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Förderzentrum Schleswig-Kropp : Große Sorgen im Jubiläumsjahr

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Vor 100 Jahren wurde die "Hilfsschule für die Stadt Schleswig" gegründet - die Zukunft sieht nicht nur rosig aus.

shz.de von
erstellt am 04.Okt.2013 | 22:30 Uhr

Ein besonderes Jubiläum für eine Schule, die gar keine eigenen Schüler und auch kein Gebäude hat: Vor 100 Jahren wurde die „Hilfsschule der Stadt Schleswig“ gegründet. Zum Auftakt besuchten 50 Kinder die neue Lehranstalt. 1949 wurde sie in Pestalozzischule umbenannt, 2009 entwickelte sie sich weiter zum heutigen „Förderzentrum Schleswig-Kropp“. Mit einer Feierstunde in der Aula der Georg-Wilhelm-Pfingsten Schule erinnerte Sonderschulleiter Lars Krackert an die Geschichte seiner Schule und begrüßte an der Seite von Hausherr Ingo Degner rund 100 Gäste, darunter das Kollegium und ehemalige Lehrer.

Gerne hätte Krackert die jüngsten Umstrukturierungen rund um Stundenabbau im Förderbereich und Lehrerausbildung mit Bildungsministerin Waltraud Wende diskutiert, die jedoch kurzfristig absagen musste. Erhebliche Kürzungen bei der Unterrichtsversorgung bereiten Krackert derzeit Sorgen. Im Vergleich zum Vorjahr wurde die Zahl der Lehrerwochenstunden um rund 100 gekürzt. „Im Jubiläumsjahr hätte ich mir ein anderes Geschenk gewünscht“, sagte Krackert. Bildungsarbeit sei Beziehungsarbeit. „Wenn Teams im Förderbereich der Schulen getrennt werden, brauche ich Monate bis Jahre, um den Stand wieder aufzuholen“. Ziel des Förderzentrums sei es, allen Schülern mit Förderbedarf den höchstmöglichen Schulabschluss zu ermöglichen.

Das Förderzentrum hat die integrative Beschulung von Schülern mit Förderbedarf zu seiner Aufgabe gemacht und unterstützt die Weiterentwicklung zu einer inklusiven Bildung – und dieses an 26 Kooperationsschulen aller Schularten sowie an 42 Kindertagesstätten. Unter dem Motto „Es ist normal, verschieden zu sein“ ist das Förderzentrum-Team von 44 ausgebildeten Sonderpädagogen täglich auf 700 Quadratkilometern – von Böklund bis Erfde, und Fahrdorf bis Treia unterwegs, um rund 6300 Schüler mit sonderpädagogischen Lernbedarf von den Grundschulen, allen Schularten mit Gymnasien und dem Berufsbildungszentrum zu fördern – und das mit Erfolg. Durch die Entscheidung der Schulkonferenz im Jahr 2006, keine Schüler mehr im eigenen Haus aufzunehmen, waren die Schulen vor Ort gezwungen, in die Bresche zu springen. Im Gegenzug wurde die Versorgung durch sonderpädagogische Lehrkräfte kontinuierlich erhöht – so konnte über die Jahre die volle Integrationsquote erreicht werden. Seit 2013 werden alle Schüler mit sonderpädagogischen Förderbedarf integrativ beschult, berichtete Krackert. Mit seinem Rückblick auf die Entwicklungsgeschichte offenbarte der Schulleiter den langen Weg seiner Schule, die keine eigenen Schüler hat: Von der Hilfsschule bis hin zu einem modernen regionalen Förderzentrum Lernen mit einer Inklusionsquote von 100 Prozent - bundesweit einen Spitzenplatz. Als ausgebildeter Sonderschullehrer lobte Jan Stargardt vom Bildungsministerium das Team um seinen früheren Kommilitonen Krackert. „Mit einem hochqualifizierten, engagierten und außergewöhnlich phantasievollen Team ist diese Schule ein Vorbild in Sachen individueller, leistungs- und schülerorientierter Förderung“. Mit Hochdruck arbeite das Ministerium derzeit an einem Konzept für Inklusion, das im Frühjahr 2014 vorgestellt werde.

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