Weinfest im Stadtmuseum : Günderoths feierliche Heimkehr

Lassen sich den Wein schmecken: Ingo Annies mit Ehefrau Susanne sowie Henry und Dagmar Philipp (von links).
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Lassen sich den Wein schmecken: Ingo Annies mit Ehefrau Susanne sowie Henry und Dagmar Philipp (von links).

1000 Besucher erlebten eine tolle Stimmung im Innenhof des Stadtmuseums. Ein Ölgemälde aus dem 17. Jahrhundert ist der kulturelle Höhepunkt beim 3. Schleswiger Weinfest.

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14. Juli 2014, 12:19 Uhr

Der Hausherr des Günderothschen Hofs ist nach dreieinhalb Jahrhunderten zurückgekehrt. Zwar nur in Form eines Abbilds. Das aber begeistert die Experten dermaßen, dass Direktor Holger Rüdel und seine Mitarbeiterin Simone Ketelsen vorsichtshalber weiße Handschuhe überzogen, um auf dem frisch restaurierten Gemälde nur ja keine Fingerabdrücke zu hinterlassen, als sie es am Freitagabend vor großem Publikum für das Stadtmuseum in Empfang nahmen.

Das Weinfest im Günderothschen Hof, als Kombination von kulinarischen und kulturellen Leckerbissen deklariert, hatte mit dem Geschenk von Mäzen Günther Fielmann einen außergewöhnlichen Höhepunkt. Das Ölgemälde des Gottorfer Hofmalers Jürgen Ovens stammt aus dem Jahr 1671. Es ist ein Porträt des damaligen herzoglichen Oberstallmeisters Friedrich von Günderoth. „Ein Ovens kommt nicht so oft auf den Markt“, sagte Fielmanns Kulturbeauftragter Jürgen Ostwald, der das Bild zusammen mit dem Leiter der Schleswiger Fielmann-Filiale, Olaf Buhmann, überreichte. Ostwald sprach von der bedeutendsten Schenkung in seiner 15-jährigen Tätigkeit. „Einen solchen Glücksfall hatte ich noch nie.“

Das Bild war bis vor kurzem nur in einer alten Schwarzweiß-Abbildung bekannt. Seine Spur hatte sich im Jahr 1913 verloren. Bis es Dr. Jan Drees, ehemaliger Mitarbeiter des Landesmuseums, Ende Mai auf einer Kunstauktion in Helsinki entdeckte. „Ich habe es sofort erkannt“, jubilierte Drees. Auch dass es sich um das Original und nicht – wie von den skandinavischen Experten vermutet – um eine Kopie handelte, entging seinem geschulten Blick nicht. Schließlich gilt Drees als ausgewiesener Ovens-Fachmann. „Es war ein Herzschlagfinale“, berichtete er von der Versteigerung, für die er sich zuvor an Ostwald gewandt hatte. Über den Kaufpreis schweigen sich beide aus. Erst vor kurzem aber hat das Landesmuseum ein anderes Ovens-Bild für einen fünfstelligen Betrag erworben. Ovens gilt als der bedeutendste Maler des 17. Jahrhunderts in Norddeutschland.

Das Gemälde soll in dieser Woche über der Treppe im Haupthaus des Adelshofes aufgehängt werden, kündigte ein begeisterter Museumsdirektor Rüdel an. Er zeigte sich aber nicht nur wegen der wertvollen Schenkung gut gelaunt. Denn beim nach 2010 und 2012 dritten Weinfest im Günderothschen Hof meinte es erstmals auch Petrus gut mit den Schleswigern. Die annähernd 1000 Gäste genossen den sommerlichen Abend bei Wein sowie Biospeisen aus der Region, wippten bei der Jazzmusik des Hamburger Nina-Majer-Trios beschwingt mit. Manch ein Besucher nutzte den vergnüglichen Abend gleichzeitig für einen geführten Rundgang durch die Doubilet-Fotoausstellung. Die Rotarier verkauften derweil fleißig Lose. Sämtliche Erlöse des Abends sind für einen guten Zweck bestimmt.

„Dieser Hof hat es verdient, dass wir Leben reinbringen“, meinte der heutige Hausherr Holger Rüdel. Dem ursprünglichen Besitzer Friedrich von Günderoth hätte es sicher auch gefallen, zu einem solch gelungenen Weinfest auf sein Anwesen zu laden. Galt er doch als wahrer Lebemann.

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