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Abbiegen auch bei Rotlicht : Grüne Pfeile für Schleswig

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Neue Verkehrszeichen sollen die Wartezeiten an zwei Kreuzungen in der Stadt verkürzen.

Wenn Rot ist, ist Rot. Brav warteten Auto- und Zweiradfahrer gestern Nachmittag an der Ampel in der Gutenbergstraße. Dass sie in dem Moment trotzdem von der Rechtsabbiegespur auf die Schleistraße hätten fahren dürfen, war den meisten offensichtlich nicht bewusst. Dabei hatten die Umweltdienste um die Mittagszeit im Auftrag der Stadt einen grünen Pfeil am dortigen Ampelmast montiert. Und der erlaubt es, auch bei rotem Licht abzubiegen – jedenfalls dann, wenn dadurch keine anderen Verkehrsteilnehmer behindert werden.

Ein weiterer grüner Pfeil wurde an der Kreuzung Hermann-Clausen-Straße/Flensburger Straße im Norden der Stadt angebracht. Es sind die ersten Verkehrszeichen dieser Art überhaupt in Schleswig – und sie werden auch die einzigen bleiben.

Als es im März 2016 im Bauausschuss um das Verkehrskonzept der Stadt ging, hatte CDU-Mitglied Norbert Ehnert gefragt, ob man nicht grüne Pfeile installieren könnte. Daraufhin hatte die so genannte 45er-Runde, in der sich Experten von Polizei und Stadtverwaltung regelmäßig über die Verkehrssituation austauschen, sämtliche Knotenpunkte in Schleswig in Augenschein genommen. „Bei den meisten Kreuzungen war klar, dass sie zu unübersichtlich für einen grünen Pfeil sind“, erklärte Rathaussprecherin Antje Wendt nun. „Die Sicherheit geht vor.“ Und so bleibt es bei den zwei erwähnten Ampelanlagen, an denen ab jetzt die Wartezeiten verkürzt werden.

Nach Aussage von CDU-Kreisgeschäftsführer Rainer Haulsen hätte die Stadt solche Verkehrszeichen schon viel früher haben können. „Immer wieder haben wir die Verwaltung aufgefordert, diese Möglichkeit zu prüfen, um den Verkehr besser fließen zu lassen beziehungsweise unnötige Schadstoffausstöße bei Rotphasen zu verhindern.“ Bislang seien von der Verwaltung immer rechtliche Bedenken angeführt worden, warum dies nicht möglich sei. Haulsen: „Was in ganz Deutschland und dem europäischen Ausland funktioniert, war in Schleswig bisher leider nicht möglich.“

Der grüne Blechpfeil – im Amtsdeutsch „Grünpfeil“ genannt – ist ein Relikt aus der DDR. Dort war er bereits 1978 eingeführt worden. Nach der Wiedervereinigung sollte der grüne Pfeil zunächst abgeschafft werden, wurde nach massiven Protesten in der Bevölkerung aber in die bundesdeutsche Verkehrsordnung aufgenommen. Seitdem findet man ihn aufgrund seiner Zweckmäßigkeit auch in den alten Bundesländern an vielen Kreuzungen. In Flensburg etwa wurde er schon 1995 eingeführt.

Gleichwohl sorgt das Verkehrszeichen Nr. 720 bei vielen Autofahrern zuweilen immer noch für Verwirrung. Wer trotz grünen Pfeils stehen bleibt, erntet in der Regel Hupkonzerte der nachfolgenden Fahrzeuge. Dabei besteht beim Grünpfeil keine Pflicht zum Rechtsabbiegen, wenn die Ampel auf Rot steht.

Andererseits muss ein Rechtsabbieger, bevor er bei Rot weiterfährt, zwingend an der Haltelinie stehen bleiben und sich vergewissern, dass kein Querverkehr kommt und er auch keine Fußgänger oder Radfahrer behindert. Wer einfach abbiegt, ohne vorher angehalten zu haben, und dabei erwischt wird, muss ein Bußgeld von 70 Euro zahlen und kassiert einen Punkt in Flensburg. Bei Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer fällt die Geldbuße noch höher aus.

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