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Schleswiger Stadtmuseum : Große Emotionen aus der Tierwelt

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Das Stadtmuseum zeigt ab Freitag die prämierten Bilder des Wettbewerbs „Europäischer Naturfotograf des Jahres 2016“.

Der Bär, so scheint es, schiebt sein Boot nach beendeter Fahrt zurück ans Ufer. Die Aufnahme des finnischen Fotografen Ilkka Niskanen wirkt wie ein sensationeller Schnappschuss, ist aber in Wirklichkeit das Ergebnis von Wissen, Geduld und einer gehörigen Portion Glück. „Der Bär kennt das Boot seit Langem, und der Fotograf weiß das und hat auf einen richtigen Moment gewartet“, erklärt Dörte Beier, Leiterin des Schleswiger Stadtmuseums. Das Foto „Bootsfahrer“ gehört zur Ausstellung „GDT Europäischer Naturfotograf des Jahres 2016“, die gestern Abend im Stadtmuseum eröffnet wurde. Die Schau mit Aufnahmen in acht Kategorien umfasst 87 Werke und ist bis zum 5. Juni zu sehen.

Es ist nun schon das fünfte Mal, dass die Gesellschaft Deutscher Tierfotografen (GDT) die prämierten Bilder ihres jährlichen internationalen Wettbewerbs in Schleswig zeigt. 1100 Amateur- und Profifotografen aus 38 Ländern hatten dieses Mal 18  000 Motive eingereicht. Aktuell läuft die Ausschreibung für den Wettberwerb 2017.

Die prämierten Tier- und Landschaftsbilder sind teilweise spektakulär. So wie das Foto „Ein Atemzug in der Polarnacht“, mit dem der Norweger Audun Rikardsen den Gesamtsieg einheimste. Es zeigt einen Luft holenden Schwertwal an der Wasseroberfläche in einem Fjord in der Nähe von Tromsø in Nordnorwegen. Die eisigen Wetterverhältnisse an einem dunklen, nebelverhangenen Morgen hatten den Fotografen vor eine große Herausforderung gestellt, erzeugten aber auch eine geradezu mystische Stimmung. Rikardsen ist in der Ausstellung mit gleich vier Bildern vertreten und darf sich neben dem Gesamtsieg auch über den „Fritz-Pölking-Preis“ freuen, mit dem das Gesamtwerk eines Künstlers ausgezeichnet wird.

„Ein Atemzug in der Polarnacht“: Das Gesamtsiegerfoto gelang dem Norweger Audun Rikardsen.
„Ein Atemzug in der Polarnacht“: Das Gesamtsiegerfoto gelang dem Norweger Audun Rikardsen. Foto: GDT ENJ 2016, Audun Rikardsen
 

„Die GDT will mit Emotionen für den Schutz der Natur werben“, sagt Beier. Nicht immer ist es dabei die Ästhetik, die den Betrachter in ihren Bann zieht. Gezeigt werden auch die ganze Dramatik der Wildnis, etwa wenn ein Krokodil das herausgerissene Herz eines Warzenschweins verspeist. Und auch der Konflikt zwischen Mensch und Natur wird thematisiert, zum Beispiel mit der Aufnahme eines Wales, der sich in einem Kabel verfangen hat und zu verenden droht. Auch das Foto eines Rangers, der einem toten Rhinozeros mit einer Kettensäge das Horn abgetrennt hat, hinterlässt ein Gefühl von Beklemmung. Ungewöhnliche Perspektiven vermitteln zuweilen Makro-Aufnahmen wie die von den Armen einer Gottesanbeterin.

Für Beier, die zuvor jahrelang als Kuratorin in Schleswig gearbeitet und Anfang März offiziell die Nachfolge des langjährigen Museumsleiters Holger Rüdel angetreten hat, ist es die erste Foto-Ausstellung, die sie inhaltlich verantwortet. Sie lässt keinen Zweifel daran, dass solche Foto-Schauen wie unter ihrem Vorgänger ein Markenzeichen des Hauses bleiben sollen. Die letztjährige Naturfoto-Präsentation lockte innerhalb von zwei Monaten immerhin 4684 Besucher an. „Die Ausstellung lief sensationell“, sagt Beier, die natürlich wieder auf ein ähnlich gutes Ergebnis hofft.

Die Foto-Schauen werden aber kein Selbstgänger mehr sein. So verweist Julia Pfannkuch, Leiterin des Fachbereichs Bürgerservice im Rathaus, auf den für das Stadtmuseum verhängten Sparkurs: „Da ist in Zukunft viel Kreativität gefragt.“

 


> Öffnungszeiten des Stadtmuseums (Friedrichstraße 9-11): Dienstag bis Sonntag 10-17 Uhr. Eine erste Führung durch die Ausstellung wird an diesem Sonntag, 15 Uhr, angeboten; Kosten: drei Euro zzgl. Eintritt.

 

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erstellt am 07.Apr.2017 | 07:35 Uhr

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