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Theater in Schleswig : Grisebach will nicht im Zelt spielen

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Umbau der „Heimat“: Chef des Landestheaters hofft, zwei weitere Jahre im Slesvighus bleiben zu können.

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erstellt am 30.Apr.2016 | 08:15 Uhr

Ein Raumplan ist entworfen, jetzt geht es um die Details – und natürlich die Kosten: Die Schleswiger Kommunalpolitik wird in den nächsten Wochen über den Umbau der „Heimat“ zum neuen Kulturzentrum entscheiden. Für den 17. Mai ist eine Sondersitzung der Ratsversammlung anberaumt, in der es auch darum gehen wird, ob die Stadt das Konzept von Varieté-Veranstalter Mario Hoff kauft. Protest gegen dieses Vorhaben kommt von den Grünen, denen der aufgerufene Preis von 150  000 Euro zu hoch ist.

Den Raumplan hat der Architekt Bernd Köster entworfen, der im Jahr 2000 das Flensburger Theater umgebaut hat. In seinen Entwurf sind auch die Vorstellungen von Peter Grisebach, Geschäftsführer und Generalintendant des Landestheaters, eingeflossen. „Es wurde alles aufgelistet, was nötig ist, damit das Landestheater sein komplettes Programm inklusive Musik- und Tanztheater anbieten kann“, erklärt Grisebach. Was davon umgesetzt werden kann, ob am Ende ein Bühnenturm gebaut und wie hoch dieser sein wird – alles eine Kostenfrage. Wolfgang Schoofs, der als Geschäftsführer der zum Stadtwerke-Verbund gehörenden Kommunalbetriebe GmbH das ehemalige Bundeswehr-Mannschaftsheim für eine Million Euro gekauft hat, will sich noch nicht auf eine Summe festlegen. Er rechnet jedoch damit, dass der Umbau um die fünf Millionen Euro kosten dürfte. Geplant sei beispielsweise, über dem großen Saal ein neues Dach einzuziehen und so mehr Höhe zu gewinnen, damit die (verschiebbare) Zuschauertribüne besser untergebracht und zugleich eine bessere Akustik erzielt werden kann. Bis zum Sommer, so Schoofs, solle die Planungsphase abgeschlossen sein. Anfang 2017 wolle man mit den Bauarbeiten beginnen. Zwei Jahre später soll das Kulturzentrum auf der Freiheit fertig sein – und 800 bis 1000 Besuchern Platz bieten.

Für die Übergangszeit schwebt Schoofs vor, dass sowohl Mario Hoff als auch Peter Grisebach in einem etwa 800 Plätze fassenden Theaterzelt spielen – ein Vorschlag, der in der Theater-Lenkungsgruppe auf Zustimmung stößt. Andere Städte hätten gute Erfahrungen mit solch einer Lösung gemacht, sagt Schoofs. Auch seien die Zeltveranstaltungen während der Landesgartenschau in Schleswig erfolgreich gewesen.

Die Kosten für das Zelt würden sich auf annähernd 200.000 Euro pro Jahr belaufen. „Schleswig wird in dieser Zeit nicht auf das Programm der ‚Heimat‘ verzichten müssen“, freut sich Varieté-Macher Hoff auf das Provisorium. „Das Zelt bietet eine Riesenchance. Man kann damit Emotionen schüren, Leute begeistern.“

Generalintendant Grisebach ist da ganz anderer Meinung. „Ein Zelt ist ein Zelt. Es erfüllt nicht die Voraussetzungen für klassisches Theater“, sagt er. „Stellen Sie sich vor, Sie spielen Käthchen von Heilbronn, und der Regen prasselt aufs Dach – da bleibt von Heinrich von Kleist nicht mehr viel übrig.“ Überhaupt könne man den Abonnenten des Landestheaters nicht zumuten, von einem Provisorium ins nächste zu ziehen. Grisebach hofft, das Slesvighus doch noch für weitere zwei Jahre mieten zu können. Nachdem die Stadt den 2017 auslaufenden Pachtvertrag mit dem dänischen Kulturverein SSF nicht verlängert hat, hat dieser angekündigt, das Slesvighus künftig ausschließlich für eigene Zwecke zu nutzen. Eine weitere Vermietung, hieß es, komme allenfalls bei einer Summe von 300.000 Euro pro Jahr in Frage. Ein Preis, den die Politik keinesfalls zu zahlen bereit ist.

Grisebach glaubt indes, dass das letzte Wort in dieser Angelegenheit noch nicht gesprochen ist. „Vielleicht gibt es ein Modell, bei dem alle ohne Gesichtsverlust herausgehen“, sagt er. Vorstellbar sei auch, dass das Landestheater selbst als Mieter auf den Plan tritt. Jens A. Christiansen, Generalsekretär des Sydslesvigsk Forening (SSF), war gestern nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Stadtwerke-Chef Schoofs räumt ein, dass das Landestheater bei der Zelt-Variante Abstriche machen müsste. „Ich glaube aber, dass wir eine gute Lösung präsentiert haben, und wünsche mir, dass wir zu einem Kompromiss kommen. Mit dem Zelt würden wir zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen.“

Die Schleswiger Wirtschaft macht sich derweil Sorgen, dass die Stadt vielleicht doch nicht das „Heimat“-Konzept kauft. Es wäre schlimm, wenn man Mario Hoff mit seinem erfolgreichen Varietétheater verlieren würde, sagt Holger Böttcher, Geschäftsführer von Elektro Brix und Mitglied der „Koalition der Willigen“. Das Bündnis aus vier Unternehmern hatte 2012 den Aufbau der „Heimat“ mit seiner Finanzierung überhaupt erst ermöglicht. „Mit der ‚Heimat‘ hat Schleswig ein Alleinstellungsmerkmal“, findet auch Wolfgang Harm, Vorsitzender des Gewerbevereins St. Jürgen. Böttcher sieht daher die Stadt in der Pflicht und droht: „Wenn das Konzept nicht übernommen wird, bin ich der erste, der es kauft und damit nach Flensburg geht.“

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