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Olpenitz : Granatenreste aus dem Krieg am Badestrand

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

An der Ostseeküste werden immer wieder Treibladungen für Granaten angespült. Wahrscheinlich handelt es sich um Altlasten aus dem Zweiten Weltkrieg. Der Kampfmittelräumdienst will die betroffenen Strände im Auge behalten.

Brisante Hinterlassenschaften des Zweiten Weltkriegs an den Küsten des Landes sorgen immer wieder für Schlagzeilen, zuletzt als im Sommer 2012 in Heidkate (Kreis Plön) ein Kind einen gelblichen Stein aufgehoben hatte. Tatsächlich hatte der Junge ein explosives Chemikaliengemisch eingesteckt – Sprengstoff aus einer verklappten Mine, einem Torpedo oder einer Wasserbombe. Derart spektakulär sind die Funde nicht, die man an Strandabschnitten im Kreisgebiet macht, dafür liefert das Meer aber permanent Nachschub.

Wann immer der Wind die Wellen etwa an den beliebten Strand von Weidefeld treibt, finden sich dort harmlos aussehende graue, braune oder fast schwarze Stäbchen im Seetang. Tatsächlich handelt es sich um Treibladungspulver für Granaten. Optisch ähnelt das Material Wunderkerzen, es ist jedoch gefährlicher. Es besteht aus Nitrocellulose und wurde in Stangenform in Granaten verwendet, um Geschosse zu beschleunigen. Es ist leicht entzündlich und verbrennt nahezu rauchfrei.

Der Kampfmittelräumdienst kennt das Material zur Genüge. Dass es an Stränden in der Region angespült werde, sei immer wieder der Fall und lasse sich nicht vermeiden, so ein Sprecher. Dies sei abhängig von Einflüssen wie Strömung und Wind. Alteingesessene können das bestätigen. Sie finden die Treibladungen seit vielen Jahren an diesem und an anderen Strandabschnitten. So beschäftigt sich auch der Naturschutzbund Schleswig-Holstein (Nabu) mit Sprengstofffunden am Ostseestrand. Auf dessen Homepage wird von einem Fund aus dem Dezember 2013 am Strand von Schönhagen berichtet.

Zwei Monate zuvor hatte ein Neumünsteraner an der Schwansener Küste bei Klein Waabs einen elf Zentimeter langen Stab gefunden, der ihn an einen Donnerkeil (Fossil) erinnerte. Auch in diesem Fall handelte es sich um eine Treibladung aus Nitrocellulose. Als er dem Vorschlag eines Bekannten folgend ein Feuerzeug daran hielt, entzündete sich der Fund im Bruchteil einer Sekunde und es gab nach Angaben des Mannes eine 30 Zentimeter hohe Stichflamme, die kaum zu löschen war. Es war großes Glück, dass niemand zu Schaden kam.

Von einem ähnlichen Fund kann Kappelns Bürgermeister Heiko Traulsen berichten – gemacht hatte er diesen am Strand von Kronsgaard. Dass jedoch auch Kappelns Hausstrand Weidefeld betroffen ist, sei ihm neu, sagt er. Inzwischen wurde der Kampfmittelräumdienst informiert, die Experten haben den Strand südlich von Olpenitz in Augenschein genommen und 140 Gramm Stangenpulver eingesammelt. Für die Sprengstoff-Experten Kleinkram – dennoch werde man den Strand jetzt öfter absuchen, so ein Sprecher.

Woher stammt die Munition, die an die Strände gespült wird? Möglichen Aufschluss gibt eine Bund-Länder-Studie aus dem Jahr 2011, die 2013 fortgeschrieben wurde und sich mit der Munitionsbelastung der deutschen Meeresgewässer beschäftigt. Darin wird festgestellt, dass im April und Mai 1945 wohl im Bereich der Flensburger Förde rund 1200 Tonnen Kampfstoffmunition versenkt wurden – nach Auswertung „neu erschlossener Dokumente“ nicht nur am Ausgang des Versenkungsgebiets im kleinen Belt, sondern auch schon auf dem Weg von und nach Flensburg (unter anderem: Senfgas-, Tabun- und Gasmunition, Großsprengkörper). Außerdem vermuten Fachleute, „dass an verschiedenen Stellen Körper eingebracht wurden, die ein für Artilleriemunition typisches Signal reflektieren“. Dies könnte eine Quelle der Strandfunde sein.

Eine weitere Quelle könnte das Munitionsversenkungsgebiet zwei bis fünf Seemeilen südöstlich des Leuchtturms Falshöft sein. Dort sollen bei Kriegsende vorrangig Patronen und Granaten „kleinerer Kaliber“ durch Einheiten versenkt worden sein, die sich anschließend in die Schlei und die Geltinger Bucht zurückzogen. Gleiches gilt für das Versenkungsgebiet ein bis vier Seemeilen südöstlich vor Schönhagen. Bereits im Zweiten Weltkrieg wurde dieses zudem für militärische Übungen verwendet und ist entsprechend in Seekarten der damaligen Zeit mit dem Hinweis eingezeichnet, dass dort Munition eingesetzt wurde, beziehungsweise zurückblieb.


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erstellt am 19.Feb.2014 | 12:00 Uhr

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