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Schleswiger Nachrichten

24. Oktober 2017 | 11:45 Uhr

Großformatige Nacktheit

vom

Weniger sein Gemälde von nackten Offizieren, als vielmehr seine Porträts machten Matthiesen bekannt

shz.de von
erstellt am 30.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Schleswig | Als Künstler bevorzugte er das Monumentale: Die Arbeiten des Malers Oscar Matthiesen waren meist so großformatig, dass sie jeden Ausstellungsraum dominierten. Eines seiner berühmtesten Riesen-Werke ist das Freskengemälde vom Plenum des konstituierenden Reichstages, das im Kopenhagener Schloss Christiansborg zu sehen ist. Von 1917 bis 1923 hat Matthiesen daran gearbeitet. Es entstand eine Komposition von 225 Einzelporträts. Aufsehen erregte er auch mit einem weiteren Kolossalgemälde, das nackte schwedische Dragoneroffiziere zeigt, die zum Baden ins Meer reiten. Die Debatte, die er damit ausgelöst hatte, trug sogar skandalumwitterte Züge und schlug europaweit Wellen. Die Kunstkritik sah das nüchterner: "Es ist ein etwas panoramenhaft wirkendes, breit gemaltes Bild voll Leben, Bewegung und kräftiger Lichtwirkung, das seinem jungen Schöpfer alle Ehre macht", urteilte "Die Kunst" 1907.

Oscar Adam Otto Wilhelm (oder: William) Matthiesen - so sein vollständiger Name - kam am 8. Juli 1861 in Schleswig zur Welt. Sein Vater war Branddirektor und königlicher Hausvogt. Seine Mutter stammte aus dem alten Adelsgeschlecht derer von Staffeldt. Sohn Oscar begann seinen Weg, der ihn später in die etablierte Kunstwelt führen sollte, mit einer Malerlehre in seiner Geburtsstadt. Kaum war sein künstlerisches Talent erkannt, bezog er - noch 16-jährig - die königliche Kunstakademie in Kopenhagen. 1883 hatte er seine erste Ausstellung.

Er verließ 1884 die Akademie, um sich bei dem Skagenmaler Peder Severin Krøyer weitere Techniken anzueignen und zusätzliche Anregungen zu holen. Seine erste öffentliche Auszeichnung wurde Matthiesen im Jahr 1885 zuteil: Die Kunstakademie zeichnete eine Arbeit von ihm mit der Goldmedaille aus. Es sollten weitere Ehrungen folgen.

Matthiesen fühlte sich stark von der Kunstmetropole Paris angezogen, besonders von der Person und dem Malstil Pierre Puvis de Chavannes. Von ihm ließ er sich während seines einjährigen Paris-Aufenthalts inspirieren. Vor allem Matthiesens Vorliebe für monumentale Werke wird dem Einfluss von Puvis de Chavannes zugeschrieben. Gemälde, die an der Seine entstanden sind, legen davon Zeugnis ab. Mit ihnen näherte er sich der Freskomalerei an und entwickelte in dieser Technik ein neues Verfahren, das er im renommierten "Kunstgewerbeblatt", das in Leipzig erschien, detailliert vorstellte. "Das neue Verfahren (…) scheint berufen, der Wandmalerei sowohl im Freien wie im geschlossenen Raume eine neue, sichere Grundlage zu geben", fügte die Redaktion der Fachzeitschrift hinzu und verwies auf verschiedene praktische Versuche Matthiesens in München, Berlin und Kopenhagen. Die von ihm erprobte Methode der Erhärtung des Kalkmörtels durch komprimierte Kohlensäure fand daraufhin in ganz Europa Anwendung - ein Verfahren, das sich Matthiesen patentieren ließ.

Oscar Matthiesen, der 1893 vom dänischen Staat als Regierungskommissar für die Bildenden Künste zur Weltausstellung nach Chicago entsandt worden war und sich anschließend zu Studienzwecken in Italien aufgehalten hatte, erhielt 1898 von der preußischen Regierung einen Ruf nach Berlin, wo er an der Akademie der Künste und im Kunstgewerbemuseum einen großen Kreis von Kunstschülern vor allem in der Freskomalerei unterrichtet hat. Weitere Auslandsreisen führten ihn nach Russland und in den Fernen Osten (Singapur, China, Bangkok und Indien).

Nach Kopenhagen zurückgekehrt, wurde er 1909 zum Professor an der Kunstakademie ernannt. Er lebte und arbeitete in der dänischen Metropole, besaß darüber hinaus ein reetgedecktes Sommerhaus in Nymindegab an der Westküste. Lang ist die Liste der Ausstellungen, in denen Arbeiten von Matthiesen präsentiert wurden.

Der Künstler machte sich nicht nur einen Namen als Freskenmaler, sondern auch als Porträtist. Namentlich in den 1920er und 30er Jahren entstanden zahlreiche Porträts von markanten Persönlichkeiten aus Politik und Gesellschaft. Auch Selbstporträts sind überliefert. Matthiesen war bis ins hohe Alter aktiv. Er starb mit 96 Jahren am 28. Dezember 1957 in seinem idyllisch gelegenen Heim "Lille Mölle" auf dem ehemaligen Kopenhagener Festungswall.

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