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NDR-Sendung „Lieb und teuer“ : Gottorf bittet zur Kunstsprechstunde

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Mehr als 400 Besucher ließen am Sonntag auf der Schlossinsel von Experten ihre persönlichen Schätze bewerten.

von
erstellt am 22.Sep.2014 | 07:38 Uhr

Mit etwas Glück rund 300 Euro. So viel sind die Porzellan-Windhunde von Gudrun Haak offenbar wert. Gar nicht schlecht findet sie, und deshalb will es sich die Kielerin vielleicht noch einmal überlegen, ob sie die Figur, die sie vor 30 Jahren mal zum Geburtstag bekommen hatte, nicht doch zum Verkauf anbietet. „Ich bin ganz erstaunt“, sagt sie, „denn eigentlich wollte ich nur mal wissen, was dieses Ding wert ist.“ Mit der selben Motivation sind gestern neben Gudrun Haak mehr als 400 weitere Besucher auf die Schlossinsel gekommen. Sie alle wollten von ausgewiesenen Experten wissen, welche Preise ihre alten Schätze – die zum Teil seit Jahrzehnten in Regalen stehen oder in Kisten auf Dachböden schlummern – auf dem Kunsthandelsmarkt so wert sind.

Eingeladen zu dieser Kunstsprechstunde hatte das NDR-Fernsehen. Dort läuft bereits seit 14 Jahren die Sendung „Lieb und teuer“. Und zwar mit großem Erfolg, wie Redakteurin Marina Bartsch-Rüdiger versicherte. Bis zu einer halben Millionen Zuschauer verfolgten sonntags ab 16 Uhr, wie Fachleute den Wert von Gemälden, Uhren oder etwa Vasen einschätzen, die sich oft seit Generationen in Familienbesitz befinden. „Und auch die Geschichten, die dahinter stecken, gehören dazu“, betonte Marina Bartsch-Rüdiger.

Genau diese hat sie nun auch gestern in Schleswig, gemeinsam mit einem 20-köpfigen Team, versucht aufzuspüren. Denn alle 400 Besucher (sie kamen aus ganz Norddeutschland, einige sogar aus Berlin oder dem Rheinland) waren dadurch, dass sie sich und ihre Kunstschätze vorstellten, zugleich Teil eines großen Castings. Denn sobald jemand mit einem ganz außergewöhnlichen Objekt vor den Experten vorstellig wurde und vielleicht noch eine ebenso außergewöhnliche Geschichte dazu erzählen konnte, wurde er in den Kreis derer aufgenommen, die schon im nächsten Frühjahr in einer „Lieb und teuer“-Sendung sitzen könnten.

Rund 20 Kandidaten kamen dabei am Ende zusammen. Während die jedoch nach Hause gingen, ohne zu wissen, was ihr persönlicher Schatz wert ist (wegen der Spannung in der Sendung, wie Marina Bartsch-Rüdiger erklärte), hatten alle anderen schließlich ein konkretes Ergebnis in der Tasche. Darüber wiederum freuten sich einige, wie etwa Gudrun Haak mit ihren Porzellan-Windhunden, andere jedoch waren sichtlich enttäuscht – insbesondere dann, wenn sie auf Reichtümer gehofft hatten, von den Experten aber gesagt bekamen, dass ihr rostiges Schwert doch nur ein billiges Mitbringsel von einem Japan-Urlauber ist.

„Etwas mehr“ hatte sich auch der Flensburger Karl-Heinz Sjögren erhofft. Aber Buchexperte Daniel Schramm machte ihm wenig Hoffnung, dass seine 1736 in Frankfurt gedruckte Sammlung von Predigten mehr als 400 Euro einbringen würde. Auch wenn es das dicke Buch, das Sjögren vor 20 Jahren für rund 700 D-Mark ersteigert hatte, zurzeit kein zweites Mal auf dem Weltmarkt gibt. Wie auch die anderen Fachmänner und -frauen konnte Schramm über ein Laptop sofort sämtliche relevanten Kunsthandels-Datenbanken aufrufen und frühere Auktions-Erlöse abgleichen. Zusätzlich hatte jeder Experte seine eigenen Bestimmungsbücher mitgebracht. „So kommen wir zu realistischen Ergebnissen“, meinte Schramm. Zudem seien er und seine Kollegen allesamt Sachverständige und keine Händler. Man könne also sicher sein, dass hier niemand übers Ohr gehauen wurde.

 

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