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Schleswig : Grüne kritisieren Architekten-Entwurf

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Streit um geänderte Pläne für den Bau einer Pflegeeinrichtung auf dem „Stadt Hamburg“-Gelände: Die Mehrheit der Ratsversammlung stimmt dem neuen B-Plan dennoch zu.

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erstellt am 24.Feb.2016 | 07:53 Uhr

Für ein Projekt dieser Dimension und mit dieser herausragenden Bedeutung für die Entwicklung der Stadt Schleswig lief bislang alles erstaunlich glatt. Jetzt aber, wo die Pläne für den Bau einer Senioreneinrichtung auf dem Grundstück des ehemaligen Hotels „Stadt Hamburg“ so gut wie in trockenen Tüchern sind, regt sich doch noch Widerstand. Der Grund sind die überarbeiteten Pläne des Investors, die nicht bei allen Schleswiger Ratsmitgliedern auf Begeisterung stoßen.

„Zugegeben, die ersten Entwürfe haben uns allen besser gefallen als die neuen“, erklärte Bauausschuss-Vorsitzender Klaus Bosholm (SPD), als die Ratsversammlung am Montagabend Grünes Licht geben sollte für die notwendige Bebauungsplan-Änderung für das ambitionierte Projekt, dessen Investitionsvolumen im höheren einstelligen Millionenbereich liegt. Bereits unmittelbar im Vorfeld der Versammlung hatte sich der Bauausschuss auf einer eigens zu diesem Thema einberufenen Sondersitzung mit den Plänen beschäftigt – und auch dort hatte es bereits heftige Diskussionen gegeben.

Insbesondere die Grünen äußerten dabei ihren Unmut. Zum einen, weil ihnen die neuen Entwürfe ästhetisch nicht zusagten. Zum anderen aber auch, weil man sich zu spät durch die Verwaltung über die Planänderungen informiert fühlte. „Ich sehe diese ganze Sache sehr kritisch. Die neuen Planungen sind dem Rathaus seit Ende letzten Jahres bekannt, und wir bekommen sie erst wenige Tage, bevor wir darüber abstimmen, auf den Tisch. Das hat mit einem transparenten Verfahren nichts zu tun“, monierte Steffen Hempel. Fraktionsvorsitzender Johannes Thaysen betonte derweil den „exponierten Standort“ für das Bauprojekt in direkter Nachbarschaft zu Schloss Gottorf und dem Zollhaus. „Deshalb muss dort für ein Neubauprojekt auch ein besonderer Anspruch an die Ästhetik gelten. Es geht doch nicht, dass die Funktionalität bei diesem Bau die Hauptrolle spielt.“ Insbesondere die schlichte Gestaltung der Außenfassade mit quadratischen Fenstern und einem einfachen Satteldach missfalle ihm. „Das Ganze hat ja fast Knastcharakter“, fasste Thaysen zusammen.

Hintergrund für die Planänderungen ist, dass der Architekt, der für den ersten Entwurf verantwortlich ist, im vergangenen Jahr verstorben ist. Andreas Anspach, Geschäftsführer des Investors Vitacare, der auch das Pflegeheim in der Stampfmühle betreibt, engagierte daraufhin ein anderes Büro. Zudem nahm er „inhaltliche Anpassungen“ vor, die sich nun offenbar in der Konzeption der Gebäude widerspiegeln. Statt einer reinen Senioren-Pflegeeinrichtung sind jetzt auch Fachbereiche für Menschen mit Demenz und für palliative Versorgung geplant.

„Ich bin überzeugt davon, dass dieses Bauprojekt ein Gewinn für die Stadt ist“, betonte Klaus Bosholm schließlich. Dass vor dem Gebäudekomplex ein kleiner Platz entsteht und es künftig zudem einen direkten Fußweg über das Gelände Richtung Schlossinsel gibt, „davon werden sicherlich viele Schleswiger profitieren“. Die Vorwürfe der Grünen könne er nicht nachvollziehen, insbesondere nicht den „Knast“-Vergleich von Johannes Thaysen. „Man muss mal aufpassen, wie man was sagt“, betonte Bosholm und bekam dabei Rückendeckung von der CDU. „Es gab und gibt Gespräche mit dem Investor. Der hat auch Diskussionsbereitschaft signalisiert“, sagte Helge Lehmkuhl. Deshalb müsse man das Verfahren nicht – wie von den Grünen vorgeschlagen – durch neue Vorgaben und Beschlüsse weiter in die Länge ziehen, sondern dem Investor und der Verwaltung „einfach mal Vertrauen schenken“. Und FDP-Ratsherr Jürgen Wenzel betonte: „Auf dem Gelände ist zwölf Jahre lang nichts passiert. Demokratie ist immer auch die Kunst des Möglichen – und diese Pläne sind offenbar möglich.“

Am Ende stimmte die Ratsversammlung für die Änderung des B-Plans und stellte somit eine wichtige Weiche für die endgültige Realisierung des Bauprojektes. Einzig die Vertreter der Grünen – Johannes Thaysen, Steffen Hempel und Babette Tewes – stimmten dagegen.

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