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Schleswiger Nachrichten

14. Dezember 2017 | 22:20 Uhr

Bus-Engel : Gut vorbereitet für den Ernstfall

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

180 Schüler nahmen an der Intensiv-Schulung auf dem Gelände der Verkehrsbetriebe Schleswig-Flensburg teil.

von
erstellt am 01.Okt.2013 | 15:00 Uhr

Kaum hat der Busfahrer die Türen geschlossen, da fliegen schon die ersten Papierkugeln durch das Fahrzeug. Dabei wird laut geschrien und gelacht. Plötzlich stehen drei „Bus-Engel“ von ihren Sitzen auf und weisen die jungen Rabauken zurecht. Dies ist Teil der Intensivschulung, die jetzt auf dem Gelände der Verkehrsbetriebe Schleswig-Flensburg stattfand.

In drei vollbesetzen Bussen simulierten 180 Jugendliche aus dem gesamten Kreis den Weg zur Schule. Dort sollten sie anwenden, was sie in der theoretischen Vorschulung gelernt hatten: Auf Störenfriede eingehen, sie ruhig auf ihr Fehlverhalten hinweisen und eventuelle Streitigkeiten beenden. Die „Störenfriede“ waren dieses Mal Sechstklässler aus Silberstedt, die für einen „guten Zweck“ randalieren durften. Verkehrspolizist und Ex-Kreispräsident Eckhard Schröder gab derweil Anweisungen, wie sie den Bus-Engeln das Leben schwer machen sollten: Indem sie zum Beispiel die Füße auf die Sitze legten oder beim Ein- und Aussteigen drängelten. Die Bus-Engel waren meist zur Stelle und versuchten, jedes Problem zu lösen. Das gelang nicht immer und beim Einsteigen gab Schröder ein paar Tipps: „Ihr müsst euch in einer Reihe aufstellen und nicht alle auf die Tür zustürmen.“

Die 15-jährige Nele Gelewsky von der Schleswiger Bruno-Lorenzen-Schule ist erst seit ein paar Tagen Bus-Engel. Sie fährt täglich mit vielen Kindern und Jugendlichen zum Unterricht und hat schon den einen oder anderen Krawall erlebt. Deshalb möchte sie nun mit ihrem leuchtend gelben Bändchen um den Hals für Ordnung im Bus sorgen. An ihren ersten Einsatz erinnert sie sich noch genau. „Ich wusste zuerst nicht, wie ich auf die Kinder zugehen sollte“, sagt sie. Doch das hat sie schnell herausgefunden: „Sie müssen an der Haltestelle eine Reihe bilden und ich steige als Letzte ein.“

Etwas mehr Erfahrung hat Malte Löwe von der Gemeinschaftsschule in Süderbrarup. Der 15-Jährige ist schon seit einem Jahr dabei und kennt die meisten Situationen. Während seiner Einsätze wird er nicht selten Zeuge von Prügeleien. „Einmal ist sogar jemand ins Krankenhaus gekommen“, erzählt der Zehntklässler. Schüchtern ist er nicht, sondern geht sofort dazwischen, wenn ein Konflikt aufkommt.

Während sich einige der Schüler nach der Übungsfahrt über ihre Erfahrungen austauschten, setzten sich andere mit ihren Betreuern über ihre Reaktionen als Bus-Engel auseinander. Auch Nele Gelewsky weiß, was noch verbessert werden kann. „Wir müssen sofort reagieren und nicht erst abwarten, was passiert“, gibt sie zu. „Einige von uns sind nämlich gar nicht aufgestanden.“ Das ist auch Eckhard Schröder aufgefallen. Ein paar müssten seiner Meinung nach energischer sein. Aber um das zu lernen, würden sie an der Schulung teilnehmen.

Dass es nicht leicht ist, ein Bus-Engel zu sein, weiß auch Maike Christiansen. Doch die Kreisfachberaterin für Verkehrserziehung ist stolz auf die jungen Leute. „Viele haben dadurch ein stärkeres Selbstbewusstsein bekommen“, erzählt sie. „Außerdem freuen sich die Schüler, dass die ehrenamtliche Tätigkeit auf dem Zeugnis vermerkt wird.“ Trotzdem warnt sie davor, übermütig zu werden und die Machtposition bei den Mitschülern auszunutzen. Für die Zukunft wünscht sie sich, dass noch mehr Schulen an dem Projekt teilnehmen, um die Busfahrten im Kreis sicher und angenehm zu machen.

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