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Schleswiger Nachrichten

20. Oktober 2017 | 07:54 Uhr

Schleswig : Gottorfer Reithalle wird zum Postamt

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Briefmarkenfreunde aus nah und fern sicherten sich auf der Schlossinsel die Sonderanfertigungen zur „Hedvig Sofia“-Ausstellung.

„Früher waren die Frauen die Sammler und die Männer die Jäger“, sinnierte Winfried Schielke aus Schuby, der am Sonnabend für den Schleswiger Verein der Briefmarkensammler Sondermarken auf Schloss Gottorf verkaufte. „Aber in unserem Verein sind nur vier Frauen. Auch sonst habe ich die Erfahrung gemacht, dass eher die Männer alles Mögliche sammeln, und die Frauen meinen, das könnte doch weg.“ Briefmarken jedoch sind bekanntlich sehr kleine Gegenstände, sodass die eine oder andere Ehefrau diese Sammelleidenschaft gerne toleriert und auch unterstützt. So nutzten zahlreiche Ehepaare also den gemeinsamen Aktionstag der Deutschen Post, der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen und des Vereins der Briefmarkensammler, um die bald endende Sonderausstellung „Von Degen, Segeln und Kanonen“ – der Untergang der Prinzessin Hedvig Sofia“ zusammen zu besuchen und gleichzeitig eine der 250 gedruckten Sondermarken inklusive Sonderstempel abzustauben (wir berichteten).

Den Sonderstempel gab es nur an diesem Tag, da die Post mit ihrem Team „Erlebnis Briefmarken“ ein mobiles Postamt in der Reithalle des Schlosses eingerichtet hatte. Mit besonderer Sorgfalt setzte Florian Szyszka von der Post dabei die Stempel auf die Marken. „Vielen ist es ganz wichtig, dass jedes Detail des Stempels genau zu sehen ist“, wusste er aus Erfahrung. Anschließend wurden die Briefe und Karten der normalen Post zugeführt und erreichen nun in den nächsten Tagen ihre Empfänger. Oft schicken sich die Sammler die Briefe selbst, einige Besucher kamen aber auch extra, um Briefmarkensammlern in ihrem Freundeskreis eine unverhoffte Freude zu machen.

So auch Adolf und Ingrid Bluhm aus Crivitz in Mecklenburg. Sie machen derzeit Urlaub in Schleswig-Holstein und schickten nun einen Brief an ihren zwölfjährigen Enkel Paul. „Unsere Kinder haben früher auch, wie ich, Briefmarken gesammelt“, erzählte Adolf Bluhm, „später dann, als sie auszogen und studierten, ließ das nach. Paul sammelt aber noch leidenschaftlich und wird sich über unsere Post sicher freuen.“ „Glücklicherweise gibt es immer noch junge Menschen, die sich für Briefmarken interessieren, obwohl sie im Alltag kaum noch vorkommen“, sagte Winfried Schielke und verwies auf die seit über 20 Jahren bestehende Briefmarken-AG der Domschule. Tatsächlich aber werden heute kaum noch Briefe geschrieben. Es wird telefoniert, gemailt oder gechattet und bald ist dem Nachwuchs eine Briefmarke wohl genauso fremd, wie eine gelbe Telefonzelle. Umso wertvoller ist das vorhandene Material den Sammlern.

Auswärtige nutzten allerdings ebenfalls das Internet, um an die Sondermarke zu kommen. „Ich habe einige Bestellungen per E-Mail bekommen“, erzählte Walter Thielking von den Briefmarkenfreunden. Er werde die Marken nun „sonderbestempelt und samt Rechnung“ an die Käufer verschicken. Reinhold Schulte in den Bäumen aus Kropp, ebenfalls Mitglied im Verein, ist hingegen Traditionalist: „Meine Schwester lebt in der Schweiz. Wir schreiben uns seit Jahren jede Woche einen handschriftlichen Brief und telefonieren nur, wenn wirklich mal die Luft brennt.“

Alle, die den Termin am Sonnabend verpasst haben, können – solange der Vorrat reicht – über den Verein noch die Sondermarken erwerben. Die Marken mit einem Nennwert von 45 Cent gibt es für 1,50 Euro pro Stück, um die Kosten zu decken. Einige Sondermarken aus den vergangenen Jahren sind ebenfalls noch vorhanden. „Zum Briefmarkensammeln ist körperliche Fitness nicht erforderlich, somit ist es bis ins hohe Alter ein schönes Hobby“, sagte Schielke abschließend. „Wir haben einmal im Monat einen offenen Treff und tauschen uns aus. Über neue Mitglieder freuen wir uns sehr.“

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