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Schleswiger Nachrichten

22. August 2017 | 20:40 Uhr

Schleswig : Graukloster-Freunde geben auf

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Der Förderverein für das Graukloster hat sich aufgelöst. Gründer Jens Nielsen hofft aber weiter auf mittelalterliche Tafelrunden in dem historischen Gebäude.

Wo vor 500 Jahren Franziskanermönche beteten, brüten heute Kommunalbeamte über den Haushalt der Stadt Schleswig. Das mittelalterliche Graukloster ist in der Öffentlichkeit nur wenig bekannt. Es ist seit vielen Jahren ein Teil des Schleswiger Rathaus, auch wenn die Räume gelegentlich für kleine Ausstellungen geöffnet werden. Der Stadtführer und Erlebnispädagoge Jens Nielsen möchte das schon seit Jahren ändern. Seine Bemühungen haben nun zum wiederholten Male einen Rückschlag erlitten. Der Förderverein für das Graukloster, den er zusammen mit einigen Mitstreitern vor gut anderthalb Jahren gegründet hatte, hat sich aufgelöst. Die Streichung aus dem Vereinsregister wird in Kürze offiziell bekannt gemacht. „Wir sehen keine Chance mehr, unseren Vereinszweck zu erfüllen“, sagt Nielsen. Er beklagt die fehlende Bereitschaft zur Zusammenarbeit auf Seiten der Stadt Schleswig als Eigentümerin des Grauklosters. „Mein Problem ist, dass ich nicht zum Schleswiger Klüngel gehöre“, vermutet er.

Ganz aufgegeben hat er es indes noch nicht, die alten Mauern mit mehr Leben zu füllen. Nach wie vor plant er, mit seiner „Agentour Zeitensprung“ mittelalterliche Tafelrunden anzubieten. Zwei Mal hat er eine solche Veranstaltung testweise angeboten. Das war 2011. „Das Interesse war riesengroß“, sagt Nielsen. Wenig später stellte er sein Vorhaben im städtischen Kulturausschuss vor. Dort stieß er auf offene Ohren. Die Kommunalpolitiker baten die Verwaltung, dafür zu sorgen, dass Nielsens Veranstaltungen weiterhin stattfinden können.

Geschehen ist das bisher nicht. Stattdessen erhielt Nielsen eine E-Mail aus dem Rathaus, in der ihm erklärt wurde, die Ausschlussmitglieder hätten zwar „die Durchführung der von Ihnen geplanten Veranstaltungen im Graukloster begrüßt“, sie könnten sich „aber nicht über gesetzliche Vorgaben hinwegsetzen“. Bei einer Ortsbesichtigung sei nämlich festgestellt worden, dass das Graukloster für gastronomische Veranstaltungen nicht geeignet sei. Auf SN-Nachfrage verwies die Stadtverwaltung gestern auf Einwände des Kreisveterinäramtes. Dort – im Veterinäramt – bestätigt man, dass es Auflagen gebe. Diese seien aber ohne große Probleme erfüllbar. Zum Beispiel müsste ein Handwaschbecken vorhanden sein. Stadt-Sprecherin Antje Wendt hingegen spricht von Kosten in Höhe von 57  000 Euro, für die im Haushalt keine Mittel bereitstünden. „Unabhängig davon wäre noch zu prüfen, ob die damit verbundenen Eingriffe in die Bausubstanz des ehemaligen Franziskanerklosters im Einklang mit der historischen und kulturellen Bedeutung des Gebäudes stehen“, so Wendt. Nielsen sagt, auf Seiten Verwaltung werde immer wieder der falsche Eindruck erweckt, er wolle direkt im Kloster Essen zubereiten. Wendt bestreitet das.

Das Tischtuch zwischen dem Erlebnispädagogen, der sich gern in mittelalterliche Mönchsgewänder kleidet, und den Beamten, die heute das Graukloster bevölkern, scheint schon seit langem zerschnitten. Anfang 2011 hatte der damalige Bürgermeister Thorsten Dahl Nielsens Wunsch, im Kloster öffentliche Veranstaltungen anzubieten, mit dem Hinweis auf fehlende Barrierefreiheit abgelehnt. Das sorgte für Aufsehen, weil Dahl daraufhin auch den repräsentativen Ständesaal für externe Veranstaltungen sperrte.

Nielsen hatte nach dem Wechsel im Bürgermeisteramt auf einen Neuanfang gehofft – wurde aber enttäuscht. Dahls Nachfolger Arthur Christiansen erklärte, er könne im Hause „keine Fehler in der bisherigen Bewertung erkennen“. Den Wunsch des nun aufgelösten Fördervereins aus dem vergangenen Sommer, ein Fest zum 780-jährigen Bestehen des Grauklosters zu feiern, lehnte der neue Bürgermeister mit dem Hinweis ab, die Stadt plane für den November eine eigene Feier. Die hat dann tatsächlich stattgefunden – mit einem in der Öffentlichkeit kaum beachteten Fachvortrag zur Bau- und Nutzungsgeschichte des Gebäudes und einem halbstündigen Stehempfang. Parallel wurde ein Gedenkstein enthüllt, der an die Hexenverfolgung vor rund 450 Jahren erinnert. Auch für dieses Thema hatte Nielsen sich jahrelang beharrlich eingesetzt – am Ende mit Erfolg.

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erstellt am 03.Feb.2015 | 07:45 Uhr

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