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Schleswig : Grippekranke füllen die Notaufnahme

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Immer mehr Patienten gehen lieber ins Krankenhaus als zum Hausarzt – und müssen oft lange Wartezeiten in Kauf nehmen.

Die Grippewelle ist da – und auch Schleswig geht vor ihr auf die Knie. Allein an einem Vormittag dieser Woche hatte Hausarzt Dr. Ralf-Günter Wegers etwa 60 Patienten in seiner Praxis in der Memeler Straße: „Das habe ich lange nicht mehr so erlebt“, sagt er. Schniefende, hustende und schlimmstenfalls fiebrige Patienten schleppen sich derzeit in die Praxen der Hausärzte und Fachmediziner – aber zunehmend auch in die Notaufnahme des Krankenhauses. Das Problem dabei: Immer mehr Patienten bevorzugen die Notaufnahme, selbst wenn ihre Beschwerden es eigentlich zuließen, in eine normale Arztpraxis zu gehen. Oberarzt Dr. Marco Kaulfuß, Ärztlicher Leiter der Zentralen Notaufnahme im Schleswiger Krankenhaus, und Pflegeleiterin Britta Petersen sehen dadurch eine wachsende Arbeitsbelastung für das Klinikpersonal.

Denn wegen kontinuierlich steigender Patientenzahlen in der Notaufnahme, insbesondere in der Grippezeit, müssen nun in sehr viel stärkerem Maße die dringlichen von den weniger dringlichen Fällen unterschieden werden. „Wir müssen sortieren“, erklärt Kaulfuß, „denn mindestens jeder vierte Patient, der bei uns in der Notaufnahme sitzt, könnte theoretisch auch zum Hausarzt gehen.“

Die Zentrale Notaufnahme im Krankenhaus ist rund um die Uhr mit dem Fachpersonal der Klinik besetzt. Aufgabe der Notaufnahme ist es, jeden Patienten zu behandeln. Doch streng eingehalten wird die medizinisch bedingte Reihenfolge. Wer als Nächster drankommt, entscheidet sich ausschließlich nach dem Schweregrad des Krankheitsbildes eines Patienten – und richtet sich nicht danach, zu welchem Zeitpunkt dieser in die Notaufnahme gekommen ist. Oberarzt Kaulfuß nennt den Begriff „Triage“ – der bezeichnet das System der Sichtung und Einteilung von Patienten in einer Notaufnahme und ist ein Standardverfahren in fast allen Kliniken. Britta Petersen und ihre Kollegen in der Notaufnahme haben dazu eine Spezialausbildung als Triage-Pfleger absolviert. Die befähigt sie dazu, jeden Neuankömmling in der Notaufnahme nach Dringlichkeit seines Zustandes in die Behandlungs-Reihenfolge einzuordnen. Kaulfuß: „Dieses Verfahren des Priorisierens unter den Patienten ist erforderlich, damit diejenigen mit lebensbedrohlichen Erkrankungen zuerst behandelt werden und nicht etwa hinter einem Erkältungsfall zurückstehen müssen.“ Denn in der Notaufnahme sei das Patienten-Aufkommen zu keinem Zeitpunkt planbar, sagt er.

Was sind nun die Gründe dafür, dass die Notaufnahme immer mehr Patienten anzieht? „Das Problem wird sich in Zukunft sogar noch weiter verstärken, wenn weitere Hausarzt-Praxen schließen, weil sie keine Nachfolger finden“, meint Kaulfuß. Hinzu kommt, dass einige Patienten den Klinik-Service schätzen. Etwa, dass Fachärzte mit ihren Spitzengeräten vor Ort sind (und man somit die lange Wartezeit auf einen Facharzt-Termin zu umgehen glaubt) oder dass Laboruntersuchungen gemacht werden können. Dabei entstehen einer Klinik Kosten, die sie nicht in der tatsächlichen Höhe abrechnen kann. Bei jeder ambulanten Behandlung eines Patienten hat die Klinik ein Minus von ungefähr 100 Euro zu verzeichnen.

Neben der Notaufnahme der Klinik hat auch die Anlaufpraxis der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) ihre Räume nahe dem Eingangsbereich des Krankenhauses. Diesen ärztlichen Bereitschaftsdienst üben die niedergelassenen Ärzte aus – und zwar außerhalb der normalen Sprechstunden-Zeiten. Bis zu 60 Allgemeinmediziner aus Schleswig und dem näheren Umkreis teilen sich diesen Bereitschaftsdienst.

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erstellt am 04.Mär.2015 | 07:38 Uhr

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