Glanzvoller Abschied von den Angeliter Sommerkonzerten

Joachim Schäfer - Trompete, Min Jung Kang - Violine, Uwe Hirth-Schmidt - Violoncello
Joachim Schäfer - Trompete, Min Jung Kang - Violine, Uwe Hirth-Schmidt - Violoncello

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12. Juli 2015, 13:26 Uhr

Drei ausdrucksstarke Interpreten, ein eindrucksvolles musikalisches Programm und eine geschichtsträchtige Spielstätte – so verabschiedete sich mit den Angeliter Sommerkonzerten eine über dreißigjährige Konzertreihe der besonderen Art. Wie Pastor Arne Gerundt in der St. Marienkirche zu Grundhof in seinem Grußwort mit Stolz und Wehmut bekannte, war es vor allem die Mischung aus guter Akustik, bestens bespielbarer Orgel und einem sehr verständigen Publikum, die gerade seine Kirche zu einem der bevorzugten Spielorte des kleinen, aber feinen Festivals machte. Der Initiator der Angeliter Sommerkonzerte, Jost Klimas, verabschiedete sich mit den Worten, dass es ihm immer ein Anliegen gewesen sei, diese Konzert-Reihe über all die Jahre stets mit hoher Qualität anzufüllen.

Wie zur Bestätigung trat Joachim Schäfer, Trompeter und langjähriger Mitwirkender an den Sommerkonzerten, zusammen mit Min Jung Kang (Violine) und Uwe Hirth-Schmidt (Violoncello) sogleich den Beweis an. Das Programm, durchaus dem Mainstream geschuldet, bestach dennoch durch seinen virtuosen Schlagabtausch, den die Bearbeitung bekannter Kompositionen erforderlich machte. Wie anders beginnt man ein Konzert in einer schönen, alten Kirche als mit Teilen aus Bachs Concerto in F, einer strahlenden Trompete, einer kraftvoll geführten Geige und einem dunkel-bronzierten Cello als bravouröses Continuo.

Ein innig-zartes Largo in typisch bach’scher Wiederverwertungsmanier erwies sich als sehr gelungener Auftakt. Völlig umdenken durfte das fasziniert lauschende Publikum dann einzelnen Sätzen aus Antonio Vivaldis berühmten „Vier Jahreszeiten“. Sehr verschlankt, weil drei Instrumente ein ganzes Orchester „ersetzten“, hat das Werk dennoch nichts von seiner Suggestivkraft verloren. Immer noch traben die Schlittenpferde, überblüht sich der Frühling, brütet die Sommerhitze und feiern die Winzer ihre Weinernte. Da durfte man sich getrost von alten Hörgewohnheiten trennen. Johann Melchior Molters Konzert in Es-Dur ließ die Trompete sich über die Streicher erheben, ihre kristallklaren Töne durch das Kirchenschiff schweben, da verblüffte die Geige, von beinahe unhörbar zartem Bogenstrich bis kraftvoll überbordend und das Cello durfte facettenreich auch als Percussion, Kontrabass und Bratsche dienen. Als Abschluss setzte Händel barocken Glanz mit seiner bekannten Suite in D-Dur.

Was bleiben wird von den Angeliter Sommerkonzerten? Ganz sicher großartiges Musizieren, das Angelns kleine Kirchen und Gutshäuser zum Erklingen brachte, mitunter experimentell, aber immer hörenswert, erstklassige Künstler, junge Musiker, die hier ihren Weg fanden und ein dankbares Publikum, das die Vielfalt dieser ganz besonderen Konzertreihe zu schätzen wusste. Ein Stückchen gelebter Kultur geht leider verloren.

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