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Gottfried Frieberger : Gottorf: Reise in eine musikalische Blütezeit

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Ein ungewöhnliches Orgelkonzert mit dem österreichischen Musikprofessor Gottfried Frieberger war auf Schloss Gottorf zu erleben.

Im Rahmen der Gottorfer Orgelmusik kam der aus dem oberösterreichischen Linz stammende Gottfried Frieberger in das Schloss, um auf der prunkvollen, mitteltönigen Orgel zu spielen. Der mit zahlreichen internationalen Preisen ausgezeichnete Professor für Orgel hatte sein Programm eigens auf das Instrument zugeschnitten. Die Kompositionen stammten aus dem 15. bis 17. Jahrhundert und waren hauptsächlich aus sogenannten Tabulaturen entnommen: Notenbücher mit Sammlungen von Musiken verschiedener, oft anonym überlieferter Komponisten also, die in einer besonderen Art der Notenkurzschrift für die Orgel notiert sind, da Papier damals sehr teuer war. Dabei hatte jedes Land oft ihre eigenen, uns fremd aussehenden Noten – Mensuralnotation genannt – mit ihren individuellen Anweisungen, Buchstaben und Kürzeln.

Frieberger hatte diese in die heutige Notenschrift übertragen, um sie überhaupt spielen zu können. Zahlreiche Bibliotheken und ehemalige Klöster wie St.  Gallen beherbergen diese alte Sammlungen, die meisten den Namen von ihren fürstlichen Stiftern, Besitzern oder Orten trugen.

Frieberger spielte sehr überzeugend die Musik jener bemerkenswerten Epoche der Renaissance, in der es noch kein Dur und Moll gab, sondern man lediglich weltliche von geistlicher Musik unterschied. Zunächst sang er aus der „Tabulatur Jan von Jublin“ den geistlichen Introitus „Salve Sancta parens“ den Textanfang („Incipit“) im Stil des Gregorianischen Chorals – eine durchaus gängige Methode in der katholischen Liturgie der damaligen Zeit. Nach einem eindrucksvollen Schlachtgemälde, eine zweiteilige „Guerra“ folgten Tänze aus weiteren Tabulaturen wie eine aus Venedig, die bereits die italienische Lebensfreude deutlich widerspiegelten.

Zu den ältesten gedruckten Tabulaturen gehört zweifellos die des Bonifacius Ammerbach aus dem Jahr 1513. Sie enthält hauptsächlich Lieder von Paul Hofhaimer, Hans Buchner, Hans Kotter und Heinrich Isaac, dessen berühmtes „Innsbruck, ich muss dich lassen“ erklang.

Doch auch Stücke und sechs Verse aus dem „Magnificat octavi toni“ des am Augsburger Dom wirkenden Christian Erbach wurden zu Gehör gebracht. Auch hier sang Freiberger zuerst die jeweilige Textanfänge, denen die Musik folgte. Nicht zuletzt stellte er eine Canzone und eine spieltechnisch bemerkenswerte Toccata von Johann Jakob Froberger vor, der eine Zeit lang am Wiener Stephansdom tätig gewesen war. Für die leider nicht sehr zahlreichen Zuhörer eine nicht alltägliche, aber überaus spannende Zeitreise in die Vergangenheit.


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