehen konnte. Das war wie die Rückkehr aus den großen Ferien mit Einschulung. Inhaltlich ging es dann eineinhalb Stunden lang nur um Organisatorisches, die Koalitionsvereinbarung mit der CSU und Wahlen. Dann habe ich mich noch richtig verlaufen im Reichstag und in den Gängen zwischen den vielen Gebäuden. Dann war auch noch mein Handy-Akku fast leer. Ich sah schon die Schlagzeile: Eine von den Neuen musste leider im Keller übernachten. Mit dem letzten Saft im Akku habe ich dann doch die Büroleiterin von Wolfgang Börnsen, Uta Wentzel, erreicht. Die hat mich dann da raus gelotst.

Wie sieht der weitere Berlin-Zeitplan aus?

Heute geht es mit einer weiteren Fraktionssitzung weiter. Ich gehe davon aus, dass dann schon über das erste Sondierungsgespräch berichtet wird.

Wofür stehen Sie – große Koalition oder doch lieber mit den Grünen?

Ich könnte mir auch mit den Grünen eine Koalition vorstellen. Das liegt natürlich auch an der guten Zusammenarbeit, die wir regional vor Ort haben. Ich schließe das nicht aus, halte es aber doch für schwierig, weil die Grünen in Berlin sehr mit sich selbst beschäftigt sind. Ich weiß natürlich auch, dass gerade in Schleswig-Holstein mit den Grünen in der Regierung viel Porzellan zerschlagen wurde. Insbesondere im ländlich geprägten Raum sitzt der Ärger darüber tief, was derzeit mit den Bauern geschieht. Für die SPD gilt: Sie darf den Bogen nicht überspannen. Ich glaube, alle Demokraten sind sich aber in einem Punkt einig: Bloß keine Neuwahlen.

Wo werden Sie sich im Bundestag schwerpunktmäßig einbringen?
Wir sind gleich in der ersten Sitzung nach unseren Vorstellungen gefragt worden. Ich habe natürlich die Besonderheit in meinem Wahlkreis, dass sowohl das Ländliche zu berücksichtigen ist als auch die städtischen Interessen Flensburgs. Deshalb habe ich für den Agrarausschuss den Finger gehoben, zumal dieser auch für den Verbraucherschutz zuständig ist. Auch im Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend möchte ich gern mitarbeiten. Beide Themenbereiche haben hohe Bedeutung für unsere Region.

Die Ausrichtung ist eine ganz andere als die Ihres Vorgängers Wolfgang Börnsen. Wie groß sind denn dessen Fußstapfen?
Oh ja, die sind sehr groß. Börnsen war 26 Jahre lang Abgeordneter. Seine Funktion als einer von 25 Sprechern der Fraktion wurde rein äußerlich schon darin dokumentiert, dass er ein ganz besonderes Büro hatte, ein Eckbüro auf der Fraktionsvorstands-Ebene. Das werde ich nicht haben, da muss ich mich ganz hinten anstellen.

Welche Tipps hat Ihnen Wolfgang Börnsen mit auf den Weg gegeben?
Er hat sich sehr zurückgehalten. Natürlich hat er mir empfohlen, auf das bewährte Team zurückzugreifen. Den Tipp habe ich dankbar angenommen. Und er hat mir einen weiteren wichtigen Tipp gegeben, den ich beherzigen werde: im ersten halben Jahr die Ohren ganz weit aufmachen, gut zuhören und ganz viel lernen von den erfahrenen Bundestagsmitgliedern.

Wolfgang Börnsen war im Wahlkreis immer sehr präsent und bürgernah. Wie wollen Sie ihre Zeit einteilen?

Präsenz und Bürgernähe sind mir genauso wichtig wie Wolfgang Börnsen, schließlich komme ich aus der Kommunalpolitik. Der Bundestag tagt alle zwei Wochen, das heißt: eine Woche Berlin, eine Woche Wahlkreis. In dieser Woche werde ich versuchen, mit den Bürgern ins Gespräch zu kommen und Vereinigungen und Verbände zu besuchen. Außerdem möchte ich in Lürschau Bürgermeisterin bleiben, um die Bodenhaftung zu behalten. Das bin ich seit über zwei Jahren und kann den Aufwand einschätzen. Außerdem habe ich einen guten Stellvertreter. Die Arbeit im Kreistag werde ich aber abgeben.

Vor Ihrer Kandidatur gab es die umstrittene Kampfabstimmung gegen den damaligen Landesvorsitzenden Ihrer Partei, Jost de Jager, die sie knapp verloren. Erst nach seinem Rückzug konnten Sie doch noch auf den Zug aufspringen. Hat Jost de Jager Ihnen schon gratuliert?
Das war ein fairer demokratischer Wettstreit. Jost de Jager und ich stehen in Kontakt. Noch drei Wochen vor der Wahl hatte ich mit ihm über Verkehrsfragen telefoniert und ihn nach seiner Meinung gefragt. Das war ein sehr nettes, kollegiales Gespräch.

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erstellt am 08.Okt.2013 | 14:00 Uhr

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