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Schleswiger Nachrichten

23. Oktober 2017 | 05:28 Uhr

Hesterberg : Gottorfs neue Abstellkammer

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Der Umbau des Volkskunde-Museums auf dem Hesterberg zum Zentralmagazin der Landesmuseen schreitet voran.

von
erstellt am 09.Apr.2015 | 12:35 Uhr

Ende des Monats ist es genau ein Jahr her, dass das Volkskunde-Museum auf dem Hesterberg seine Tore schloss. Damals war die Entscheidung der Schleswiger Ratsversammlung noch ganz frisch, das neue Stadttheater nicht hier zu bauen, sondern es lieber noch einmal im Lollfuß zu versuchen.

Als in der vergangenen Woche auch diese Träume endgültig platzten, fragten sich manche Schleswiger Theaterfreunde, ob es nicht doch noch ein Zurück zu den eigentlich beerdigten Hesterberg-Plänen geben könnte. Doch ein Besuch auf dem Museumsgrundstück an der Suadicanistraße macht deutlich: Dieser Zug ist endgültig abgefahren. Die Umbauarbeiten zum neuen Zentralmagazin für alle Abteilungen der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen haben längst begonnen. Im Körnerhaus, dem von der Straße aus gut sichtbaren Hauptgebäude des Ensembles, sind bereits die ersten Zwischendecken durchbrochen. Hier soll ein Lastenaufzug eingebaut werden.

„Nach der Entscheidung der Ratsversammlung gegen das Hesterberg-Theater haben wir bei der Stadtverwaltung nachgefragt, ob wir das Gelände vorsorglich weiter bereithalten sollen“, sagt Guido Wendt, der kaufmännische Direktor der Landesmuseen. „Die Antwort war ein klares Nein.“ Deshalb begann er unverzüglich, an Plan B zu arbeiten. Der eigentlich schon unterschriftsreife Kaufvertrag für eine Bundeswehr-Immobilie in Rendsburg, wo das Magazin eigentlich entstehen sollte, verschwand in der Schublade. Das Kieler Kulturministerium stellte rund fünf Millionen Euro für Um- und Neubauten auf dem Hesterberg zur Verfügung. Im vergangenen Herbst wurden alte Baracken an der Nordseite des Grundstücks abgerissen. Hier soll in den nächsten zwei Jahren ein moderner Bau mit 1600 Quadratmetern auf zwei Ebenen entstehen. Innen werden ideale klimatische Bedingungen für besonders empfindlichen Museumsstücke herrschen – mit weniger als 40 Prozent Luftfeuchtigkeit für Gegenstände aus Metall im Erdgeschoss und mit bis zu 55 Prozent Luftfeuchtigkeit für Holz im Obergeschoss. Wendt hat den Entwurf der Architekten bbp aus Kiel und Scheidt Kasprusch aus Berlin gerade frisch auf den Tisch bekommen und zeigt sich sehr angetan. Der graue Ziegelstein korrespondiere hervorragend mit den roten und gelben Steinen der bestehenden Gebäude auf dem Gelände, in denen weitere 6500 Quadratmeter zur Verfügung stehen.

Alle drei Landesmuseen werden das neue Zentralmagazin nutzen, die Volkskundler ebenso wie die Kunsthistoriker und die Archäologen. Ansprechpartner für alle ist Guntram Turkowski. Der letzte Leiter des Hesterberg-Museums ist in seinem alten Büro geblieben und hat diese neue Aufgabe übernommen, während sein früherer Kollege Carsten Fleischhauer nun das Jüdische Museum in Rendsburg leitet, das ebenfalls zum Portfolio der Landesmuseen zählt.

Die Bestände aus der Volkskunde werden den größten Teil der Magazinfläche füllen, zumal die Archäologen für viele Fundstücke auch weiterhin ihr eigenes Zentralmagazin nutzen werden, das erst vor fünf Jahren an der B  76 in Busdorf eingerichtet wurde.

Besonders dringend wird der Hesterberg für zahlreiche Sammlungsstücke aus dem Freilichtmuseum in Molfsee benötigt, die bislang nur notdürftig gelagert werden und zu verrotten drohen. Rund 50 Kutschen aus den Volkskundlichen Sammlungen, die derzeit in einer angemieteten Halle in Jübek stehen, werden nach Schleswig zurückkehren. Viele von ihnen stehen dann in demselben Seitengebäude, in dem die Besucher schon alte Kutschen bestaunen konnten, als das Museum noch geöffnet war. Museumsbesitz wird in der Regel weder verkauft noch verschrottet. „Viele Dinge sind uns geschenkt worden, und die Vorbesitzer gehen davon aus, dass ihre Sachen bei uns sicher sind“, sagt Turkowski. Alles was er und seine Vorgänger über Jahrzehnte gesammelt haben, soll für die Öffentlichkeit nicht verloren sein. Einiges wird in Molfsee ausgestellt, wenn dort in den nächsten Jahren ein neues Ausstellungsgebäude steht. Und auch die Reithalle auf der Gottorfer Schlossinsel stehe grundsätzlich für volkskundliche Sonderausstellungen zur Verfügung, sagt Wendt.

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