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Schleswiger Nachrichten

17. Oktober 2017 | 21:13 Uhr

Erdkabel : Graben für die Energiewende

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Noch in diesem Jahr soll das Hochspannungs-Erdkabel zwischen Weesby und Jardelund in Betrieb gehen.

von
erstellt am 04.Sep.2014 | 15:00 Uhr

Am 1. Juli hat die Schleswig-Holstein Netz AG (SH Netz) die Verantwortung für die 110 000-Volt-Hochspannungsleitungen im Land übernommen – und damit zugleich die Federführung für den Ausbau der Netze, die den Windstrom aus Nordfriesland durch Schleswig-Holstein gen Süden leiten. 1600 Megawatt speisen die Betreiber regenerativer Energieanlagen dort derzeit ein, allein 200 Megawatt soll das neue Erdkabel-System abtransportieren, das derzeit zwischen Jardelund und Weesby wächst. Vereinbart im Jahr 2010 im Zuge der Netzausbau-Strategie des Landes, soll die neue Leitung noch in diesem Jahr in Betrieb gehen. Um das zu ermöglichen, schieben Baufirmen derzeit zum Teil Sechs-Tage-Schichten.

300 Meter pro Tag schreitet die Baugrube nach Angaben von SH-Netz-Projektleiter Till Klages im wahrsten Sinne des Wortes voran. Denn während ein Spezialbagger nach dem Abtragen des Mutterbodens mit einer riesigen keilförmigen Schaufel den 1,70 Meter tiefen Kabelgraben aushebt, werden nachfolgend sofort sechs Leerrohre verlegt, in die dann später die ummantelten Aluminium-Leiter eingezogen werden. Nach den Rohrarbeiten wird die Baugrube bereits wieder verfüllt, so dass die Baustelle im Schatten unzähliger, zum Teil noch unfertiger Windkraftanlagen stetig durch die Rapsfelder auf dem Geestrücken wandert.

„Mit der sechs Kilometer langen Trasse schaffen wir gewissermaßen den Lückenschluss zwischen den Umspannwerken in Weesby und Jardelund“, erläutert Ove Struck, Sprecher der SH-Netz-Mutter Eon Hanse. In Jardelund werde das Erdkabel an ein Umspannwerk angeschlossen, das gerade in Zusammenarbeit mit dem Netzbetreiber Tennet gebaut wird. Damit laufen dort zwei Netzebenen zusammen: die 110-kV-Erdleitung der SH Netz mit der 380-kV-Höchstspannungsleitung des niederländischen Unternehmens, das auch die Stromautobahn entlang der Westküste in den Süden aufbaut.

Für SH Netz ist das Projekt an der dänischen Grenze die zweite 110-kV-Erdleitung im Land, mit der die Mittelspannungsnetze, die einst nur für den Transport von Strom zu den Verbrauchern gebaut worden waren, entlastet werden sollen. Sie sind kaum mehr in der Lage, die eingespeiste Leistung der vielen dezentralen Erzeuger regenerativer Energien aufzunehmen. Wenn das 14-Millionen-Euro-Projekt angeschlossen ist, kann damit nach Unternehmensangaben in etwa so viel Strom abtransportiert werden, wie die Landeshauptstadt Kiel verbraucht.

Das Verlegen von Erdkabeln war den Netzbetreibern lange ein Dorn im Auge, weil es um ein Mehrfaches teurer ist als das Verlegen über Masten. Gleichzeitig hat aber beispielsweise die jahrelange Verzögerung der oberirdischen 380-kV-Leitung zwischen Breklum und Flensburg Wirkung gezeigt. Der entscheidende Umschwung in der Strategie ging jedoch mit der Änderung des Energiewirtschaftsgesetzes (EWG, §43) einher. Denn dieses legt fest, dass in einem 20-Kilometer-Streifen entlang der Nordsee auf der 110-kV-Ebene nur noch Erdkabel verlegt werden dürfen. Im Gegenzug können die Netzbetreiber ihre Investitionskosten über das Netzentgelt refinanzieren, das nach Angaben Strucks etwa 25 Prozent des Strompreises entspricht.


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