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Schleswig : Grüne wollen Plastiktüten aus der Stadt verbannen

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die Grünen-Ratsfraktion fordert Runden Tisch in der Geschäftswelt . IGL-Chef Klaus Peter Jeß ist skeptisch: „Alternative Tüten haben eine geringe Akzeptanz.“

„Das Thema ist überfällig“, findet Johannes Thaysen. Seine Grünen-Fraktion will die Flut an Plastiktüten in Schleswig endlich eindämmen. Für die Ratsversammlung am kommenden Montag hat Thaysen einen Antrag eingereicht, wonach die Verwaltung beauftragt werden soll, einen Runden Tisch zum Thema Plastikmüll zu initiieren. In Gesprächen mit der IHK, Interessengemeinschaften wie der IGL oder Pro Lollfuß, den Beschickern der Wochenmärkte sowie den Discountern sollen die Geschäftsleute animiert werden, auf Plastiktüten und -verpackungen zu verzichten. „Alles soll auf freiwilliger Basis erfolgen“, sagt Thaysen.

In dem Antrag des Fraktionsvorsitzenden heißt es: „Plastiktüten sind eine ganz reale Plage, eine sehr lang anhaltende dazu. Denn bis sie sich vollständig zersetzt haben, vergehen je nach Kunststoff 100 bis 500 Jahre.“ Nur ein Teil des Plastikmülls werde recycelt, etwa 90 Prozent landeten auf Deponien. Und weltweit fänden rund 7,5 Millionen Tonnen Plastikmüll den Weg in die Meere, heißt es weiter.

Fakten, die weitgehend bekannt sind, aber die meisten Kunden dennoch nicht davon abschrecken, beim Einkauf zur Plastiktüte zu greifen. „Tüten aus Jute oder Papier werden von den Kunden bisher wenig akzeptiert, gerade bei schlechtem Wetter“, weiß Klaus-Peter Jeß, Geschäftsführer des Modehauses I.D. Sievers und zugleich Vorsitzender der Interessengemeinschaft Ladenstraße (IGL). Dass die Grünen das Thema angehen, findet er gut. „Das wird auch in unserem Bereich immer wieder diskutiert. Gegen einen Runden Tisch hätte ich nichts.“

Dennoch warnt er vor zu großen Illusionen. Denn: „Die Plastiktüte ist immer noch die preiswerteste Variante. Eine Jutetasche hingegen können wir nicht bei jedem Einkauf umsonst mitgeben. Das geht nicht, die kosten drei bis vier Euro.“ Auch fragt Jeß, ob eine Jutetasche mit einem entsprechenden Farbaufdruck wirklich die ökologischere Variante sei. „Das ist kein einfaches Thema.“

Johannes Thaysen ist gleichwohl zuversichtlich, dass der Grünen-Antrag auch von den anderen Ratsfraktionen mitgetragen wird. „Grundsätzlich gibt es eine breite Akzeptanz“, hat er festgestellt. Dass die Rufe nach einer möglichst Plastiktüten-freien Stadt verhallen könnten, glaubt Thaysen nicht. „Einige Läden in Schleswig verzichten bereits auf Plastiktüten.“ Allerdings räumt er ein, dass vor allem die Gespräche mit den Discountern schwierig werden dürften.

Thaysen will mit seinem Antrag aber nicht nur die Geschäftswelt sensibilisieren, sondern die Gesellschaft als Ganzes. Dazu sollen in der Frage der Abfallvermeidung auch Ideenwettbewerbe, etwa an Schulen, initiiert werden, erklärt er.

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erstellt am 25.Apr.2015 | 15:38 Uhr

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