Jagel : Günther Knappke musste seinen Beruf wegen Krankheit aufgeben – jetzt droht ihm Hartz IV

Der 46-Jährige kann wegen einer Augenkrankheit nicht mehr arbeiten – und sein Rentenantrag wurde abgelehnt.

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30. Januar 2020, 18:08 Uhr

Jagel | Günther Knappke aus Jagel sieht mit großer Sorge in die Zukunft: Spätestens im April, so befürchtet der ehemalige Kraftfahrer, wird er Hartz IV beantragen müssen. „Und dann muss ich mich wohl umsehen, wer mein Haus kaufen will. Das kann ich dann wohl nicht mehr halten.“ Günther Knappke leidet an Retinitis Pigmentosa, einer unheilbaren Augenkrankheit, die oft schon im mittleren Lebensalter auftritt. Die Symptome zeigen sich bei ihm schon stark: Nachtblindheit, Einschränkung des Gesichtsfelds, Probleme bei der Anpassung der Augen an sich ändernde Lichtbedingungen und Blendempfindlichkeit. Am Ende steht schlimmstenfalls die Erblindung.

Knappke ist 46 und hat schon einige Stufen der Krankheit durchgemacht. „Ich kann nachts nicht mehr sehen, alles was oben und unter in meinem Gesichtsfeld auftaucht, kommt bei mir nicht an – glücklicherweise ist mein zentraler Sehnerv noch intakt“, sagt er. Allerdings musste Günther Knappke schon vor Jahren einsehen, dass er seinen Beruf als Kraftfahrer so nicht mehr ausüben kann. „2016 war Schluss.“

Günther Knappke wurde zunächst einmal krankgeschrieben und pendelte anschließend zwischen diversen Ärzten und Behörden hin und her. Eine Lösung war für ihn allerdings nicht in Sicht. Die Augen wurden immer schlechter – und Hoffnung auf Besserung gab und gibt es nicht. Und auch ein neuer Job war nicht zu finden. „Ich habe keine andere Ausbildung, und die Einschränkung durch meine Augen machte es doppelt schwer.“ Hinzu kamen andere Handicaps: ein kaputter Rücken, Allergien – und die zunehmenden Belastungen durch die Gesamtsituation, die sich auf die Psyche auswirkten. Zwar stimmte Günther Knappke beim Jobcenter zu, eine Arbeit als Pförtner annehmen zu wollen – in der Realität aber zeigte sich, dass es so etwas in der Umgebung von Jagel nicht gibt. „Und zur Arbeit fahren kommt nicht in Frage – mit meiner schwachen Sehfähigkeit ist das auch nur sehr eingeschränkt möglich.“

Zwischendurch bekam Günther Knappke den Rat, Erwerbsminderungsrente zu beantragen. Darauf haben Versicherte Anspruch, die wegen Krankheit oder Behinderung auf nicht absehbare Zeit außerstande sind, unter den üblichen Bedingungen des allgemeinen Arbeitsmarktes mindestens drei beziehungsweise sechs Stunden täglich erwerbstätig zu sein.

Doch der Nachweis, ob und wie lange jemand erwerbstätig sein kann, ist schwierig. Bei der Rentenversicherung wurde deshalb ein Gutachten erstellt. Daraus geht deutlich hervor, dass Knappke wegen seiner Augenkrankheit nicht mehr in der Lage ist, seinen Beruf als Kraftfahrer auszuüben. Der Rentenantrag wurde dennoch abgelehnt. Begründung: Es gebe sich widersprechende Gutachten. Und so lange die Angelegenheit nicht geklärt ist, könne dem Antrag nicht stattgegeben werden. Inzwischen ist es mehr als ein Jahr her, dass Widerspruch beim Sozialgericht eingelegt wurde. Doch dort sind die Richter überlastet. Auf die letzte Nachfrage kam Mitte Dezember eine Antwort – mit der Bitte um Geduld bis zur nächsten Rentensitzung. „Ich weiß nicht, wann das ist und auch nicht, was das ist“, sagt Günther Knappke. Er weiß nur, dass er dringend eine Entscheidung braucht und die Zeit knapp wird – im April läuft sein Arbeitslosengeld aus – und danach kommt für ihn Hartz IV.

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