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Immer weniger Kinder im Kreis Schleswig-Flensburg : Grundschulen kämpfen ums Überleben

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

„Wir waren schon sehr erschrocken, als wir diese Zahlen gesehen haben“, sagt Schulrätin Sybille Pahlke. Vor allem im ländlichen Bereich wurden wesentlich weniger Kinder angemeldet als noch vor einem Jahr angenommen.

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erstellt am 03.Dez.2013 | 07:45 Uhr

Das Netz der Grundschulen im Kreisgebiet ist immer noch recht eng gestrickt. Die Zahlen der Abc-Schützen sinken zwar schon seit Jahren, dennoch gibt es zwischen Schafflund, Kappeln und Erfde immer noch 46 Schulen für die Jüngsten. Doch die Schullandschaft wird sich verändern, davon ist die Schleswiger Schulrätin Sybille Pahlke überzeugt: „Im Prinzip befinden wir uns mitten in einer zweiten Schulstrukturreform.“ Nach der Veränderung in der Landschaft der weiterführenden Schulen treffe es jetzt die Grundschulen.

2012 hatte der Kreis Schleswig-Flensburg zuletzt seinen Schulentwicklungsplan aktualisiert und schon damals war die Tendenz deutlich erkennbar: Die Schülerzahlen würden vor allem im ländlichen Bereich deutlich sinken – in vielen Grundschulen unter die vom Bildungsministerium vorgegebene Grenze von 80 Kindern. „Und das war schon ein Kompromiss, ursprünglich sollte die Grenze bei 88 Kindern gezogen werden, weil Klassengrößen von 22 Schülerinnen und Schülern als Basis der Berechnungen dienen“, erklärt Sybille Pahlke. Standortschließungen konnten zwar vorerst meist vermieden werden, viele kleine Schulen aber büßten ihre Eigenständigkeit ein. Bergenhusen, Klein Bennebek, Grödersby, Tolk, Mohrkirch und Boren sind nur einige Beispiele für einst unabhängige Grundschulen, die inzwischen als Außenstellen von so genannten größeren Mutterschulen mitverwaltet werden. Mit dieser Veränderung fällt zwar der Posten des Schulleiters weg – aber es wird zumindest gewährleistet, dass der Standort erhalten bleibt.

Das aktuellste Beispiel dieser Art findet zurzeit im Bereich des Schulverbandes Stapelholm statt. Dort gibt es noch die Grund- und Regionalschule in Erfde, die Grundschule in Norderstapel und deren Ableger in Bergenhusen. Weil aber die Schüler ausbleiben, ist ein ungewöhnlicher Schnitt geplant: Der Regionalschulteil in Erfde wird abgekoppelt und unter der Regie der Schule in Kropp weitergeführt. Die drei Grundschulen bleiben erhalten – werden aber zu einer organisatorischen Einheit.

Ob solche Operationen auch noch in Zukunft ausreichen werden, ist allerdings fraglich. Inzwischen liegen beim Kreis Schleswig-Flensburg aktuelle Schülerzahlen und Prognosen vor – und die sprechen eine deutliche Sprache. „Wir waren schon sehr erschrocken, als wir diese Zahlen gesehen haben“, bekannte Schulrätin Sybille Pahlke. Vor allem im ländlichen Bereich wurden wesentlich weniger Kinder angemeldet als noch vor einem Jahr angenommen – und die Vorhersagen für das Schuljahr 2016/17 deuten auf eine rasante Talfahrt hin. Die einzige Ausnahme bildet das Flensburger Umland mit Harrislee und Handewitt – eine Region, die wirtschaftlich intakt und als Wohnort für junge Familien interessant ist.

Und die Konsequenz des Schülerschwundes? „Die Schulträger sind sich des Problems sehr wohl bewusst und handeln entsprechend. Zudem gibt es keine Schule, die akut gefährdet wäre“, sagt die Schulrätin. Sie weiß allerdings, dass die Schülerzahlen weiter sinken – und sich die Situation der kleinen Grundschulen dadurch zwangsläufig verschärft. „Wir stehen den Schulträgern für Beratungen jederzeit zur Verfügung“, sagt Sybille Pahlke. Es sei allerdings nicht auszuschließen, dass es auch Schließungen geben könnte. „Wenn zwei kleine Schulen räumlich nah zusammenliegen, müsste man vielleicht über so etwas nachdenken. Eine halbe Stunde Schulweg morgens und mittags sind auch für Grundschüler zumutbar. Und vielleicht ist eine solche Lösung ja auch im Sinne der Schulträger, die die Kosten für die Bauunterhaltung tragen müssen.“

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