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Schnelles Internet : Glasfasernetz kostet 350 Millionen Euro

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

TÜV Rheinland stellt Gutachten zum kreisweiten Ausbau der Breitbandversorgung vor. Es sind Tiefbauarbeiten auf 4800 Kilometern Länge erforderlich.

shz.de von
erstellt am 12.Feb.2014 | 07:45 Uhr

Die Vorgabe des Landes ist klar: Bis 2030 soll für alle Haushalte in Schleswig-Holstein ein Glasfaseranschluss für schnelles Internet verfügbar sein. Laut dem in dieser Woche auf zwei Regionalkonferenzen in Silberstedt und Satrup vorgestellten technischen Gutachten des TÜV Rheinland würde der Anschluss aller Haushalte an ein Glasfasernetz allein im Kreis mehr als 350 Millionen Euro kosten.

97 190 Telefonanschlüsse gibt es im Kreisgebiet, rund 11 000 davon werden gewerblich genutzt. Um sie alle ans Glasfasernetz anschließen zu können, müssen auf 4800 Kilometern Glasfaserkabel verlegt werden, Kostenpunkt laut Gutachten: 210 Millionen Euro nur für Tiefbauarbeiten. 859 Kabelverzweiger (KVZ) – sie bilden die Schnittstelle zwischen den Hauptdatenleitungen und den Haushalten – gibt es derzeit im Kreis. Sie alle müssen mit neuer Technik ausgestattet werden. Kosten: rund 57 Millionen Euro.

In das Gutachten seien sämtliche verfügbaren Geodaten eingeflossen, erläuterte Harald Kawelke, Fachexperte für Breitband und Glasfaser beim TÜV Rheinland, in Silberstedt gut 40 Bürgermeistern. Ortslagen, Straßen, Häuser mit exakten Adressen seien metergenau erfasst worden. Somit handele es sich bei den vorliegenden Daten nicht um Annahmen, sondern um reale Daten.

Angesichts der genannten Summen stellte Landrat Wolfgang Buschmann fest: „Technische Gutachten zeigen uns, wo wir stehen. Die Augen zu schließen vor dem, was auf uns zukommt, wäre sicher der falsche Weg. Mit der Vorlage des Gutachtens verfolgt der Kreis seine Breitbandstrategie weiter.“ Das Gutachten selbst schlägt mit 112 000 Euro zu Buche, 71 000 Euro aus Fördermitteln.

Bei den vorgestellten Zahlen handele es sich um ein Worst-Case-Szenario, stellte Kawelke klar, bei dem davon ausgegangen wurde, 100 Prozent der bestehenden Anschlüsse ans Glasfasernetz anzuschließen. Bereits existierende Infrastruktur wie etwa das Glasfasernetz der Freikom im Amt Haddeby wurde im Gutachten nicht kostenmindernd berücksichtigt. „Es geht auch billiger“, sagte Kawelke. Der Aufbau eines Glasfasernetzes sei jedoch eine echte Investition in die Zukunft. „Einmal ordnungsgemäß verlegt, sollte es 100 Jahre ohne Wartung laufen.“

Die Bürgermeister interessierten sich vor allem für praktische Belange, etwa das vorausschauende Verlegen von Leerrohren in Neubaugebieten. Kawelke riet dazu. Die Frage, inwieweit Funkverbindungen für abgelegene Siedlungen eine Lösung sein könnten, beantwortete Kawelke ebenfalls kurz und knapp: „Richtfunk ist keine Alternative.“ Es gebe sehr häufig immense Probleme durch Störanfälligkeit und mangelnde Bandbreite.

Kropps Bürgermeister Reinhard Müller appellierte an die Solidarität der Gemeinden: „Wenn wir das kreisweit machen, muss überall Glasfaser hin, wo wir Glasfaser realisieren können.“ Also bis in die letzte Siedlung. Wireg-Geschäftsführer Olaf Krüger stellte fest: „Die Landflucht von Betrieben ist schon Realität.“ Es gelte, eine weitere digitale Spaltung urbaner und ländlicher Räume zu vermeiden.

Landrat Buschmann skizzierte die nächsten Schritte der Glasfaserstrategie: In einem Businessplan sollen die Finanzierung, die stufenweise Umsetzung und die Steuerung des Ausbaus durch eine zu gründende Breitbandgesellschaft fixiert werden. Der Plan soll noch in diesem Jahr erstellt werden, die Ausschreibung läuft bereits. Ebenfalls noch in diesem Jahr sollen die Gemeinden über die Rechtsform des Zusammenschlusses – Zweckverband, Gesellschaft oder Anstalt öffentlichen Rechts – entscheiden. „Wenn diese Rahmendaten festgelegt sind, können Partner für Finanzierung, Bau, Betrieb und Dienstleistungen gesucht werden“, stellte Landrat Buschmann klar. „Dann gehen wir auf Brautschau.“

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