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Neue Ampelschaltung : Gottorfknoten in Schleswig: Hier fährt fast jeder bei Rot

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Seit Freitag stehen an der Kreuzung zwei Ampeln, Autofahrer sind irritiert. Drastische Strafen gibt es aber vorerst nicht.

von
erstellt am 22.Dez.2016 | 07:48 Uhr

Schleswig | Axel Warnke hatte nicht übertrieben oder jedenfalls kaum: „Von 100 Fahrern missachten 99 die neue Ampelschaltung“, sagte der Leiter der städtischen Straßenverkehrsbehörde und lud die Schleswiger Nachrichten zum Ortstermin am Gottorfknoten ein. Und tatsächlich: Kaum standen er und sein Kollege Björn Losch am Mittwochvormittag an der Kreuzung zwischen Oberlandesgericht und Schloss Gottorf, da rauschten hinter ihnen trotz Rotlicht die Autos vorbei. Vielleicht nicht 99 Prozent, wie Warnke sagte, weil Übertreibung ja oft deutlich macht, worum es geht. Aber 80 bis 90 Prozent mögen es in der Tat gewesen sein.

Hier schlägt offenbar die Macht der Gewohnheit zu. 13 Jahre lang stand hier eine Ampel, deren Licht für alle Autos galt, die aus dem Friedrichsberg kamen. Egal, ob sie nach rechts in die Innenstadt abbogen, nach links auf die Bundesstraße oder geradeaus auf die Gottorfer Schlossinsel fuhren. Wer rechts abbog, musste freilich achtgeben auf die Fußgänger und Radfahrer, die am Gottorfdamm die Straße querten. Sprang die Hauptampel auf Rot, leuchtete kurz darauf ein grüner Pfeil für die Rechtsabbieger auf.

Doch seit dem letzten Freitag ist alles anders. Jetzt stehen hier zwei verschiedene Ampeln. Eine für Linksabbieger und Geradeaus-Fahrer und eine für Rechtsabbieger. Nur hat das offenbar kaum jemand bemerkt. Einige Meter vor der Kreuzung steht zwar ein Warnschild, das auf die neue Ampelschaltung hinweist. Aber das scheint nicht deutlich genug zu sein. Jetzt fragt sich Axel Warnke, was er noch tun soll. „Ich kann ja schlecht ein Schild aufstellen, auf dem steht: Bei Rot bitte anhalten“, meint er. Während er das sagt, stoppt neben ihm tatsächlich eine junge Frau mit zwei Kindern auf der Rückbank ihren Kleinwagen auf der rechten der beiden Linksabbieger-Spuren. Ein seltenes Bild, das auch nicht lange andauert. Kaum fährt neben ihr ein VW-Bus und biegt trotz Rotlicht ab in Richtung Innenstadt, da gibt auch sie Gas. „Das wäre eigentlich jedes Mal ein Fahrverbot“, sagt Warnke.

Es liegt wohl auch an diesen gravierenden Konsequenzen, dass die Polizei sich bisher am Gottorfknoten zurückhält. Würden die Beamten sich hier ein paar Tage lang postieren, hätte danach zwar jeder die neue Ampelschaltung verstanden – aber halb Schleswig wäre erst einmal ohne Führerschein. Vielleicht würde es helfen, einfach mal einen Streifenwagen an der Kreuzung zu postieren, überlegt man im Schleswiger Polizeirevier. So etwas führt automatisch zu extrem erhöhter Aufmerksamkeit aller Verkehrsteilnehmer.

Gefährlich wird das Rechtsabbiegen bei Rotlicht erst dann, wenn der Fahrer nicht auf Radfahrer oder Fußgänger achtet. Das tun die Schleswiger aber in der Regel – so wie sie es zu Zeiten der alten Ampelschaltung ja auch machen mussten. Auf dem Gottorfknoten kommt es zwar jährlich zu drei bis vier Unfällen. Es ist in den letzten Jahren aber nicht vorgekommen, dass ein Rechtsabbieger einen Fußgänger erfasst hat. Aber so weit soll es ja lieber gar nicht erst kommen. Gutachtern, die ein Verkehrskonzept für die Stadt erstellt hatten, war das Gefahrenpotenzial aufgefallen: Wegen der zwei parallelen Rechtsabbieger-Spuren ist den Fahrern oft die Sicht auf den Gehweg versperrt, erklärt Warnke.

Wenig später stoppt eine weitere Frau ihr Auto vor der roten Rechtsabbieger-Ampel. Hinter ihr drückt jemand kurz auf die Hupe. Reflexartig startet sie den Wagen, stoppt aber nach einem halben Meter wieder und bleibt auf der Haltelinie ganz ordnungsgemäß stehen, bis sie Grün hat. Ein kleines Erfolgserlebnis für Axel Warnke an diesem Morgen.

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