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Jugendanstalt Schleswig : Grundstein für einen moderneren Strafvollzug

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Am Königswiller Weg in Schleswig entsteht ein neues Hafthaus mit 72 Plätzen. Das Gebäude soll im Herbst 2019 fertig sein.

Vier ehemalige Gebäude auf dem Gelände der Jugendanstalt am Königswiller Weg liegen in Trümmern. Sie waren im vergangenen Monat abgerissen worden, um Platz zu machen für einen Neubau. Gestern nun erfolgte im Beisein von Schleswig-Holsteins Justizministerin Anke Spoorendonk (SSW) die Grundsteinlegung für das künftige Hafthaus mit 72 Plätzen. Damit können in Zukunft insgesamt 140 junge Männer im Alter von 14 bis 24 Jahren in dem Gefängnis untergebracht werden – 27 mehr als bisher.

Spoorendonk sprach von einer Stärkung des Jugendvollzugs am Standort Schleswig. „Die Grundsteinlegung für den Unterkunftsneubau steht für einen weiteren Schritt unserer Politik, die Infrastruktur im Justizvollzug stetig zu modernisieren und die Angebote zur Resozialisierung von Gefangenen, gerade auch von jungen Gefangenen, zu optimieren.“ Die Baukosten von 10,8 Millionen bezeichnete die Ministerin als „gut angelegtes Geld“ .

Anstaltsleiterin Anne Damberg verwies darauf, dass es mit dem neuen Haftgebäude möglich werde, sämtliche Insassen in Einzelzellen unterzubringen. In dem dreigeschossigen Bau mit knapp 2200 Quadratmetern Nutzfläche sollen vier Wohngruppen untergebracht werden sowie unter anderem eine Bücherei, ein Fitnessraum und ein Therapieraum entstehen. In einer Vollzugsabteilung könnten zudem 27 auffällige Jugendliche separat eingeschlossen und „auf weitergehende Behandlungsmaßnahmen vorbereitet werden“, so Damberg weiter. Denn nicht alle Gefangenen seien für eine Unterbringung im Wohngruppenvollzug geeignet. Ziel sei es aber, alle dorthin zu bringen. „Auch scheinbar hoffnungslose Fälle entwickeln sich.“

Frank Eisoldt, Geschäftsführer der für das Bauvorhaben verantwortlichen Gebäudemanagement Schleswig-Holstein (GMSH), machte deutlich, dass es sich um eine außergewöhnliche Baustelle handele. Allein die Sicherheitsmaßnahmen beliefen sich auf 300  000 Euro, die ebenso zu den reinen Baukosten hinzukämen wie die 440  000 Euro für eine neue Netzersatzanlage, um die Notstromversorgung zu gewährleisten. Die Mitarbeiter der rund 30 beteiligten Firmen hätten allesamt Führungszeugnisse vorlegen müssen. Die von der 6,50 Meter hohen Mauer umgebenen Baustelle kann nur durch eine eigens dafür errichtete Schleuse betreten werden. Für die Zeit der Bauarbeiten, die im Herbst 2019 abgeschlossen sein sollen, ist ein Teil der Inhaftierten in die Justizvollzugsanstalt in Neumünster verlegt worden. Aktuell säßen in Schleswig somit nur 58 Jugendliche im geschlossenen und zehn im offenen Vollzug ein, erklärte Damberg.

Bürgermeister Arthur Christiansen betonte, dass die Stadt voll hinter der Erweiterung und Modernisierung der Jugendanstalt stehe. Anke Spoorendonk dankte den städtischen Gremien für diesen Rückhalt und erinnerte an die heftigen Diskussionen, die es seinerzeit um die Errichtung des Gefängnisses gegeben hatte.

Die gestrige Grundsteinlegung nutzte die Justizministerin zugleich, um dem Leiter des Berufsbildungszentrums (BBZ), Hans Hermann Henken, einen Zuwendungsbescheid über eine Million Euro zu überreichen. Mit dem Geld, das aus Töpfen der EU und des Landes stammt, werden 18 BBZ-Mitarbeiter finanziert, die sich um die berufliche Qualifizierung der Inhaftierten kümmern. Die Mittel müssten jedes Jahr neu beantragt werden, erklärte Henken.

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erstellt am 25.Apr.2017 | 07:58 Uhr

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